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Flüchtling Sara Al-Shattawi hat in Chirurgischer Praxis eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten absolviert

Hoffnung auf ein Medizin-Studium

Hiddenhausen (WB)

Sara Al-Shattawi war gerade einmal 18 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Bagdad nach Deutschland flüchtete. Ihr großer Traum: im Bereich Medizin arbeiten. Inzwischen hat sie eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten erfolgreich abgeschlossen.

Karin Koteras-Pietsch

Die Chirurgen Dr. Hans-Jürgen Beckmann und Peter Rosellen haben Sara Al-Shattawi, die aus dem Irak geflüchtet ist, mit einem Ausbildungsplatz zur Medizinischen Fachangestellten eine echte Chance gegeben. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Über Dortmund, Bielefeld, Herford kam sie 2016 nach Sundern. Hier lebt sie heute noch mit ihren Eltern und vier Geschwistern.

Als die junge Frau in Deutschland ankam, sprach sie kein Wort deutsch, allerdings neben ihrer Muttersprache arabisch auch sehr gut englisch. Wie es weitergehen würde, wusste sie nach ihrer Ankunft nicht so genau, aber sie hatte einen Traum. Sie wollte in der Medizin arbeiten, am liebsten Medizin studieren. Einen Schritt in diese Richtung ist sie schon gegangen. Sie hat gerade eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten erfolgreich abgeschlossen.

„Ich habe viel Krieg gesehen und viele Verletzte. Und ich konnte oft nicht helfen“, erzählt die heute 23-Jährige, warum es die Medizin sein sollte. In Deutschland angekommen, hat sie zunächst als Dolmetscherin in der Flüchtlingsunterkunft, beim DRK und beim Sozialamt ausgeholfen. Sie absolvierte an der Uni Bielefeld einen Deutsch-Intensivkurs und dann rückte ihr Traum ein bisschen näher. Die junge Irakerin konnte ein Praktikum in der Chirurgischen Praxis Dr. Hans-Jürgen Beckmann beginnen.

Beckmann und sein Kollege Peter Rosellen verweisen heute auf „eine tolle Entwicklung“ der Irakerin, wenn man bedenkt, dass sie anfangs kein Wort deutsch sprach. „Wir haben Sara bewusst eingestellt, um ein Zeichen zu setzen. Wer garantiert uns denn ewigen Frieden. Jeder von uns könnte in die Situation kommen, flüchten zu müssen. Und dann wünschen wir uns, auf Menschen zu treffen, die so sind wie wir“, sagen die Mediziner.

Schon nach wenigen Monaten in Deutschland hatte Sara Al-Shattawi viele deutsche Freunde gefunden, sie ging oft in die katholische Kirche, betreute dort die Kinder. Als das sechsmonatige Praktikum begann, hängte sie sich voll rein. „Ich habe viele Fragen gestellt, die Kollegen haben mir toll geholfen“, erzählt sie.

Und dann kam der Tag, als sie nach Ungarn zurück sollte. Die Familie war über Ungarn geflüchtet und Sara Al-Shattawi hatte dort ihre Fingerabdrücke hinterlassen. Aber nicht freiwillig. „Die Flüchtlinge wurden dort geschlagen“, erinnert sie sich. Da habe sie sich nicht getraut, die Fingerabdrücke zu verweigern. Die Irakerin musste ihr Praktikum in der Chirurgischen Praxis abbrechen.

Dank Unterstützung einer Anwältin, der Praxismanagerin Henrike Eschweiler und Dr. Beckmann wendete sich das Blatt. Sara Al-Shattawi konnte schon ein Jahr nach ihrer Ankunft in Deutschland die Ausbildung zur Medizinischen Angestellten beginnen. „Das war am Anfang nicht einfach. Ich musst ja auch zur Schule. Und dort war es mit wenig Deutschkenntnissen schon schwierig, aber dann auch noch die lateinischen Begriffe....“ Aber sie bekam in der Praxis die Zeit, Hilfe und Gelegenheit, zu lernen. Und am Ende ist sie als Angestellte übernommen worden. Noch immer macht sie ihre Arbeit Leidenschaft. Und dank inzwischen richtig guter Deutsch-Kenntnisse darf sie auch an der Anmeldung sitzen. Die Fortbildung Gipsschiene hat sie hinter sich, jetzt sollen Röntgen- und OP-Scheine folgen.

Aktuell läuft das Asylverfahren von Sara Al-Shattawi noch. Sie hat eine Aufenthaltsgestattung, die nach Auskunft der Ausländerbehörde verlängert wird, solange das Asylverfahren läuft. Die Beschäftigung ist auch nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörde möglich.

Ihren Traum vom Medizin-Studium hat Sara noch nicht aufgegeben. Allerdings wird ihr irakischer Schulabschluss hier nicht anerkannt. Folglich muss sie zunächst noch ein Studienkolleg besuchen. Und sie muss in Deutsch noch besser werden – es fehlen noch die Kurse B2 und C1.

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