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Nabu-Kreisverband setzt derzeit auf praktische Aktionen zum Schutz der Umwelt

„Jetzt lernt man den Garten zu schätzen“

Bünde  (WB). Ob Frühlings-Pflanzenmarkt, Besuch bei einem heimischen Schäfer, Lesung mit der Autorin Dr. Tanja Busse oder eine Bus-Erlebnistour durch die Senne – der Naturschutzbund (Nabu) im Kreis Herford hatte sich für die erste Jahreshälfte viel vorgenommen und ein abwechslungsreiches Programm präsentiert. Dann kam der 16. März – und die Corona-Krise machte den Naturschützern einen dicken Strich durch die Rechnung. Die zurückliegenden Wochen hat der Nabu aber mit Aktionen zum Schutz der Umwelt und telefonischen Beratungen verbracht, berichtet Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok.

Hilko Raske

Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok in seinem 6000 Quadratmeter großen Garten, den er für die Öffentlichkeit öffnen wollte. Die Stadtverwaltung Bünde lehnte dieses Vorhaben ab. Foto: Hilko Raske

In die Kategorie Frühjahrsputz seien Arbeiten an der Naturwanderroute „Twas düüer“ zwischen Westkilver und Rödinghausen gefallen, erzählt Diebrok. Die 2015 eröffnete Route verläuft über eine Länge von 9,5 Kilometern. 15 Verschnaufpausen an 15 Informationstafeln laden dazu ein, Wissenswertes und Unterhaltsames auch spielerisch zu erfahren. Und am Jugendgästehaus Rödinghausen habe man auf einer vom Nabu initiierten Streuobstwiese Bäume geschnitten und Infostände eingerichtet. „Alles praktische Sachen unter Berücksichtigung der Corona-Maßnahmen.“

Telefonische Gartenberatungen

Sehr bedauerlich sei es gewesen, dass der Pflanzen-Frühlingsmarkt ausgefallen sei. „Wir bieten immer heimische Stauden, Sträucher und Gehölze für interessierte Gartenfreunde an und geben darüber Beratungen zum Thema naturnahe Gartengestaltung“, sagt Diebrok. Zwar habe es auch telefonisch mehrere Gartenberatungen gegeben. „Aber wir sind auf 2000 Stauden wie Wilde Karde, Natternkopf, Heilziest oder Glockenblume sitzen geblieben.“

Seiner Einschätzung nach habe die Corona-Krise aber auch ein Umdenken bewirkt. „Jetzt erkennt man, welchen Stellenwert ein Garten haben kann.“ Naturnah gestaltet, sei er nicht nur ein Lebensraum für die heimische Tierwelt. Diebrok pflanzt auch selber Gemüse an, reichert Salate mit Wildkräutern wie Giersch, Sauerampfer, Süßdolde oder Gundermann an.

Gemüseanbau reduziert Stress

„Ich rate jedem Gartenfreund, ein eigenes Gemüsebeet zu haben. Das ist so etwas Herrliches, das frisch zu genießen. Und es trägt wunderbar zum Stressabbau bei.“ Darüber hinaus habe die Corona-Pandemie deutlich die Gefahren einer Globalisierung aufgezeigt – „wir müssen unabhängiger werden bei wichtigen Gütern, aber auch Lebensmitteln.“ Und nicht zuletzt sei es auch eine Pause für die Natur gewesen.

Um denjenigen, die keinen Garten haben, eine Auszeit zu gönnen, hatte Diebrok seinen Garten in Hunnebrock – immerhin 6000 Quadratmeter groß – öffnen wollen. „Das wären keine Führungen gewesen, sondern einfach ein Spaziergang durch den Garten.“ Dabei hätte er eine Einbahnstraßenregelung problemlos umsetzen können.

Besonders schön wäre diese Aktion auch gewesen, weil nun die Rosenblüte einsetze, sagt der Naturschützer. Er habe jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass viele einfach einmal einen Tapetenwechsel brauchen würden. Doch das „offene Gartentor“ habe nicht stattfinden können. „Als ich bei der Stadtverwaltung deswegen nachgefragt habe, bekam ich zu hören, dass solche öffentlichen Veranstaltungen derzeit nicht erlaubt sind und ich deshalb keine Genehmigung dafür bekomme.“ Nachvollziehen, so Diebrok, könne er diese Aussage nicht.

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