Stellenzahl bei Stadt und Kreis hat sich in sechs Jahren um bis zu ein Viertel erhöht – Alterung spielt eine Rolle

Kommunen werden zur Jobmaschine

Herford (WB)

Stadt und Kreis Herford stellen immer mehr Beschäftigte ein, weil sie immer mehr Aufgaben stemmen müssen.

Bernd Bexte

Flüchtlingszuzug (links oben die Unterbringung des Landes an der Saarstraße), Rettungsdienst, Konversion der Kasernen, Kitas – dies sind vier Aufgabenbereiche, in die Stadt und Kreis seit 2014 an Personal investiert haben. Laut Statistik des Landes stieg die Stellenzahl bei der Stadt um knapp 19 beim Kreis um 25 Prozent. Foto: Moritz Winde

Die Zahl der Vollzeitstellen bei der Stadt (und ihrer Eigenbetriebe) ist von 2014 bis 2020 (Stichtag jeweils 30. Juni) um 110 auf 700 gestiegen (plus 18,6 Prozent). Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 715 (davon 305 in Teilzeit) auf 840 (470 in Teilzeit).

Beim Kreis war es sogar ein Zuwachs um ein Viertel: von 725 Vollzeitstellen auf 905. Arbeiteten beim Kreis Mitte 2014 835 Frauen und Männer (270 in Teilzeit) waren es 2020 mit 1035 exakt 200 mehr (355 in Teilzeit). Dabei sind die Corona-Folgen noch gar nicht komplett eingepreist, etwa die 70 Beschäftigten im Kontaktpersonen-Management. Viele von ihnen waren neu eingestellt worden.

Die Gründe für den Stellenaufwuchs sind vielfältig. „Wegen der Reform des Kinderbildungsgesetzes KiBiz wurden in den fünf städtischen Kitas Fachkräfte eingestellt. Gruppen wurden erweitert wie zum Beispiel bei der Kita Bornbrede“, heißt es aus dem Rathaus. Mittlerweile arbeiteten in den fünf Kitas 100 Kräfte. „2014 waren es 80“.

Wegen erhöhten Aufkommens beim Rettungsdienst wurden 2017 etwa 15 zusätzliche Stellen geschaffen, zudem zehn Ausbildungsplätze für den neuen Beruf des Notfallsanitäters. Bei der Feuerwehr kommen zehn weitere Stellen hinzu. Die City-Wache wurde von zwei auf vier, die Verkehrsüberwachung ebenfalls um zwei Stellen aufgestockt.

Im Baubereich kamen zwecks Planung (Konversion der britischen Kasernen) sowie im Ingenieur-Bereich (gestiegenes Bauvolumen beim IAB) Stellen hinzu. Neue Jobs gab es auch zur Betreuung der IT-Netzwerke und Geräte(bislang zwei Mitarbeiter). Zwei weitere Kollegen kamen für die Betreuung der an die Schüler/innen ausgegebenen Geräte hinzu. „Perspektivisch wird die Zahl mit der weiteren Ausgabe steigen.“

Auch in den Bereichen Klimaschutz, Radverkehr, Pressestelle, Rechtsangelegenheiten sowie Einwerbung für Fördermittel seien neue Stellen geschaffen worden. Einige Aufgaben wurden zuvor an externe Büros vergeben. „Jetzt können sie hausintern geklärt werden.“

Auch der Kreis hat personell in den Rettungsdienst investiert. Der höhere Bedarf hänge mit der Alterung der Bevölkerung zusammen, ebenso bei den Sozialen Leistungen (Hilfe zur Pflege in Einrichtung, Eingliederungshilfe). Neue gesetzliche Rahmenbedingungen (Wohn- und Teilhabegesetz) seien weitere Gründe, heißt es aus dem Kreishaus.

Und natürlich der Flüchtlingszuzug seit 2015. „Er führte zu einem höheren Arbeitsaufwand in der Ausländerbehörde.“ Auch im Gesundheitsdienst seien zusätzliche Stellen entstanden, um die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu bewältigen.

Weitere Stellen wegen eines erhöhten Aufwandes entstanden auch im Schulsozialdienst und schulpsychologischen Dienst sowie im Straßenverkehrsamt (Fahrerlaubnis-Wiedererteilung). Zudem sei die Ausbildungsquote in vielen Bereichen erhöht worden.

Aber nicht jede Stelle kann auch sofort besetzt werden. Auf den Online-Portalen von Stadt und Kreis werden zahlreiche Jobs angeboten. Auch ein Hinweise auf Initiativbewerbungen fehlt nicht.

Kommentar von Bernd Bexte

Jede Stelle im Kita-, Schul- und Gesundheitsbereich ist sicherlich gut investiertes Geld. Und die für Herford wegweisende Konversion der britischen Kasernen hätte man nicht privaten Investoren überlassen sollen. Beim Rettungsdienst gibt es mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft wohl eh keine Alternative zum Stellenaufbau.Aber gerade die Pandemie sollte Gelegenheit geben, einmal zu überdenken, was dem kommunalen Gemeinwesen auch künftig wichtig oder noch wichtiger sein wird. Vor allem: Was können sich Stadt und Kreis personell in Zukunft leisten? Denn das Jobwunder in Rathaus und Kreishaus muss finanziert werden – mit Steuergeld.Und die Parteien und jeder Bürger sollten sich fragen, wie hoch die Ansprüche an die Allgemeinheit sein dürfen.

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