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Paar aus Stift Quernheim übt Kritik an Schulleitung – Sorge um das Wohl der Kinder

„Grundschüler brauchen keine Masken“

Kirchlengern  (WB). Corona stellt viele Lebensbereiche vor eine große Herausforderung. Abstandsregeln müssen beachtet werden, Mund-Nasen-Masken sind in etlichen Situationen Pflicht. Das haben nach den Sommerferien auch die Schulen in NRW zu spüren bekommen. In Grundschulen beispielsweise dürfen die Mädchen und Jungen während des Unterrichts zwar ohne Masken lernen. Wollen sie aber ihren festen Platz im Klassenzimmer verlassen, müssen sie die Maske aufsetzen. Dass diese Maßnahme an Grundschulen überhaupt erforderlich ist, bezweifeln Sebastian Ganschow und seine Lebensgefährtin Jana Trampe, deren Tochter Gewa (7) die zweite Klasse der Grundschule Stift Quernheim besucht. Mit ihren Bedenken fühlen sie sich von der Leitung der Grundschule alleingelassen.

Hilko Raske

Diese Schüler müssen auch im Unterricht Masken tragen. Soweit ist es an NRW-Grundschulen noch nicht. Trotzdem sorgen sich Jana Trampe und Sebastian Ganschow um die Gesundheit der Kinder. Foto: dpa

„Zwei Wochen vor den Sommerferien fand wieder regulärer Unterricht statt. Da war von einer Maskenpflicht auf dem Schulgelände keine Rede, die Kinder mussten die Masken nur im Schulbus aufsetzen“, sagt Jana Trampe. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres habe man dann ein Schreiben von der Schulleitung erhalten, in der Eltern aufgefordert wurden, ihrem Kind immer genügend Ersatz-Mund-Nase-Bedeckungen und eine geeignete Aufbewahrungsmöglichkeit mitzugeben. „Das wirkte auf mich so, als ob Kinder bereits wissen sollten, wie man mit der Maske umgehen muss.“ Dabei habe die Schule weder Eltern noch Kinder darüber informiert, weshalb die Maske aufgesetzt werden müsse, was man dabei zu beachten habe und welcher Sinn dahinter stecke.

Als äußerst befremdlich bezeichnet auch Sebastian Ganschow die ganze Situation. „Kinder sehen nicht mehr die Mimik ihrer Klassenkameraden. Oft spielen die Schüler mit den Masken und hängen sie ihren Kuscheltieren um. So können sich die Masken zu Keimschleudern entwickeln.“ In der Offenen Ganztagsschule (OGS) würden Kinder mit Mundschutz im Sandkasten spielen, um sich dann mit dreckigen Händen ins Gesicht zu packen, ergänzt Jana Trampe.

Das Paar schickte in der Folge einen Brief an Schulleiterin Nicola Holtgräwe, in der es seine Bedenken äußerte. So heißt es in dem Schreiben: „Obwohl wir annehmen, dass diese Regelung in bester Absicht zum Schutze der Gesundheit der Kinder und Lehrkräfte eingeführt wurde, erscheint sie aus wissenschaftlicher Sicht äußerst fragwürdig und birgt darüber hinaus ernst zu nehmende gesundheitliche, psychische und soziale Risiken für Kinder.“ Ganschow und Trampe verweisen unter anderem darauf, dass „die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland dazu aufgerufen haben, Kitas, Kindergärten und Grundschulen uneingeschränkt wieder zu eröffnen. Die fünf Fachgesellschaften sprechen sich dafür aus, dass Kinder weder kleine Gruppen bilden, noch Abstand wahren oder eine Maske tragen sollen“. In dem Schreiben richtet das Paar auch acht Fragen an die Schulleitung – unter anderem wollte es wissen, mit welcher Begründung sich die Grundschule Stift Quernheim entgegen der Empfehlung der fünf Fachverbände und gegen die Einschätzung zahlreicher Mediziner, Sozialarbeiter und Lehrer positioniert.

Die Antwort der Schulleitung bezeichnet das Paar als nicht zufriedenstellend. So heißt es: „Unser Handeln müssen wir an den jeweils aktuellen Vorgaben ausrichten, da habe ich als Schulleiterin keine Wahl, für meine Schule eine individuelle Regelung zu treffen.“

Wie es denn sein könne, dass Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 150 Personen in einem Raum veranstaltet werden dürften, Kinder aber mit Maske auf dem Schulhof spielen müssten, fragt sich nun Jana Trampe. Und Sebastian Ganschow würde sich freuen, wenn auch andere Eltern kritische Fragen stellen würden.

Kommentar von Hilko Raske

Das Thema Maskenpflicht polarisiert. Ob sie bei Grundschülern wirklich notwendig ist, daran scheiden sich die Geister. So gibt es beispielsweise in Sachsen keine generelle Maskenpflicht, während die schärfsten Regelungen in NRW existieren. Und wenn dann auch noch eine Vereinigung wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin die Maskenpflicht als nicht sinnvoll bezeichnet, kann man Eltern verstehen, die dies im Grundschulbereich ablehnen.

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