1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. »Diese Mutter ist ein Vorbild für die Gesellschaft«

  8. >

Baby im Ratssaal: Gleichstellungsbeauftragte kritisieren Beigeordneten

»Diese Mutter ist ein Vorbild für die Gesellschaft«

Bünde (WB/hr). Darf eine junge Mutter, die als Kommunalpolitikerin in den Bünder Stadtrat gewählt worden ist, ihr drei Monate altes Baby mit in den nichtöffentlichen Teil einer Ratssitzung nehmen? Aus Sicht des Technischen Beigeordneten der Stadt Bünde, Dr. Andreas Siepenkothen, ist das eher nicht der Fall.

Zur letzten Sitzung des Bünder Stadtrates brache CDU-Ratsfrau Jana Nagel ihr Baby mit in den Ratssaal. Während des nichtöffentlichen Teils bezweifelte der Technische Beigeordnete Dr. Siepenkothen, dass so die Vertraulichkeit gewährleistet sei. Foto: Kathrin Weege

Zumindest äußerte er Bedenken, was die Vertraulichkeit des nichtöffentlichen Teils der Ratssitzung betrifft. Nun bezieht die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsstellen Stellung zur aktuellen Diskussion über das Baby im Ratssaal und das politische Engagement von Frauen. »Politisch engagierte Frauen sind leider noch immer rar. In den Kommunalparlamenten im Kreis Herford liegt der Männeranteil zwischen 70 und 80 Prozent. Auch in anderen Kreisen und auf den anderen politischen Ebenen sieht es ähnlich aus«, sagt Simona Langenberg für die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Herford. »Aber unsere moderne Gesellschaft braucht sie – die ehrenamtlich politisch engagierten Frauen! Leider ist die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Politik oft ein Grund für Frauen, sich politisch nicht zu engagieren. Hier sind Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Engagement von Frauen fördern, nicht noch zusätzlich erschweren«, betont Langenberg.

Vorbildcharakter

Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsstellen des Kreises Herford unterstreiche daher ausdrücklich den Vorbildcharakter einer Bünder Ratsfrau, die ihr dreimonatiges Baby mit in eine Ratssitzung mitgenommen hat. »Wir sind überzeugt, dass diese Mutter ein Vorbild für die Gesellschaft und besonders auch für ihre Kinder ist.«

Verärgerung

Mit großem Unverständnis und Verärgerung nehme die Arbeitsgemeinschaft daher zur Kenntnis, wie der technische Beigeordnete auf ein solch begrüßenswertes Engagement einer Ratsfrau in Bünde reagierte, die ihren drei Monate alten Säugling mit im Ratssaal hatte. Der Technische Beigeordnete der Stadt stellte kürzlich klar , »dass es ihm fernliegt, das Engagement von Rats- und Ausschussmitgliedern in irgendeiner Art und Weise zu behindern. Auch ist es eine Entscheidung der Mutter, ob es für ihren Säugling gut und förderlich ist, mit ihm bis zum späten Abend unterwegs zu sein.«

Da schwinge mit, dass das ehrenamtliche, politische Engagement der Mutter dem Kind vielleicht schaden könnte. »Wir Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Herford sind ausdrücklich gegenteiliger Meinung. Schaden nimmt nur unser demokratisches System, wenn Frauen sich nicht politisch engagieren, weil sie fürchten müssen, in die »Rabenmutter«-Ecke gestellt zu werden«, so Langenberg.

Startseite