Nach Stromdiebstahl: 78-Jähriger aus Rödinghausen soll Zählermonteure „Arschlöcher“ genannt haben – Gericht stellt Verfahren ein

Handwerksmeister wegen Beleidigung angeklagt

Rödinghausen/Bünde

„Ihr seid doch alles Arschlöcher“: Mit diesen Worten soll ein Rödinghauser Handwerksmeister zwei Mitarbeiter eines Energieversorgers tituliert haben. Dafür hat sich der 78-Jährige jetzt vor dem Bünder Amtsgericht verantworten müssen – wegen Beleidigung. Eine Strafe kassiert der Mann allerdings nicht.

Daniel Salmon

Eine Strafe für die in der Anklage aufgeführte Beleidigung hat das Gericht gegen den 78-Jährigen nicht verhängt. Foto: dpa

Eigentlich wollen die beiden Monteure an einem Oktobermorgen 2020 im Betrieb des Rödinghausers nur den Stromzähler wechseln. Doch der Routineeinsatz wird schnell zu einem Fall für die Polizei. „Wir haben während des Wechsels festgestellt, dass der Zähler manipuliert worden war“, schildert ein Mitarbeiter (56) des Stromversorgers. Wegen des vermeintlichen Stromdiebstahls hält der Monteur damals zunächst Rücksprache mit der Rechtsabteilung seines Arbeitgebers. Die Ansage lautet: Strom abstellen und die Polizei informieren.

Während die Beteiligten auf das Eintreffen der Beamten warten, schildert der 56-Jährige dem Handwerksmeister das weitere Vorgehen. Zudem fällt ihm auf: Etwa 20 Jahre zuvor war er bereits wegen eines ähnlichen Falls in der Firma des Rödinghausers. Auch damals soll es um Stromdiebstahl gegangen sein, gibt der Monteur im Zeugenstand zu Protokoll.

„Damals haben wir die Manipulation aber nur beseitigt und die Sache dann auf sich beruhen lassen“, schildert der 56-Jährige. Als er den Handwerksmeistermeister allerdings mit dem ersten Vorfall konfrontiert, sei dieser in Rage gesagt und habe jenen Satz gesagt, wegen dem er nun vor Gericht steht. Der Handwerksmeister selbst will sich an die konkrete Aussage nicht so genau erinnern.

Im weiteren Verhandlungsverlauf kommt heraus, dass der 78-Jährige mit seinem Energieversorger schon seit geraumer Zeit wegen einer anderen Sache im Clinch liegt. Dabei soll es um ausstehende Zahlungen für die Stromeinspeisung eines Blockheizkraftwerks gehen, dass der Angeklagte einst angeschafft hatte. Seitdem habe der Rödinghauser ein gestörtes Verhältnis zu dem Unternehmen.

Richter Henning Zurlutter will von den Monteuren wissen, ob der Angeklagte Andeutungen gemacht habe, dass er sie mit der Beleidigung persönlich gemeint habe. „Ich habe mich sowie die ganze Firma angesprochen gefühlt. Das war wohl eine allgemeine Aussage“, erklärt einer der Mitarbeiter.

„Das hat er auch keinesfalls auf Sie persönlich bezogen. Mein Mandant hat nichts gegen Sie persönlich“, wendet sich der Verteidiger des Mannes abschließend direkt an die vermeintlichen Beleidigungsopfer.

Weil sich die persönliche Beleidigung letztlich nicht belegen lässt, wird das Verfahren mit Zustimmung aller Prozessparteien schließlich wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Startseite