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Ehemaliger Tante-Emma-Laden war beliebter Treff für Ennigloher Schüler

Kiosk Kuckuck ist Geschichte

Bünde  (WB). Generationen von Ennigloher Schülern haben sich in den Pausen heimlich zum Kiosk Kuckuck geschlichen, dort Süßigkeiten gekauft. Jetzt ist das bekannte Haus dem Erdboden gleichgemacht worden.

Daniel Salmon

Bereits am Montag hat der Abrissbagger mit den Abbrucharbeiten an dem ehemaligen Tante-Emma-Laden begonnen. Schon einen Tag später steht nur noch die Hälfte des vielen Enniglohern nur zu gut bekannten Gebäudes in der Nähe des Schulzentrums. Foto: Daniel Salmon

Mit Schmackes gräbt sich der schwere Baggergreifer am Dienstagmorgen in das Dach des alten Gebäudes an der Ecke Turnerstraße/Holser Straße. Ziegel fallen zu Boden, zerspringen auf dem abgesperrten Bürgersteig. Bereits seit Montag laufen die Abrissarbeiten. Einen Tag später, gegen 9.30 Uhr, steht nur noch die Hälfte des Hauses. Die Eingangstür, durch die Kunden einst den Verkaufsraum des ehemaligen Lebensmittelladens betraten, führt ins Leere. Ein Schaufenster ist mit einer Spanplatte vernagelt. Es ging bereits vor knapp eineinhalb Jahren bei einem Unfall zu Bruch, als ein Mannschaftswagen der Feuerwehr gegen die Fassade des Gebäudes krachte.

»Vielleicht haben wir das Haus bis zum Abend abgerissen, mal schauen«, sagt ein

Mitarbeiter des mit dem Abbruch betrauten Bad Oeynhausener Unternehmens Kuntemeier – und er wird Recht behalten.

Von weitem schaut Horst Brinkmann (77) dem Abriss-Team vormittags bei seiner Arbeit zu. Er sagt: »Seit ich denken kann, war dort ein Lebensmittelgeschäft. Das Haus selbst ist bestimmt schon an die 100 Jahre alt.«

Beliebter Kiosk bei den Schülern

Auch an den Absperrungen vor dem Gebäude selbst bleiben immer wieder Passanten stehen, beobachten den Fortschritt der Abbrucharbeiten. Unter ihnen ist auch der Ennigloher Hans-Walter Becker. Der 71-Jährige war bis 2012 Lehrer an der nahen Erich-Kästner-Gesamtschule. Er weiß nur zu gut, wie beliebt der kleine Kiosk bei den Kindern und Jugendlichen des benachbarten Schulzentrums Nord war.

Cola und Chips

»Als ich ihn Rente ging, war das Geschäft noch auf. Wann es genau dicht machte, weiß ich zwar nicht. Aber das Lädchen war ein geschätzter Nahversorger, vor allem für Süßkram. Also alles, was wir in unserem schuleigenen Kiosk nicht hatten«, sagt der Pensionär und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: »Bei Kuckuck gab’s vor allem das ›supergesunde Schulfrühstück‹: Cola und Chips.«

Zwar sei das Verlassen des Schulgeländes für die Kinder und Jugendlichen natürlich unter Strafe verboten gewesen. »Aber dieses Risiko wurde von den hungrigen Schülern nur zu gern in Kauf genommen. Und wenn ich Aufsicht auf dem Pausenhof hatte, hab ich immer weggeguckt, wenn die von ihrem Einkauf wiederkamen. Verpfiffen habe ich nie einen«, verrät Becker und blickt auf die Trümmerhaufen im kleinen Garten des Abbruchhauses. »Der Laden war schon ein Stück Ennigloher Geschichte.«

Laut Becker soll nach dem Abriss auf dem Grundstück ein Mehrparteienhaus gebaut werden.

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