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Naturschutzbund kritisiert Fällung eines gewachsenen Biotops

Kahlschlag an der Brinkstraße

Bünde   (WB). Der erste Eindruck: Hier hat ein Tornado eine Schneise geschlagen. Auf einem etwa 5000 Quadratmeter großen Areal westlich der Brinkstraße in Bünde liegen Bäume auf dem Boden, die Wurzelballen sind teilweise aus der Erde herausgerissen. Äste sind zu Haufen aufgeschichtet. Reifenspuren zeugen von schweren Fahrzeugen, die sich auf dem Areal bewegt haben.

Hilko Raske

Auf einem etwa 5000 Quadratmeter großen Gelände an der Brinkstraße sind alle Bäume gefällt worden. Der Naturschutzbund kritisiert die Fäll-Aktion. Foto: Hilko Raske

Lebensraum und Schutz für Tiere

Ein Anwohner, der seit vielen Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Gelände, lebt, ist entsetzt: „Das ist eine Sauerei. Das Gelände ist mal von einer Baumschule oder einem Gartenbaubetrieb bepflanzt worden. Das liegt bestimmt schon 20 Jahre zurück. In der Zeit hat sich hier ein richtig kleines Wäldchen entwickelt, das vielen Tieren Lebensraum und auch Schutz geboten hat.“ Bereits vor zwei Jahren seien an der Brinkstraße elf Straßenbäume gefällt worden: „Das waren Eichen. Eine hat einen Umfang von 1,45 Meter – ich habe das nachgemessen. Ich habe das damals der Stadt gemeldet. Gekümmert hat sich aber niemand darum“, erzählt der Rentner. Er vermutet, dass der Pachtvertrag für das Gelände auslaufen würde und der Pächter deshalb das Grundstück so zurückgeben müsse, wie er es vorgefunden habe.

Kritik vom Naturschutzbund

Auch beim Naturschutzbund (Nabu) löste der Anblick Bestürzung aus. „Wir finden das sehr bedauerlich – immerhin zählt der Kreis Herford zu den waldärmsten Kreisen in ganz NRW. Hier hat sich über Jahre ein Lebensraum für wild lebende Tiere entwickeln können. Die Bäume und Büsche auf dem Gelände sind nicht nur einfach gestutzt, sondern regelrecht herausgerissen worden“, kritisiert Friedhelm Diebrok, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Herford, diese Aktion. Aus Sicht des Naturschutzbundes sei es ein krasser Widerspruch, dass zum einen Baumpflanzungen in Bünde gefordert und gefördert würden, zum anderen intakte Biotope zerstört werden. „Rechtlich gesehen mag das ja alles einwandfrei sein. Aber der Pächter beziehungsweise Besitzer des Areals hätte sich durchaus an Verwaltung und Politik wenden können, um auf den besonderen ökologischen Wert des Grundstückes hinzuweisen und möglicherweise eine Nutzung durch die Stadt als Biotop ansprechen können“, sagt Diebrok. Auch der Nabu selber wäre an dem intakten Biotop interessiert gewesen – „sofern realistische Preisvorstellungen existiert hätten, kann ich mir vorstellen, dass wir es erworben hätten“. Generell sei es aber nicht nachzuvollziehen, dass in Zeiten, in denen alle vom Klimaschutz sprechen würden und die Kommunalpolitik das Thema für sich entdeckt habe, an der Brinkstraße ein derartiger Kahlschlag stattfinde.

Rechtlich korrekt

Und wie bewertet die Stadtverwaltung die Fällaktion? Ist so etwas überhaupt erlaubt? „Bei dem Wäldchen an der Brinkstraße handelt es sich um eine Baumschulfläche, also eine landwirtschaftlich genutzte Fläche mit normaler Bewirtschaftung“, sagt Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz. Eine Baumfällung müsse in diesem Fall bei der Stadt nicht bekannt gegeben werden. „Die städtische Baumschutzsatzung greift hier nicht, zumal es sich um eine Fläche im Außenbereich handelt. Die Rodung der Fläche ist rechtlich erlaubt.“ Und obwohl Baumschulen nach Paragraf 39, Absatz (5)2 des Bundesnaturschutzgesetzes vom Verbot des Schneidens und Fällens von Bäumen beziehungsweise Gehölzen in der Zeit vom 1. März bis 30. September ausgenommen seien, werde in dem Fall an der Brinkstraße auf den Artenschutz Rücksicht genommen und in der vegetationsarmen Zeit gefällt.

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