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Herfords Bürgermeister Tim Kähler (SPD) sieht im Rückzug von Saturn seine Prognose zur Zukunft des Einzelhandels bestätigt

Die Innenstadt muss schrumpfen

Herford (WB)

Das Ende des Herforder Saturn-Marktes rückt zwei Tage vor. Statt am 31. Mai wird die Filiale bereits nach dem 29. Mai geschlossen, einem Samstag. Nach 21 Jahren wird der Schriftzug dann für immer aus dem Herforder Stadtbild verschwinden.

Stephan Rechlin

Mit dem Erwerb und der Entwicklung großer Immobilien wie dem Saturn-Geschäft und der H&M-Filiale könnte die Stadt aktives Krisenmanagement betreiben. Foto: Kathrin Weege

Die Media-Markt Saturn Retail Group hat zuvor offenbar vergeblich nach einem kleineren Ladenlokal in der Innenstadt gesucht. Das Unternehmen teilt mit: „Die Schließung steht in keinem Zusammenhang mit den von der Ceconomy im vergangenen Jahr genannten Schließungen in Deutschland. Der Grund ist vielmehr, dass wir für den Markt in Herford, trotz aller Bemühungen von Geschäftsführung und Mitarbeitenden, keine wirtschaftlich zufriedenstellende Fortführungsperspektive entwickeln konnten. Diesen Umstand bedauern wir sehr, denn der Standort ist für uns nach wie vor attraktiv.“

Herfords Bürgermeister Tim Kähler (SPD) sieht im Rückzug Saturns seine Auffassung einer dringend notwendigen Erneuerung der Innenstadt bestätigt: „Statt eines behutsamen Wandels ist nun Krisenmanagement gefordert.“

Die Diagnose – die Fußgängerzone ist zu weitläufig für die Kaufkraft – sei seit Jahren ebenso bekannt wie die zur Verfügung stehenden Medikamente: Landesfördermittel zur Belebung der Innenstädte. Deren Dosierung ist wegen der Coronakrise erhöht worden. Um die Zentren zu erhalten, dürfen Kommunen neuerdings auch Immobilien erwerben, entwickeln und wieder zurück an den Markt bringen. Kähler: „Diese Chance müssen wir nutzen, um den Einzelhandel in Herford auf jene Teile der Innenstadt zu konzentrieren, in die wir ihn haben wollen.“

Herfords Bürgermeister Tim Kähler (SPD)

Was das konkret bedeutet, möchte Kähler dem Rat im April erläutern. Auf aktuelle Herausforderungen übertragen, könnte es heißen, dass die über einen Gesellschaftervertrag miteinander verbundene Parkbau-Gruppe und die Stadt die 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Saturn-Immobilie selber für einen neuen Zweck zurechtsanieren könnten. Zum Beispiel für ein City-Logistik-Center, das Lager- und Auslieferungsmöglichkeiten für das Onlinegeschäft Herforder Einzelhändler schafft. Es könnte auch heißen, dass die Stadt das ab November leerstehende H&M-Gebäude am Augustinerplatz erwirbt und ansiedlungswilligen Filialisten anbietet.

Einzelhändler Joachim Malz, Inhaber der Malz Hausgeräte GmbH an der Goebenstraße, ermutigt die Stadt zu mutigen Schritten: „Zumindest was die weiße Ware betrifft, ist der Rückzug von Saturn kein Drama. Herford besitzt viele kompetente Fachhändler, die in die Bresche springen und ebenso mit geilen Preisen werben können.“

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