Unternehmen meldet Insolvenz an – 70 Mitarbeiter in 12 Filialen

Kemena Fashion zieht Notbremse

Bünde  (WB/hr). „Die Corona-Krise hat auch unser Unternehmen mit voller Wucht und der ganzen Härte getroffen“, sagt Udo Kemena, geschäftsführender Gesellschafter der Fashion Store GmbH & Co. KG. Und als wäre die Krise nicht schlimm genug, sei erschwerend die Insolvenz der Esprit Holding in Düsseldorf hinzukommen. Immerhin unterhält Kemena Fashion fünf Esprit-Stores, darunter einen in der Bünder Eschstraße.

Udo und Ursula Kemena bei der Eröffnung des „Zeitgeistes“ im vergangenen März. Das Familienunternehmen – es unterhält fünf Esprit-Stores – hat jetzt eine Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Ein Grund ist die Insolvenz der Esprit Holding in Düsseldorf. Foto: Hilko Raske

Die Folge: Das Bünder Unternehmen spürt die Auswirkungen der Esprit-Insolvenz unmittelbar. Um diese unverschuldete Krise abzuwenden, habe man sich für eine Insolvenz in Eigenverwaltung entschieden, so Kemena. „Ja, wir hätten noch Kredithilfen aufgrund unserer Bonität bekommen, aber die mit der Esprit-Insolvenz verbundenen Unsicherheiten und unkalkulierbaren Risiken haben uns dazu bewogen, keine Kredithilfen zu beantragen“, erläutert der Unternehmer. Und: „Die Eigenverwaltung wird uns helfen, den Sanierungsplan umzusetzen, das Unternehmen auf ein solides Fundament zu stellen, uns von Esprit zu trennen und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern.“

Die Firma Fashion Store unterhält zwölf Filialen – schwerpunktmäßig in der Region – die sich auf die Konzepte Fashionstore, Men­store und Zeitgeist verteilen sowie bisher auch auf Esprit. In den Geschäften werden etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt.

„Das Unternehmen ist im Kern gesund. Alle Geschäfte sind auf dem neuesten Ladenbaustand. Die Familie Kemena arbeitet seit vielen Jahren mit den stärksten und angesagtesten Modemachern weltweit zusammen und hat zukunftsweisende Konzepte erarbeitet,“ sagt Rechtsanwalt Walterscheid aus Bad Oeynhausen, der als erfahrener Sanierungsexperte das Unternehmen durch dieses Verfahren führt und in den vergangenen fünf Jahren bereits zahlreiche Familienunternehmen im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens saniert hat.

In einem ersten Schritt hat das Amtsgericht Bielefeld mit Beschluss vom 13. Mai dem Antrag entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Rechtsanwalt Hans Achim Ernst aus Herford wurde zum vorläufigen Sachverwalter bestellt, der die Aufgabe hat, den Sanierungsprozess zu überwachen.

„Ich bin sehr optimistisch – wir müssen uns einfach nur von den Esprit-Stores trennen, dann machen wir wie gewohnt weiter. Das einzige, was man mir vorwerfen könnte, ist, dass ich mich schon früher von Esprit hätte trennen sollen“, sagt Udo Kemena. Er glaube nicht, dass Esprit sich in der derzeitigen Situation noch erholen werde. „Ich gehe davon aus, dass wir bald keine Ware mehr geliefert bekommen.“ Die Mitarbeiterinnen aus den Esprit-Stores in Bünde und Lübbecke wolle man nach Möglichkeit weiter beschäftigen.

Die Familie Kemena ist von dem Sanierungsschritt überzeugt und hofft auf die bisherige Treue ihrer Kunden.

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