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Wildkamera fotografiert Biber an der Else – einziges Exemplar im Kreis

Ertappt!

Kirchlengern  (WB). Es war eine Sensation. Als die Biologische Station Ravensberg 2015 eindeutige Beweise für die Anwesenheit eines Bibers an der Else gefunden hatte, war die Freude aller Naturfreunde aus Bünde und darüber hinaus groß. Denn seit über 150 Jahren hatte es zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge keine Biber mehr gegeben. Jetzt gibt es neue Fotos von dem Biber.

Carolin Bittner

Eine Wildkamera der Biostation Stift Quernheim hat ein Foto vom Biber an der Else gemacht. Zia Paul, Studentin der Hochschule Osnabrück, hatte Mitte Juli drei Wildkameras aufgestellt – und dadurch gelang dieses Farbfoto. Foto: Biologische Station Ravensberg

Man vermutete, dass der Biber über Ems und Hase in die Else gelangt war. In einem 300 Meter langen Abschnitt zwischen Kirchlengern und Bünde wurden damals die charakteristischen Bissspuren an mehreren Bäumen gefunden. Ein Bürger hatte die Mitarbeiter der Biostation auf Gut Bustedt darauf aufmerksam gemacht – und die verständigten ihre Kollegen von der Biostation in Stift Quernheim. „Seitdem haben wir vor allem in der Nähe von verdächtigen Fraßspuren immer wieder Wildkameras aufgehängt“, erläutert Klaus Nottmeyer, Leiter der Biostation.

Und nun hatten die Wildkameras Erfolg. Nachdem Zia Paul, Studentin der Hochschule Osnabrück, Mitte Juli erneut drei Wildkameras aufgestellt hatte, tappte am Abend des 31. Juli ein kräftiger Biber in eine der Filmfallen. Nicht nur der erneute Nachweis des Nagetiers löste Begeisterung aus. „Es ist toll, dass uns eine sehr gute Aufnahme bei Tageslicht und in Farbe gelungen ist“, freut sich Zia Paul. Denn in der Nacht würden die Kameras in Schwarz-weiß filmen und Biber seien normalerweise nachtaktiv.

Mittels einer Haarprobe aus dem Jahr 2016 konnte nachgewiesen werden, dass der Biber ein Männchen ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich beim gefilmten Biber aus diesem Jahr um den bekannten „Rasputin“. Bisher ist allerdings nicht bekannt, ob Rasputin eine Partnerin gefunden hat. Dass der Biber sich schon seit Jahren in den Elseauen heimisch fühle, sei als Erfolg zu werten. „Schon vor Jahrzehnten hat Dr. Rolf Lachner, der sich maßgeblich für den Naturschutz in diesem Bereich eingesetzt hat, gesagt, dass man die Else einfach in Ruhe lassen soll. Ihm ist es mit zu verdanken, dass wir hier eine naturnahe Auenlandschaft haben, die nicht begradigt wurde“, so Nottmeyer.

Alarmierend sind für das Team der Biologischen Station allerdings die anderen Filmaufnahmen, die am selben Standort aufgenommen wurden. Diese zeigen nämlich Spaziergänger, teilweise mit nicht angeleinten Hunden, spielende Kinder, die Müll hinterlassen und sogar Wassersportler. Und das, obwohl mitten im Naturschutzgebiet der Aufenthalt von Menschen abseits der vorgeschriebenen Wege strikt verboten ist. „Dieses Verbot gilt unter anderem, um scheuen Tieren wie dem Biber die nötige Ruhe zu ermöglichen“, erklärt Nottmeyer. Es wäre sehr bedauernswert, wenn der bislang einzige Biber im gesamten Kreisgebiet durch solche Fahrlässigkeiten wieder vertrieben werde.

Nun sei das Ziel der Biologischen Station Ravensberg herauszufinden, ob mehr als ein Biber an der Else sesshaft geworden ist. Dies soll durch weitere Aufnahmen und vorsichtige Suchen geschehen. „Das wäre ein noch größerer Erfolg für den Naturschutz im Kreis Herford“, erklärt Nottmeyer

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