1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. Kältebus: Verfahren gegen Ex-Vereinschef eingestellt

  8. >

Bünde: 31-Jähriger war wegen der Veruntreuung von Spendengeldern angeklagt

Kältebus: Verfahren gegen Ex-Vereinschef eingestellt

Bünde (WB). Das gescheiterte Bünder Kältebus-Projekt für Obdachlose hatte nun ein juristisches Nachspiel. Wegen Untreue sollte sich der ehemalige Vorsitzende des Anfang 2016 gegründeten Trägervereins vor Gericht verantworten. Allerdings: Das Verfahren wurde eingestellt.

Daniel Salmon

Der 18 Meter lange Gelenkbus sollte zum Kältebus für Obdachlose umgebaut werden. Allerdings scheiterte das ambitionierte Projekt. Das Fahrzeug, dass zwischenzeitlich auch in Bünde stand, soll bereits im vergangenen Jahr verschrottet worden sein. Foto: Daniel Salmon

Dem 31-jährigen Ex-Bünder, der mittlerweile in Salzgitter gemeldet sein soll, war in der Anklage vorgeworfen worden, im April vergangenen Jahres 1320 Euro des Vereinsvermögens auf sein Privatkonto überwiesen zu haben . Seinerzeit hatte ein ehemaliges Mitglied des Vereins Anzeige gegen den Mann erstattet.

Verurteilung in Köln

Zum Hauptverhandlungstermin vor dem Bünder Amtsgericht war dieser jedoch gar nicht erst erschienen, lediglich sein Rechtsbeistand war vor Ort. Mehrere Zeugen waren bei dem Prozess vorgeladen, gehört wurden diese aber nicht. Stattdessen wurde das Verfahren gegen den 31-Jährigen eingestellt. »Und zwar nach Paragraf 154, Absatz 2 der Strafprozessordnung. Denn das Amtsgericht in Köln hatten gegen den Mann in einer anderen Sache bereits eine Strafe verhängt. Daher wäre eine Verurteilung in Bünde nicht mehr wesentlich ins Gewicht gefallen«, so Bündes Amtsgerichtsdirektor Thomas Bröderhausen.

In der Rheinmetropole war der Ex-Bünder im vergangenen Dezember wegen Körperverletzung in einem besonders schweren Fall zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden. »Er soll jemanden beleidigt und gemeinsam mit einem weiteren Täter geschlagen und getreten haben. Der Vorfall hatte sich bereits im Mai 2015 zugetragen«, erklärte Kölns Amtsgerichtssprecher Volker Köhler. Nach Informationen dieser Zeitung soll der 31-Jährige bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein. Dabei soll es sich um Betäubungsmittel-, Gewalt- und Betrugsdelikte gehandelt haben.

Ehemalige Mitstreiter sind sauer

Wie berichtet, hatte der Ex-Bünder mit weiteren Mitstreitern in Bünde einen Omnibus so umbauen wollen, dass dieser im Winter Obdachlosen als Anlaufstelle dient. Ein Fahrzeug konnte auch aufgetrieben werden. Mehrere 1000 Euro an Spendengeldern gingen beim Verein ein, um das Fahrzeug entsprechend umzubauen. Allerdings stand zu diesem Zeitpunkt noch kein Standort für den Bus fest. Mehrere Kommunen, darunter Herford und Bielefeld, hatten entsprechende Anfragen abgelehnt.

Ehemalige Vereinsmitglieder hatten schließlich Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Verwendung von Geld- und Sachspenden moniert und Anzeige erstattet. Hinzu kam, dass der designierte Kältebus einen Wasserschaden erlitt und nicht mehr repariert werden konnte. Der Ex-Vorsitzende hatte das Projekt dann für gescheitert erklärt und wollte den Verein auflösen. »Über das Projekt sind viele Lügen erzählt worden«, hatte er damals gegenüber dieser Zeitung erklärt. Nach Angaben des Bad Oeynhausener Amtsgerichts wurde der Kältebusverein jedoch niemals aus dem Vereinsregister gelöscht.

Von dem Ausgang des jüngsten Verfahrens zeigte sich ein ehemaliges Vereinsmitglied jetzt enttäuscht: »Viele Leute, die sich für das Projekt eingesetzt haben, sind sauer darüber was damals abgelaufen ist. Wir hätten zudem gerne gewusst, was mit dem restlichen Vereinsvermögen passiert ist.«

Startseite