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Nach Unfall auf der A30: 4500 Euro Geldstrafe und 14 Monate Führerscheinsperre für Bünder (62)

„Es war ein Fahrfehler“

Löhne/Bünde (WB/wa). Die Vorwürfe gegen einen 62-jährigen Unternehmer aus Bünde wogen schwer. Nicht nur vorsätzliche Gefährdung der Straßenverkehrsordnung warf ihm die Anklageschrift vor. Zudem war aufgrund eines falschen Überholvorgangs des Bünders das Fahrzeug einer 51-Jährigen gegen die Leitplanke geraten. Der Schaden an ihrem Auto bezifferte sich auf etwa 18.000 Euro. Die Frau blieb unverletzt.

Ein 62-Jähriger Bünder ist vom Bad Oeynhausener Amtsgericht nach einem Unfall auf der A30 zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro verurteilt worden. Zudem muss er ist seine Fahrerlaubnis für 14 Monate gesperrt. Foto: dpa

Laut Polizeiprotokoll hatte sich der Unfall im vergangenen Jahr auf der A30 in Richtung Osnabrück auf dem Löhner Teilstück zugetragen. Vier Zeugen mussten die Verfahrensbeteiligten unter Vorsitz von Amtsrichter Dr. David Cornelius hören, ehe feststand, was an jenem Septemberabend gegen 21 Uhr geschehen war. „Ich kam am Abend vom Flughafen Hannover und wollte nach Hause fahren“, erinnerte sich der 62-Jährige.

Dann „war ein Wagen vor mir auf der linken Spur“, der ein anderes Fahrzeug in der Fahrbahnmitte überholen wollte. Er habe die Frau nicht genötigt, stellte der Beschuldigte klar, sondern er habe nur gelegentlich die Lichthupe aktiviert, „um zu zeigen, ich möchte vorbei.“ Das Fahrzeug der Frau habe abgebremst, daraufhin habe er seinen BMW auf die rechte Spur gezogen, um beide Autos zu überholen.

Als er vor der Frau wieder auf die linke Spur gekommen sei, „habe ich einen Fehler gemacht. Dabei habe ich sie touchiert.“ Aber „ich habe niemanden vorsätzlich rammen wollen, das ist nicht meine Art“. Das Fahrzeug des Angeklagten sei dicht auf sie aufgefahren, sagte die 51-Jährige. Er „überholte mich, lenkte dicht vor mir ein und ich geriet gegen die Leitplanke“, erinnerte sich die Frau.

Vorwurd konstruiert

An der Begrenzung sei ihr Auto noch mehrere Meter entlang geschrammt. Die Schäden an ihrem Fahrzeug seien bereits reguliert worden. Der Ford Fiesta der Frau sei „links in die Bande geschossen und der BMW rechts dran vorbei“ gefahren, erklärte auch ein 36-jähriger Zeuge. „Es war sehr eng.“ Rund 130 Meter sei die Frau im Wagen an der Schutzwand entlang geschlingert, berichtete ein Sachverständiger. Bei dem Aufprall des BMW auf das Fahrzeug der 51-jährigen habe es „keinen richtigen Stoß, aber einen Kontakt gegeben“.

Als „rücksichtslos“ wertete der Staatsanwalt das Fahrverhalten des Angeklagten. Mit dem Betätigen der Lichthupe „wollte der Angeklagte“, dass die Geschädigte „die Spur freimacht“. Dies sei aus seiner Sicht nicht rechtzeitig geschehen und „nichts anderes als verbotenes Rechtsüberholen“ habe der 62-Jährige im Sinn gehabt. „Es war ein Fahrfehler“, intervenierte die Verteidigerin und bezeichnete den Vorwurf der Rücksichtslosigkeit als „ein bisschen sehr von der Staatsanwaltschaft konstruiert“. Auch die Geschädigte könne schließlich nicht erklären, wieso sie den Überholvorgang nicht abgebrochen habe.

14 Monte Sperre

„Warum sollte die Frau bremsen?“, fragte Dr. Cornelius den Angeklagten. „Dafür gibt es keine Anhaltspunkte.“ Die Tat sei rücksichtslos gewesen, denn „der Überholvorgang war vorbereitet“.

„Sie scheinen ansonsten ein guter Autofahrer gewesen zu sein“, betonte der Richter, da der 62-Jährige noch nie als Verkehrssünder aufgefallen sei. 45 Tagessätze zu je 100 Euro legte er als Urteil fest. Die seit elf Monaten bestehende Sperre der Fahrerlaubnis erweiterte er auf insgesamt 14 und nicht auf 17 Monate, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert.

„Wenn Sie die drei Monate mitnehmen wollen, ich würde heute nicken“, betonte der Staatsanwalt gegenüber dem Angeklagten. Und so wurde das Urteil noch im Saal rechtskräftig.

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