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Bünder Chirurg »Dr. Emma« operiert erstmals Kinder in den Palästinensergebieten

Hilfseinsatz im Gaza-Streifen

Bünde (WB). Ungewohnte Einsatzbedingungen für Dr. Theophylaktos Emmanouilidis: Während er auf seinen zahlreichen Hilfseinsätzen in aller Welt Kinder in der Regel unter widrigsten Bedingungen operiert, konnte er auf seiner jüngsten Reise in den Nahen Osten auf modernste Medizintechnik zurückgreifen.

Daniel Salmon

43 Operationen an Kindern hat Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (vorne rechts) bei seinem Hilfseinsatz in den Palästinensergebieten durchgeführt. Die einheimischen Mediziner schauten dem früheren Chefarzt des Lukas-Krankenhauses bei seiner Arbeit interessiert über die Schulter.

Zwei Woche lang war der als »Dr. Emma« bekannte ehemalige Chefarzt des Lukas-Krankenhauses mit einem siebenköpfigen Team für die Ärzte-Organisation Hammer Forum erstmals in den Palästinenser-Gebieten unterwegs. Mit seinen Kollegen untersuchte er im Gaza-Streifen und im Westjordan-Land. 354 Kinder. 103 von ihnen wurden von den Deutschen auch operiert, der älteste Patient war gerade einmal 11 Jahre alt. Allein 43 OPs führte der Bünder selbst durch. »Das Krankenhaus im Gaza-Streifen ist besser ausgestattet als viele Einrichtungen in Europa«, schildert Dr. Emma, der bei seinen Hilfsmissionen in Afrika schon ohne Licht und Strom operiert hat. Finanziert wurde das moderne Hospital samt Ausrichtung mit viel Geld aus den arabischen Golfstaaten.

Einreise gestaltete sich schwierig

Abenteuerlich war die Reise für den 78-Jährigen und seine Mitstreiter dennoch. Denn bereits bei der Ankunft auf dem Flughafen in Tel Aviv hatten sich die Mediziner längeren Kontrollen unterziehen müssen. Auch die Einreise in den Gaza-Streifen, in dem etwa 1,8 Millionen Menschen auf engstem Gebiet leben, gestaltete sich nicht einfach. »Da der Grenzübergang nach Gaza nur bis 15 Uhr arbeitet, mussten wir in Jerusalem übernachten«, so Dr. Emma. Am nächsten Tag mussten die Helfer dann drei Checkpoints – einen der Israelis, einen der Hamas und einen der palästinensischen Autonomiebehörde Fatah passieren – bevor sie nach Gaza weiterkonnten.

Am Krankenhaus operierten die deutschen Chirurgen dann wie am Fließband. Zumeist kamen Mädchen und Jungen mit Missbildungen in den OP-Saal oder solche mit komplizierten Frakturen. Zwar sei das medizinische Personal im Gaza-Streifen durchaus gut ausgebildet. »Das Problem ist aber, dass sie den Gaza-Streifen nicht verlassen dürfen, sich also nicht medizinisch weiterbilden können. Sind sind quasi wie in einem Gefängnis gefangen«, so der 78-Jährige. Die fehlenden Weiterbildungsmöglichkeiten seien der Grund, warum sich die einheimischen Chirurgen an komplizierte Fälle nicht herantrauten. Umso größer war die Wissbegier der palästinensischen Mediziner. »Vor knapp 250 Interessierten haben wir dort medizinische Vorträge gehalten«, so Dr. Emma.

Der nächste Einsatz warten schon

Im weiteren Verlauf des Hilfseinsatzes sei das Team dann ins Westjordanland gereist, musste sich auch dafür intensiven Kontrollen unterziehen. »Der Unterschied zum Gaza-Streifen war aber, dass die Palästinenser dieses Gebiet zumindest verlassen können«, erklärt der Bünder. »Es war eine angenehme Zusammenarbeit mit den einheimischen Kollegen und mit dem gesamten Personal. Es bestand eine große Bereitschaft der ärztlichen Kollegen und des Personals, so dass wir auch den Freitag und Samstag entgegen der üblichen Wochenendruhe zum Operieren nutzen konnten«, zieht Dr. Emma ein positives Fazit seines ersten Einsatzes in den Palästinensergebieten.

Obwohl er erst in der vergangenen Woche nach Deutschland zurückgekehrt ist, bricht der Bünder schon an diesem Freitag zu seiner nächsten Hilfsmission auf: Für das Hammer Forum wird Dr. Emma in der Stadt Kikwit im Kongo kranken Kindern helfen. Dort werden die Bedingungen allerdings andere sein als im Gaza-Streifen.

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