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Bleibt es beim bisherigen Impftempo, wird die Altersgruppe 80plus erst Ende Juli durchgeimpft sein

Dritter Tag ohne Anschluss

Herford (WB)

Am dritten Impf-Anmeldetag bleiben die Leitungen so verstopft wie am ersten. Karin Alex vom Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Demenz im Kreis Herford leistet mittlerweile seelsorgerische Begleitung: „Am frühen Mittwoch-Morgen musste ich eine Stunde lang einen 80-jährigen Mann beruhigen.“

Stephan Rechlin

Bis zum Impffläschchen ist es ein langer, mühsamer Weg für Herfords Senioren. Auch am dritten Tag gibt es so gut wie kein Durchkommen. Foto: Moritz Winde

Karin Alex habe es von morgens acht Uhr bis zwölf Uhr mittags versucht, telefonisch oder im Internet Impftermine zu vereinbaren: „Vergeblich. Danach habe ich eine Pause eingelegt.“ Es seien vor allem alleinstehende alte Menschen ohne helfende Angehörige, die in dieser Situation verzweifelten. „Bei meinen Mitstreitern in den anderen Kommunen sieht es nicht ganz so dramatisch aus,“ teilt Alex weiter mit.

Trotz blockierter Leitungen sind den Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zufolge sämtliche Termine im Impfzentrum in Bustedt bis Anfang März ausgebucht. Bis zum 2. Mai seien dort 15.000 Termine eingerichtet worden. Von den gut 20.000 Bürgern im Kreis Herford, die 80 Jahre und älter sind, würden damit gut 7500 weitere Personen jeweils zwei Impftermine erhalten. Etwa 2000 in Altenheimen lebende Senioren sind bereits geimpft. Falls 3000 Senioren aus dieser Altersgruppe die Impfung ablehnen sollten, blieben vom 2. Mai an weitere 7500 Rentner, die noch keinen Termin erhalten konnten. Bliebe es beim derzeitigen Impftempo, würden sie bis Ende Juli durchgeimpft sein. Erst dann könnte mit der nächsten Altersgruppe begonnen werden.

Axel Birkenkämper vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium möchte diese Kalkulation weder bestätigen noch dementieren: „Die Termine werden nach der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes vergeben. Sollte der von Astrazeneca angekündigte Impfstoff am Freitag zugelassen werden und anschließend tatsächlich zur Verfügung stehen, könnten auch deutlich mehr Termine in den Impfzentren eingerichtet werden.“

An den Telefonen der Pflegeselbsthilfe fragen Senioren auch, warum die für Altenheime gebildeten mobilen Teams nicht auch zu ihnen kommen könnten. Das liegt laut KVWL am Impfstoff. Der Impfstoff BNT162b2 von Biontech verlasse bei minus 70 Grad die Verteilzentren und komme bei Kühlschranktemperaturen in Heimen und Impfzentren an. Er sei danach gut vier Tage bei zwei bis acht Grad haltbar; die Transportzeit vom Verteilzentrum zum Pflegeheim, Klinikum oder Impfzentrum sei dabei schon eingerechnet. Werde das Konzentrat aus dem Kühlschrank genommen, bleibe es 30 Minuten bei Zimmertemperatur stehen, das Fläschchen werde zehnmal langsam geschwenkt, mit Kochsalzlösung angemischt, dann wieder zehnmal geschwenkt. Sei der Impfstoff verdünnt, sei er fünf Stunden haltbar, müsse also zügig verimpft werden. Der gelöste Impfstoff sei stoßempfindlich, für Hausbesuche also nicht geeignet.

Weniger empfindlich sei der Impfstoff Moderna. Er werde auf minus 20 Grad gekühlt, sei 30 Tage bei zwei bis acht Grad haltbar und müsse ebenfalls zweimal verimpft werden. KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo: „Dieser Impfstoff ist vor allem für den Einsatz in Kliniken vorgesehen.“ Das vor der Zulassung stehende Vakzin von Astrazeneca, AZD1222, könne bei zwei bis acht Grad transportiert und gelagert werden.

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