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Dritte Feuerattacke auf Bünder Einrichtung: DRK plant Wiederaufbau – Stadt sagt Hilfe zu

Kita-Brand: Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung

Bünde (WB)

„Mir fehlen echt die Worte“, sagt Wolfgang Koch und schüttelt den Kopf. Der Chef des DRK-Kreisverbandes Herford-Land steht am Freitagmorgen vor den ausgebrannten Containern, die eigentlich als Ersatz für die im Oktober letzten Jahres abgefackelte Kita Krempoli dienen sollten. Die Polizei geht auch in diesem Fall von Brandstiftung aus.

Daniel Salmon

Ein Blick in den Korridor der ausgebrannten Container-Kita zeigt, welche Hitze die Flammen entfacht haben. Die Lampen an der Decke sind teilweise geschmolzen und baumeln herunter. Foto: Daniel Salmon

Der Gestank von verbranntem Plastik wabert auch Stunden nach dem Feuer noch über das Gelände an der Stauffenbergstraße. Die Fenster der Container sind verrußt, ein Blick hindurch offenbart die gewaltige Hitze, die die Flammen entfacht haben müssen: Böden und Wände sind verschmort, die schon montierten Lampen an der Decke sind geschmolzen. Mehr als 40 der insgesamt 65 Containermodule haben nur noch Schrottwert, der Schaden geht in die Hunderttausende. „Zum Glück sind wir versichert“, sagt der Rot-Kreuz-Kreisvorsitzende.

Laut den ursprünglichen Plänen des DRK hätten die 125 Krempoli-Kinder am Montag hier einziehen sollen. „Das hätten wir aber nicht geschafft, die Stromanschlüsse sind noch nicht verlegt“, sagt Wolfgang Koch. In der kommenden Woche hätten die Umzugsvorbereitungen starten sollen. Frühestens Anfang März wäre die Container-Kita startklar gewesen. Doch auch dieser Termin ist nun hinfällig.

Am Donnerstagabend, es ist 22.35 Uhr, wird der Feuerwehr der erneute Brand auf dem Kita-Gelände gemeldet. Das Einsatzstichwort lautet: „Muldenbrand an Gebäude, Container brennt“. Die Mitglieder des Löschzugs Hunnebrock sind sechs Minuten später als erste vor Ort – und fordern sofort Verstärkung an. Denn nicht eine Mulde, sondern die Container-Kita brennt. Nach kurzer Zeit sind 56 Brandbekämpfer an der Kita. „Sechs Trupps sind unter Atemschutz in die Einrichtung vorgedrungen, um den Brand zu löschen“, erklärt Bündes Feuerwehrchef Rüdiger Meier. Seiner Einschätzung nach ist das Feuer an der Gebäuderückseite ausgebrochen. „Die Metallwände in einem Raum dort haben sich verformt. Die Flammen müssen mindestens 800 Grad heiß gewesen sein“, sagt Meier. Gegen 23.30 Uhr ist der Brand unter Kontrolle. Es folgen Nachlöscharbeiten, gegen 3 Uhr rücken die letzten Brandbekämpfer ab.

Noch in der Nacht machen sich Vertreter des eilig einberufenen DRK-Kita-Krisenstabes ein Bild von dem immensen Ausmaß der Zerstörung. Auch Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger eilt herbei. „Ich bin fassungslos. Als Rüdiger Meier mich am späten Abend angerufen hat, dachte ich nur: Das darf doch wohl nicht wahr sein“, schildert die Verwaltungschefin später.

Der verheerende Brand ist die dritte Feuerattacke auf die Betreuungseinrichtung. Ende Oktober vergangenen Jahres hatten Unbekannte Mülleimer am ursprünglichen Kita-Gebäude angesteckt. Die Flammen griffen auf den Komplex über, zerstörten ihn fast vollständig. Die 125 Krempoli-Kinder werden seither in einigen Häusern der ehemaligen Britensiedlung in Hunnebrock betreut. Am Abend des 11. Januar folgte ein weiterer Brandanschlag: Dämmmaterial, das im abgebrannten Teil der Kita lagerte, wurde angezündet.

Vor knapp einem Monat hatte das Unternehmen Algeco mit dem Aufbau von Containern direkt neben der alten Kindergarten-Ruine begonnen. In dieser Kita auf Zeit sollten die Krempoli-Kinder bis zur Fertigstellung eines geplanten Neubaus für 18 Monate unterkommen. Denn die Sondergenehmigung für die Nutzung der Britenhäuser als Betreuungsort für die Mädchen und Jungen wäre eigentlich ausgelaufen. Der Grund: Der Brandschutz in den Obergeschossen der Reihenhäuser ist nicht optimal. Und in den Untergeschossen ist nicht genug Platz für alle Kita-Kinder.

Der Krisenstab des DRK tritt noch am Freitagmorgen zusammen. „Für uns steht fest, dass wir den Betrieb an gleicher Stelle fortführen wollen und planen mit allen Beteiligten, dies, so schnell es geht, zu gewährleisten“, gibt das Rote Kreuz wenig später bekannt. Ein Algeco-Mitarbeiter sichtet kurz darauf das Ausmaß des Schadens. „Vielleicht könnten wir bis Ostern alle Container neu aufbauen, abhängig davon wie schnell das Unternehmen liefern kann“, sagt Wolfgang Koch. Bei der Stadt hatte das DRK unlängst eine Verlängerung für die Nutzung der Britenhäuser bis zum 15. März beantragt – und auch bekommen.

Es ist aber nicht nur der materielle Schaden, den das erneute Feuer angerichtet hat. „Die Krempoli-Mitarbeiter sind frustriert. Wir haben einen Notfallseelsorger in die Kita geschickt, um die Leute aufzubauen. Wegen der Brände bekommen einige schon Angst“, erklärt Koch.

Bereits kurz nach dem Ende der Löscharbeiten erscheinen auch Brandermittler der Polizei, sichern erste Spuren und beschlagnahmen den Brandort. „Wir ermitteln wegen vorsätzlicher Brandstiftung“, teilt Polizeisprecher Uwe Maser mit. Wie genau das Feuer gelegt wurde, sei aber unklar. Maser: „Wir werden die Ermittlungen in allen Brandfällen der letzten Zeit in Bünde jetzt noch mal intensivieren.“

Wie berichtet, hatte es nicht nur an der Kita Krempoli mehrfach gebrannt. Bereits seit letztem Herbst waren in der Elsestadt mehrere Autos angezündet sowie ein Feueranschlag auf das Lydia-Gemeindebüro verübt worden. Zuletzt war ein Holzhäuschen vor der evangelischen Kita Frühlingsweg in der Innenstadt abgefackelt.

Die Polizei bittet um Zeugenhinweise – auch mit Blick auf die Taten der vergangenen Monate. Beobachtungen können an die Kripo in Herford unter 05221/8880 gemeldet werden. Das Krempoli-Gelände wird ab sofort 24 Stunden von einem Sicherheitsdienst überwacht.

Stadt sagt Unterstützung zu

Auch Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger ist sauer über die erneute Feuerattacke auf die DRK-Kita an der Stauffenbergstraße. „Ich bin stinkwütend. Der erste Brand war schon eine Katastrophe. Aber es ist dem Roten Kreuz dann mit viel Engagement und Tatkraft gelungen, mit der Container-Kita eine Lösung zu finden – auch wenn die Umsetzung sich durch das Schneechaos etwas verzögert hat.“ Doch dann werde dieser Kraftakt, in kürzester Zeit etwas Neues auf die Beine zu stellen, durch die erneute Brandstiftung mit Füßen getreten.Als Stadtoberhaupt verspreche Rutenkröger dem DRK nun, an einer neuen Lösung mitzuarbeiten: „Alles, was wir als Verwaltung tun können, um das Rote Kreuz zu unterstützen, werden wir auch machen.“

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