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Immer mehr Menschen in Bünde suchen Hilfe beim Sozialberatungsdienst

»Die Wohnungsnot nimmt zu«

Bünde (WB). Wohnungen mit nur einem oder zwei Zimmern sind in Bünde eher die Ausnahme. Und als Sozialwohnungen absolute Mangelware. Dabei ist es gerade diese Wohnungsgröße, die stark nachgefragt wird. Die Folge: Viele Menschen finden auch in der Elsestadt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr.

Hilko Raske

Bezahlbarer Wohnraum wird auch in Bünde zur Mangelware. Diese Erfahrung haben die Sozialarbeiterinnen des Sozialberatungsdienstes in den vergangenen Jahren gemacht. Vor allem kleine Wohnungen mit erschwinglichen Mieten sind eine Rarität. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren noch verstärkt hat, sagen Silvia Haendel und Wiebke Hinz vom Sozialberatungsdienst der evangelischen Diakoniestiftung Herford. Seit sechs Jahren sind die Sozialarbeiterinnen auch in Bünde tätig, bieten Sprechstunden für Menschen in prekären Wohnsituationen an. »Eigentlich ist das eine Notlösung, da unsere Hauptstelle in Herford ist. Aber viele Menschen schaffen es nicht dorthin – teilweise, weil sie einfach nicht über das Geld verfügen, um mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs zu sein«, sagt Silvia Haendel.

Beratungsbedarf wird größer

Der Bedarf an Beratung habe, seitdem sie in Bünde seien, kontinuierlich zugenommen. Mindestens 1000 Menschen in Bünde, so die vorsichtige Schätzung der Sozialarbeiterinnen, hätten mit Blick auf eine eigene Wohnung große Probleme. »Da gibt es Menschen, denen nach Jahrzehnten auf einmal eine Mietwohnung gekündigt wird, Azubis oder Beschäftigte im Niedriglohnsektor, die sich eine eigene Wohnung kaum leisten können bis hin zu denen, die gar keine Wohnung haben und bei Freunden unterkommen oder in der Obdachlosenunterkunft leben müssen«, informiert Wiebke Hinz. Die Gründe dafür seien vielfältig: neben einem zu geringen Gehalt spielten persönliche Schicksalschläge wie Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit eine Rolle.

50 kleine Sozialwohnungen fehlen

Dabei würde der Sozialberatungsdienst keinen Wohnraum vermitteln. »Wir sind keine ›Sozialmakler‹«, stellt Haendel dar. Vielmehr biete man unter anderem Beratung bei Konflikten mit Vermietern oder Nachbarn, bei der Haushaltsführung, bei der Klärung von Mietrückständen oder Hilfe bei Kontakten zu Ämtern. Als besonderen Service stelle man unter anderem eine Postadresse zur Sicherstellung der postalischen Erreichbarkeit oder ein »Treuhandkonto« für Menschen, die kein eigenes Konto haben und die eine Geldmitverwaltung wünschen, zur Verfügung.

Nicht nur in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München sei bezahlbarer Wohnraum inzwischen eine Rarität – »auch in Bünde hat das Angebot abgenommen«, sagt Silvia Haendel. Abhilfe konnten Sozialwohnungen schaffen, meint die Diplom-Sozialpädagogin mit Blick auf das Wohnbauprojekt in Spradow. »Generell fehlen aber mindestens 50 kleine Sozialwohnungen zwischen 30 und 50 Quadratmetern in Bünde«, schätzt sie.

Kommentar

Die Wohnungsnot ist auch in der Elsestadt angekommen. Im Gegensatz zu den Metropolen hätte Bünde seit dem Abzug der britischen Truppen aber eine Möglichkeit, regulierend auf den Wohnungsmarkt einzuwirken. Mit den ehemaligen Britensiedlungen gibt es theoretisch reichlich freien Wohnraum. Ein Teil davon ist schon im Besitz der Stadt, der weitaus größere Teil gehört allerdings noch der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Hier muss die Stadt darauf drängen, dass die stockenden Verkaufsverhandlungen wieder aufgenommen werden.

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