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Im Interview nehmen die Bürgermeisterkandidaten zu wichtigen Fragen Stellung

Diese Fünf wollen ins Bünder Rathaus

Bünde (WB/sal/hr). Fünf Bürgermeisterkandidaten ringen bei der Kommunalwahl am 13. September um den Chefsessel im Bünder Rathaus. Doch was sind ihre Ziele und Visionen für die Zukunft der Stadt? Die Redaktion dieser Zeitung hat mit Martin Schuster (CDU), Susanne Rutenkröger (SPD), Stefanie Janße-Rickmann (Grüne), Norbert Darnauer (UWG) und Marc Höcker (parteilos) gesprochen.

Am 13. September wird neben dem Rat auch ein neues Stadtoberhaupt gewählt. In Bünde wollen fünf Kandidaten den Chefsessel im Bünder Rathaus erobern. Foto: Jan Gruhn

Warum glauben Sie, dass Sie für das Amt des Bürgermeisters geeignet sind?

Martin Schuster: Der Bürgermeister ist nicht nur Vermittler zwischen Bürgern und dem Rathaus, sondern auch Chef der Verwaltung. Dazu bedarf es neben Führungsqualitäten, Teamfähigkeit sowie politischer Erfahrung einer fundierten Ausbildung. Durch meine beruflichen und politische Tätigkeiten sowie Ausbildung (Bankkaufmann) und Studium (Diplomkaufmann) bringe ich die notwendigen Qualifikationen mit.

Susanne Rutenkröger: Ich habe viele Ideen und möchte einen echten Neustart für meine Heimatstadt. Ich beobachte nun schon einige Jahre die Kommunalpolitik und sage ganz ehrlich: Ich bin nicht zufrieden, so wie es gerade läuft. Bünde kann mehr. Ich bin in Bünde aufgewachsen und lebe hier mit meiner Familie. Ich will mit Elan, Dynamik und Durchsetzungsvermögen für Bünde anpacken. Für mich zählt, gemeinsam mit den Bündern Ziele zu formulieren, Probleme zu lösen und die Zukunft zu gestalten – darum will ich Bürgermeisterin von Bünde werden.

Stefanie Janßen-Rickmann: Ich bin seit 2014 im Rat der Stadt Bünde und seit vier Jahren Fraktionssprecherin. In dieser Zeit lernte ich die Bünder Politik kennen und ich habe Spaß daran, mich für meine Stadt einzusetzen. Meine Arbeit und das Leben haben mich gelehrt mit Menschen umzugehen und Menschen zu führen. Bünde ist meine Heimat, ich will hier nicht nur leben, sondern auch aktiv gestalten. Es ist an der Zeit, dass andere Themen bei der Politik der Stadt Bünde in den Fokus kommen, etwa der Umwelt- und Klimaschutz, die Verkehrswende, die Innenstadtbelebung und eine nachhaltige Wirtschaft von der noch unsere Kinder profitieren.

Norbert Darnauer: Für meine bisherige langjährige berufliche Tätigkeit waren und sind Zuverlässigkeit, schnelles Einarbeiten auch in fachfremde Themen, Zielstrebigkeit, Querdenken und immer wieder neue Lösungen finden, unabdingbar. Ich bin engagiert, treffe gerne Entscheidungen und übernehme Verantwortung.

Höcker: Ich bin ein Macher – und da wo ich gebraucht werde, bin ich möglichst sofort zur Stelle. Ich versuche dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird, ohne lange um den heißen Brei zu reden. Jeder, der mich kennt, kennengelernt hat oder auch noch kennenlernen möchte, wird wissen, dass ich ein unkomplizierter und hilfsbereiter Mensch bin, der zu dem steht, was er sagt und tut. Ich fühle mich in der Lage, ein Bindeglied zwischen den Wünschen und Forderungen der Bünder Bürger sowie der Vertretung und Umsetzung dieser in einem Austausch mit der Stadt zu sein.

Was verstehen Sie unter Bürgernähe?

Schuster: Jeder Bürger kann mich auf allen Kanälen wie Social Media, Whatsapp, Mail sowie Telefon erreichen. Ich stehe für jedes persönliche Gespräch zur Verfügung. In den letzten Wochen habe ich sehr viele Bünder getroffen, mit denen ich über unsere Stadt reden durfte. Das ist nicht nur spannend, sondern ganz wichtig für meine Arbeit.

Rutenkröger: Bürgernähe heißt für mich, sich an den Bedürfnissen und Problemen der Bürger zu orientieren und auf deren Interessen einzugehen – und zwar auf Augenhöhe, denn auch ich bin eine Bürgerin. In letzter Zeit habe ich erneut festgestellt, dass ein Besuch vor Ort – etwa das Gespräch mit denen, die es angeht – sehr hilfreich ist. Nur nach „Papiervorlage“ zu entscheiden, reicht oft nicht.

Janßen-Rickmann: Unter Bürgernähe verstehe ich, auf die Bürger zuzugehen, für sie da zu sein. Ich möchte ansprechbar für die Bünder sein und bleiben. Mit einer Bürgersprechstunde möchte ich einen festen Rahmen anbieten, um die Hemmschwelle des Ansprechens zu verringern. Ich freue mich darauf, auch außerhalb dieser Sprechstunde angesprochen zu werden, Ideen aufzunehmen und dann versuchen diese umzusetzen. Bei größeren Projekten sollen bei Versammlungen und Informationsveranstaltungen Bürger mitgenommen werden, um Bünde gemeinsam zu gestalten und noch besser zu machen. Eine Bürgermeisterin und die Mitarbeiter einer Verwaltung sollten sich mehr als Dienstleister für die Bürger verstehen und den Servicegedanken einer Kommune in den Vordergrund stellen. Bürgernähe bedeutet für mich, für die Bürger Service zu bieten.

Darnauer: Für alle Bürger da zu sein.

Höcker: Bürgernähe ist für mich ein besonders wichtiger Aspekt, der nicht diskutabel ist. Es bedeutet, präsent und in einem ständigen konstruktiven Austausch mit den Bürgern der Stadt zu sein, bewusst und aktiv zuzuhören. Auch bedeutet Bürgernähe für mich, immer ein offenes Ohr zu haben, mir die Bedürfnisse und Probleme der Bürger anzuhören, darauf einzugehen und für die Gemeinde da zu sein.

Was läuft in Bünde zurzeit schon recht gut?

Schuster: Bünde ist wirtschaftlich hervorragend aufgestellt. In den letzten fünf Jahren hat die Stadt Bünde gut 26 Millionen Euro Eigenkapital aufgebaut. Damit sind Projekte wie Freibad und Bahnhof solide finanziert. Das gilt unter anderem auch für unsere Schulen, in die viele Millionen Euro investiert werden.

Rutenkröger: Was mich an Bünde wirklich begeistert, ist die Vielzahl von Menschen, die sich hier engagieren und tolle Ideen haben. Ob bei den Hilfsdiensten in unseren zahlreichen Vereinen oder in den Kirchengemeinden. Überall wird wertvolle Arbeit geleistet und das Ehrenamt mit „Haut und Haaren“ gelebt. Gerade jetzt in der Coronakrise erleben wir in Bünde an vielen Stellen Zusammenhalt, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Auch von Seiten der Verwaltung gibt es insbesondere auch in dieser Zeit viel Unterstützung durch engagierte Mitarbeiter.

Janßen-Rickmann: In Bünde läuft zurzeit insbesondere die interfraktionelle Zusammenarbeit gut. Oft haben die Fraktionen diskutiert, debattiert und manchmal auch gestritten. Aber letzten Endes haben wir im Bünder Rat stets einen kultivierten und guten Umgang untereinander gepflegt. Letztlich liegt allen Ratsmitgliedern die Stadt Bünde am Herzen.

Darnauer: Bünde ist aktuell schon recht gut aufgestellt. Wir haben zum Beispiel ein umfangreiches kulturelles Angebot, inhabergeführte Geschäfte und viel Natur zu bieten. Darauf lässt sich aufbauen. Alle Ratsmitglieder setzen sich dafür ein.

Höcker: Ich würde gerne genau benennen können, was in Bünde gut läuft, doch leider fällt mir ad hoc nichts ein, um diese Frage angemessen beantworten zu können.

Was muss in der Stadt verbessert werden?

Schuster: Bünde ist in vielen Bereichen gut aufgestellt. Solide Wirtschaft, gute Schulen und Sicherheit. Dennoch gibt es viel zu tun, damit wir unseren Standard halten können. Insbesondere im Bereich Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung sehe ich große Potentiale, die wir gemeinsam nutzen müssen.

Rutenkröger: Deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum in Bünde zu schaffen, ist eines meiner zentralen Themen. Zudem will ich die Attraktivität Bündes als Einkaufsstadt erhalten und ausbauen, die heimische Wirtschaft unterstützen und mich für Familien – insbesondere Kinder und Jugendliche – stark machen. Bei all unserem Handeln sind Aspekte der Digitalisierung, des demographischen Wandels und des Klimaschutzes zu berücksichtigen. Um Bünde voranzubringen, möchte ich einen neuen Stil ins Rathaus bringen und die Verwaltung zur „Ermöglichungsbehörde“ entwickeln. Besonders wichtig ist mir, immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürger zu haben.

Janßen-Rickmann: Ich würde mir wünschen, dass manche Entscheidungen schneller getroffen werden. Der Kauf und die Vermietung der Bima-Wohnungen brauchen schon viel zu lange. Insgesamt muss die Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bündern besser werden. Oft fühlen sich die Bürger schlecht informiert, dass muss besser werden. Der Klima- und Umweltschutz muss in Bünde mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Darnauer: Ich möchte einige Stichworte dazu nennen: Bezahlbarer Wohnraum, Stadtentwicklung (Bima-Wohnungen), Belebung der Innenstadt, Erweiterungsmöglichkeiten für Industrie und Gewerbe, Netzausbau Erdgas in den Außenbereichen oder die Verjüngung der Stadtverwaltung.

Höcker: Ich bin der Meinung, dass es in dieser Stadt einige Dinge gibt, die verbessert werden könnten und sollten. Zum Beispiel das Thema Verkehrssicherheit, denn in diesem Bereich bin ich durch meine Ausbildung und langjährige Berufserfahrung als Fahrlehrer der richtige Ansprechpartner. Es gibt viele Verkehrssituationen, die einer Nachbesserung bedürfen, um die Schulwege sicherer zu gestalten und so die Kinder zu schützen.

Coronabedingt müssen die Kommunen mit geringeren Einnahmen rechnen. Wo würden Sie als Erstes sparen und weshalb?

Schuster: Aus vielen Gesprächen mit unseren Unternehmen vor Ort habe ich mitgenommen, dass wir insgesamt bisher gut durch die Krise gekommen sind. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass damit auch die Stadt Bünde mit einem blauen Auge davonkommt. Durch die solide Finanzpolitik der letzten Jahre können wir aber auch etwas abfedern. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.

Rutenkröger: Gerade jetzt wäre es fatal, einen radikalen Sparkurs zu fahren. Es gilt, die Wirtschaft zu unterstützen und als öffentlicher Auftraggeber Impulse für die Wirtschaft setzen. Es gilt mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein zu agieren, um gut durch die Krise zu kommen und möglichst schnell wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Die Städte und Gemeinden halten gerade die Gesellschaft am Laufen, deshalb ist es für mich auch wichtig, dass die Kommunen nicht im Regen stehen gelassen werden und vom Land NRW coronabedingte Mehrkosten erstattet und wegbrechende Steuereinnahmen ausgeglichen werden.

Janßen-Rickmann: Wir müssen uns gut überlegen, wo wir einsparen können. Noch können wir die Auswirkungen der Pandemie nicht richtig beurteilen. In einer Rezession ist es nicht immer der richtige Weg, wenn die öffentliche Hand an Einsparungen denkt. Sollten die Kommunen, das Land und der Bund nicht besser konträr reagieren, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen? Für Bünde könnte ich mir vorstellen, aktiv in die Energieeffizienz beim Renovieren der städtischen Gebäude zu investieren, um am Ende Energiekosten einzusparen.

Darnauer: Das hängt von der Situation ab. Nächstes Jahr stehen etliche Landtagswahlen und die Bundestagswahl an. Davor wird es durch eine hohe Neuverschuldung nicht zu Einsparungen kommen. Die Kommunen werden Geld erhalten. Dies darf dann nicht für den Konsum ausgegeben werden, sondern muss für Zukunftsinvestitionen genutzt werden. Auf keinen Fall würde ich bei Familien und Kindern sparen.

Höcker: Ich möchte etwas bewirken und als gutes Beispiel voran gehen. Ich würde jeden Monat 3000 Euro des Bürgermeister-Gehaltes abgeben, damit auf diesem Wege wichtige Renovierungen, Verbesserungen etc. vorgenommen werden können – zum Beispiel bei Schultoiletten oder Kinderspielplätzen.

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