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Thomas Nolting sitzt mit seiner Tochter (4) eine Stunde fest

Gefangen im Bahnhofsaufzug

Bünde/Löhne (WB). 2017 sollten sie in Betrieb genommen werden – die Aufzüge am Bünder Bahnhof. Doch erst seit der vergangenen Woche konnten sie genutzt werden. Und haben sich schon nach wenigen Tagen als störanfällig erwiesen.

Hilko Raske

Thomas Nolting vor dem Fahrstuhl am Bünder Bahnhof. Etwa eine Stunde saß er in der Kabine am Sonntag mit seiner vierjährigen Tochter fest. Noch mal werde er keinen Fuß in den Fahrstuhl setzen, sagt der Löhner. Foto: Hilko Raske

Den vergangenen Sonntag wird Thomas Nolting so schnell nicht vergessen. Mit seiner vierjährigen Tochter wollte der Löhner gegen 14.15 Uhr am Bünder Bahnhof umsteigen. Dazu musste er von Bahnsteig 2 zum Bahnsteig 4. Um dorthin zu gelangen, betrat er mit seiner Tochter den Aufzug, der abwärts zur Unterführung fährt. Nach gut einem halben Meter blieb der Fahrstuhl aber stehen. »Wir waren zu dritt in der Kabine, schauten uns im ersten Moment nur verdutzt an«, erzählt Thomas Nolting. Der Löhner drückte umgehend den Notrufknopf – und es passierte erst einmal nichts.

Ignoriert von Passanten

Irritiert war Nolting von der Reaktion der Menschen auf den Bahnsteigen. »Da waren jede Menge Leute. Aber alle taten so, als würden sie uns nicht sehen und ignorierten uns.« Als sich nach zehn Minuten immer noch niemand auf das Notrufsignal gemeldet hatte, informierte er per Handy die Polizei.

Erst nach 15 Minuten Reaktion auf Notruf

Erst nach 15 Minuten gab es eine Reaktion auf den Notruf im Fahrstuhl. Ein Mitarbeiter der zuständigen Servicefirma versprach, dass jemand in etwa 30 Minuten kommen würde, um die drei Kabineninsassen aus ihrer misslichen Lage zu befreien. In der Zwischenzeit war die Feuerwehr schon eingetroffen, die von der Polizei alarmiert worden war. »Die hätten uns gerne rausgeholt. Allerdings wussten die Einsatzkräfte nicht, ob der Aufzug nicht einfach nach unten rauscht, wenn unser Gewicht nicht mehr in der Kabine ist.« Für solche Fälle müsse eigentlich ein Notfallschlüssel hinterlegt sein, erfuhr Nolting im Gespräch mit den Einsatzkräften.

Als dann der Mitarbeiter der Servicefirma gegen 15 Uhr eintraf, stellte sich heraus, dass dieser die erforderliche Ausrüstung nicht mit dabei hatte. »Es wurde ein zweiter Mitarbeiter angefordert, der so gegen 15.15 Uhr eintraf.« Erst jetzt konnte die Kabinentür geöffnet werden. Die drei »Gefangenen« kletterten aus der Kabine heraus, wobei die Feuerwehr half.

»Glücklicherweise hat meine Tochter das alles sehr gelassen aufgenommen«, sagt Nolting. Um 15.46 Uhr habe man die Fahrt dann fortsetzen können. »Dass es so lange dauert, jemanden aus einer Fahrstuhlkabine zu befreien, ist ein Unding«, kritisiert der Löhner. Der Fahrstuhl werde ja auch von Rollstuhl- und Rollatorfahrer genutzt, die nur so von einem Bahnsteig zum anderen gelangen könnten. »Wäre ein älterer Mensch mit einer Gehbehinderung hier eine Stunde lang eingesperrt gewesen, hätte das auch Auswirkungen auf die Gesundheit haben können«, vermutet Nolting.

Eines weiß er aber mit Sicherheit: »Diesen Fahrstuhl werde ich nicht mehr betreten.«

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