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Bünder Einzelhandel sieht sich inzwischen teilweise in seiner Existenz bedroht

„Die Lage ist dramatisch“

Bünde (WB)

Er geht in die siebte Woche – der zweite Lockdown. Seit dem 16. Dezember hat ein Großteil der Geschäfte in der Bünder Innenstadt geschlossen, die Fußgängerzone wirkt zeitweilig, als würde man sich in einer Geisterstadt befinden.

Hilko Raske

Wirkt wie leer gefegt: die Fußgängerzone Eschstraße während des zweiten Lockdowns. Für den heimischen Einzelhandel eine Existenz bedrohende Situation. Foto: Hilko Raske

Vor allem für die inhabergeführten Geschäfte in der City ist die Situation inzwischen teilweise Existenz bedrohend. Wie schätzt der heimische Einzelhandel die Lage ein? Das WESTFALEN-BLATT fragte nach.

„Im Dezember haben wir eigentlich unsere umsatzstärksten Tage. Wir machen dann das Fünf- bis Sechsfache des normalen Umsatzes“, sagt Christoph Lanvers, Mitinhaber und Geschäftsführer des Bünder Modehauses. Neben dem Weihnachtsgeschäft gebe es noch den traditionellen Wäschemarkt, der Kunden aus der gesamten Region anziehe. „Der zweite Lockdown hat uns da erwischt, wo es am Schmerzhaftesten ist“, hält Lanvers fest. Man merke das ganz deutlich an den Vergleichszahlen. „Wir hatten Umsatzeinbußen um die 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.“

Und wie ist es mit der „Click & Collect“-Aktion – also online bestellen und persönlich abholen – gelaufen? „Aus meiner Sicht war das nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so seine Einschätzung. Die staatlich verordnete Zwangspause habe dazu geführt, das sich von den etwa 90 Mitarbeitern gut 70 in einer 100-prozentigen Kurzarbeit befinden würden. „Alle machen sich inzwischen Sorgen um ihren Arbeitsplatz.“

Das Bünder Modehaus sei komplett auf der Winterware sitzen geblieben. Man habe zwar die Möglichkeit der Abschreibung. Doch wie hier eine Erstattung erfolgen solle, stehe noch in den Sternen. „Wir haben Videokonferenzen mit bis zu 90 Teilnehmern, darunter Händler, Steuer- und Wirtschaftsberater. Und keiner weiß, wie die angekündigten staatlichen Hilfe zu interpretieren sind.“ Er habe das Gefühl, dass die Politik es selber nicht wisse.

„Wenn es nicht schnell, unkompliziert und umfangreich zu Hilfen kommen sollte, wird es in Deutschland ein Ladensterben geben, das das Gesicht aller Fußgängerzonen für immer verändern wird“, so seine Prognose. Das Bünder Modehaus habe immer gut dagestanden, vorausschauend und sparsam gewirtschaftet und Reserven gebildet. „Und jetzt leben wir von Darlehen. Es fehlt die Perspektive.“ Er hoffe, dass der Lockdown am 15. Februar ende, befürchtet allerdings, dass er bis Anfang März verlängert werde.

Georg Kruthoff, Geschäftsführer der Handel Bünde GbR, die die Interessen von 40 Einzelhändlern der Innenstadt vertritt, bezeichnet die aktuelle Situation als „dramatisch“. Der Bünder Einzelhandel stehe seit Monaten vor nie dagewesenen Herausforderungen. Auch Kruthoff geht nicht davon aus, dass der Lockdown Mitte Februar beendet werde. Die meisten Geschäfte böten den Online-Einkauf per „Click & Collect“ an – allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. „Wenn ich bei Möbel Lange etwas im Schaufenster sehe, was mir gefällt, oder auch bei Spielwaren Hornschu, dann mag das funktionieren. Im Modebereich ist das aber sehr problematisch. Da kommt bis zu 90 Prozent der Ware zurück.“ Deshalb lohne sich der Online-Verkauf für viele Geschäfte nicht. „Es ist halt schwer, gegen Riesen wie Amazon anzukommen.“

Auch der Gutscheinverkauf, den Handel Bünde anbietet, sei kein Ersatz für geöffnete Geschäfte. „Vom 2. November bis zum 24. Dezember, also im kompletten Weihnachtsgeschäft, sind dabei 25.000 Euro in etwa 50 teilnehmenden Geschäften zusammengekommen.“

Am kommenden Donnerstag werde er mit dem fünfköpfigen Beirat der Handel Bünde GbR per Videokonferenz tagen. „Dann werden wir die Situation eingehend erörtern“, kündigt Kruthoff an. Zielrichtung müsse sein, als Bünder Einzelhandel gemeinsame Aktionen anzustoßen, um auch in Zeiten des Lockdowns in der Öffentlichkeit sichtbarer zu werden. „Wir werden darüber reden, wie dies konkret möglich ist“

Ob die Stadt dabei helfen könne? „Das ist eher schwierig, der sind doch auch die Hände gebunden.“ Ein Hoffnungsschimmer: Bislang habe noch kein Einzelhändler eine Geschäftsaufgabe aufgrund der Corona-Situation angekündigt.

Einkaufsgutscheine für jeweils zehn, 15 oder 50 Euro können weiterhin auf www.handel-buende.de erworben werden. Eine Liste mit den Geschäften, die über einen Liefer- und Abholservice verfügen, gibt es auf der Facebook-Seite von Handel Bünde.

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