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Dr. Emma (80) hat in Guinea-Bissau wieder kranke Kinder operiert

»Ich kann nicht anders!«

Bünde (WB). 31 Stunden im Auto, Flugzeug, wartend im Terminal. Doch Dr. Theophylaktos Emmanouilidis ist fit – mit 80. Am Dienstag ist er aus Guinea-Bissau zurückgekommen, hat dort erneut Kinder behandelt und operiert. Er könne nicht anders und irgendjemand müsse es schließlich tun, sagt er.

Bärbel Hillebrenner

15 Tage war ein fünfköpfiges Team im westafrikanischen Guinea-Bissau im Einsatz. Dr. Theophylaktos Emmanouilidis, ehemaliger Chefarzt am Lukas-Krankenhaus, hat dort 243 Kinder behandelt und 46 operiert. Viele hatten aus Mangelernährung krumme Beine. Foto:

Aus den Erzählungen von Dr. Emma, wie er überall genannt wird, ist großes Bedauern zu hören – gleichzeitig aber auch unbändige Freude. »Die Menschen haben nicht das Wissen und nicht das Geld, sich gesund zu ernähren. 30 Prozent sind unterernährt und krank. Aber wenn ich die Kinder dort behandelt und operiert habe, dann hilft ihnen das wenigstens medizinisch. Das macht mich einfach glücklich«, berichtet der engagierte Bünder Mediziner nach seiner Rückkehr aus Gabu.

46 Kinder operiert

Das kleine Dorf im westafrikanischen Guinea-Bissau war in diesem Jahr schon das zweite Mal Ziel einer humanitären Hilfe für kranke Kinder. Das Hammer-Forum, dessen Vorsitzender Dr. Emma ist, unterhält dort eine Kinderambulanz; der Chirurg war mit zwei Ärzten, zwei Krankenschwestern und einem Medizin-Techniker für 15 Tage im Einsatz. 243 Jungen und Mädchen habe er untersucht, 46 operiert.

So kennt man Dr. Emma: an einem OP-Tisch, Skalpell in der Hand. »Wenn man dieses Elend sieht, kann man nicht wegschauen. Ich kann doch nicht zu Hause auf der Terrasse sitzen und in den Himmel gucken, während woanders auf der Welt die Kinder leiden. Da hätte ich ein schlechtes Gewissen.« Wenn der ›weiße Doktor‹ kommt – so werde er in den Dörfern genannt –, dann strömen die Menschen nach Gabu in das Krankenhaus, das eigentlich gar keins ist. »Ausstattung und medizinische Kompetenz sind kaum vorhanden. Wir bringen alles mit, können deshalb sofort nach unserer Ankunft mit den Operationen beginnen.«

Jeden Tag 12 Stunden Arbeit

Und das machen die Ärzte aus Deutschland: 12 Stunden non-stop, morgens schnell ein Frühstück, zwischendurch ein paar Nüsse, das hält wach. »Man merkt die Stunden nicht, es gibt einfach so viel zu tun. Die Zeit ist knapp und vor dem Haus wartet ein Pulk an Menschen, die versorgt werden wollen«, erzählt der ehemalige Chefarzt des Lukas-Krankenhauses. Bei diesem Einsatz habe er viele Kinder mit krummen Beinen operiert. Dr. Emma: »Sie leiden unter Mangelernährung, essen nur Reis. Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß – das kennen die Menschen nicht. Sie wissen nicht, dass es für die körperliche Entwicklung wichtig ist.« Darüber informieren die Mediziner und Schwestern zwar die Eltern mit Hilfe eines Dolmetschers – aber ob das ankommt? »Was sollen die Eltern denn machen? Wenn eine Familie überhaupt eine Kuh hat, dann wird die Milch weiterverkauft und nicht selbst verwendet.«

Im November geht es in den Kongo

Dr. Emma ist am Mittwochnachmittag aus Westafrika zurückgekommen. Und schon am nächsten Tag, gestern, plant er den nächsten Einsatz. Dieser Mann soll 80 sein? Er lacht: »Das merke ich nicht. Ich bin gesund. Schauen Sie auf meine Hände: kein Zittern, ganz ruhig. Ich kann noch lange operieren.« Das wird er tun: Anfang November geht’s in den Kongo. Urlaub? Das Wort kennt der Arzt nicht. Gerade sei er zwar in seiner Heimat Griechenland gewesen, das sei quasi ein »Semi-Urlaub« gewesen – soll heißen: Selbst dort behandelt er noch junge Patienten.

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