1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. Eine Kostüm-Ära geht zu Ende

  8. >

Verleih Ostermöller in Muckum schließt – Kleider, Masken und Co. werden abverkauft

Eine Kostüm-Ära geht zu Ende

Bünde (WB). Cowgirls, Hexen, plüschige Teddys oder Cindy aus Marzahn: Die Verkleidungsstücke in Muckums wohl bekanntestem Geschäft – dem Kostümverleih Ostermöller – reihen sich Bügel an Bügel. Vieles hat Gerda Ostermöller selbst genäht. Nach 50 Jahren endet nun eine Ära. Der Kostümverleih schließt, der Abverkauf hat begonnen.

Kathrin Weege

50 Jahre gruselige Masken und bunte Kostüme aus Muckum: Jetzt aber soll bald Schluss sein. Angelika Tilch verkauft die Verkleidungsstücke, die bis dahin nur verliehen wurden, nun ab. Noch sind die Kleiderständer prall gefüllt. Alles muss raus. Foto: Kathrin Weege

Direkt im Kassenbereich hängen die »Wildecker Herzbuben« – den dicken Bauch gibt’s zum Druntertragen dazu. »Diese Kostüme habe ich gerade verkauft«, sagt Angelika Tilch. Der Tochter von Gerda Ostermöller ist der Entschluss nicht ganz leicht gefallen. Als ihre Mutter im Mai dieses Jahres gestorben ist, kam sie zu der die Entscheidung, den Laden zu schließen.

Bis zu 40 Kunden am Tag

Bis ins Alter von über 80 Jahren hatte Gerda Ostermöller noch im Verleih mitgearbeitet. »Ganz so lange wollte ich nicht machen«, meint die 66-Jährige. Doch es gibt auch einen anderen Grund für die Schließung. »Das Geschäft läuft einfach nicht mehr so wie vor ein paar Jahren noch«, sagt Tilch, die zu Stoßzeiten immer wieder von ihrer Familie im Laden unterstützt wurde. Die Bürger kauften inzwischen lieber preisgünstige Kostüme im Internet. »Dass die Qualität da nicht so gut ist, ist wohl nicht so wichtig«, sagt sie. Vor sechs Jahren hatte der Laden noch täglich geöffnet, zu Stoßzeiten kamen 40 Kunden am Tag.

Hobby zum Beruf gemacht

Gerda Ostermöller, die im Alter von 83 Jahren verstorben ist, arbeitete als gelernte Näherin bei Quelle. »Sie war Mitglied bei den Schützen und im Gartenbauverein. Damals gab es öfter Aufführungen, für die sie die Kostüme genäht hat. Damit fing alles an«, erzählt Angelika Tilch.

Vor etwa 50 Jahren machte Ostermöller dann ihr Hobby zum Beruf. »Meine Mutter nähte viele Kostüme selber – beispielsweise Charleston-Kleider«, blickt Tilch zurück. Später, als der Verleih wuchs, wurden auch Kleidungsstücke dazu gekauft. Tilch: »Meine Mutter hat sie dann überarbeitet. Säume sorgfältig nachgekettelt oder Reißverschlüsse eingenäht.« Und wenn das Dirndl mal an der Brust klemmte oder nicht perfekt saß, passte sie die Kleider für die Frauen an. Dreieinhalb Wochen vor dem Ausleihen konnten die Kunden, die aus der ganzen Region nach Muckum kamen, ihr Wunschkostüm reservieren. »Heute sind die Leute spontaner, wollen sofort etwas mitnehmen«, hat Tilch beobachtet. Kamen die Kleidungsstücke zurück, wurden sie bei Ostermöllerns gewaschen.

Besonders gefragt sind nicht etwa Teddy und Co, sondern die Oktoberfest-Bekleidung. »Auch das wird nun alles verkauft. Für die Männer haben wir echte Lederhosen«, erzählt Tilch. Verschenkt werde aber auch jetzt nichts. Die Waren hätten alle einen angemessenen Preis.

70er-Jahre-Style gefragt

Schlaghosen und bunte Hemden im 70er-Jahre-Style kommen heute gut an. Erfolgreich gelaufen sei das Geschäft in den vergangenen Jahren neben der Oktoberfestzeit auch bei den Motto-Tagen der Abiturienten.

Gerda Ostermöller hat nicht nur fertige Kostüme erschaffen. Sie hinterlässt auch noch jede Menge Stoffe, Knöpfe und Schnittmuster. All das wird nun verkauft.

Wie viele Kostüme, Hüte, Schuhe, Perücken und Accessoires es in dem Laden gibt, das kann Tilch nicht sagen. »Wir haben schon einiges verkauft. Es waren zwei Kostümverleihe aus Bremen und Köln hier und haben etwas mitgenommen – auf den Kleiderständern fällt allerdings noch nicht auf, dass es wirklich weniger wird«, sagt die Bünderin.

Abverkauf dienstags und freitags

Geöffnet hat der Kostümverleih (Zum Sittern 54), der schon von der Hansastraße aus ausgeschildert ist, jetzt nur noch an zwei Tagen: dienstags von 15 bis 18.30 Uhr und freitags von 12 bis 18.30 Uhr. Wie lange der Abverkauf dauern wird, kann Angelika Tilch nicht sagen. Sie überlegt, bis zu den Mottotagen der Abiturienten im kommenden Jahr weiterzumachen.

»In der Arbeit meiner Mutter steckt viel Zeit und Liebe drin. Da schmeißt man nicht einfach alles weg«, findet Angelika Tilch.

Oktoberfestbekleidung ist immer besonders gefragt. Foto: Weege
Startseite