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Nach NDR-Bericht: Revell nimmt Modellbausatz aus dem Handel und entschuldigt sich

Kritik an »Nazi-Untertasse«

Bünde (WB). Wegen eines Plastikbausatzes ist der Bünder Modellbauhersteller Revell in die Kritik geraten. Es handelt sich um das Modell einer so genannten Reichsflugscheibe – »Haunebu II« genannt. Unter anderem geht es um den Vorwurf der Verbreitung von »Unwahrheiten über die NS-Vergangenheit«.

Daniel Salmon

Laut Revell sei der Modellbausatz »Haunebu II« nur für »erfahrene, erwachsene Modellbauer geeignet und nicht für Kinder gedacht«. Mit diesem Foto wird in mehreren Interneportalen für das Produkt geworben. Foto:

Das Hörfunkmagazin »NDR Info« hatte am Sonntag zuerst über den Fall berichtet. In dem Beitrag kommen unter anderem Militärhistoriker, Geschichtswissenschaftler und der Deutsche Kinderschutzbund zu Wort.

Auf einem Foto der Verpackung des Bausatzes »Haunebu II« ist eine Art fliegende Untertasse in Tarnfarbenoptik zu sehen, die das Balkenkreuz der Luftwaffe der Wehrmacht trägt. An der Unterseite sind mehrere Geschütze angebracht, die auf der Zeichnung Salven auf umherfliegende Flugzeuge abfeuern. Der Bausatz ist laut Aufdruck für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet.

Laut NDR-Bericht sorge vor allem die Produktbeschreibung für Irritationen. Denn auf dem Pappkarton steht zu lesen: »1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt über die Erprobungsphase nicht heraus. Erstes weltraumfähiges Objekt der Welt.« Durch diese Angaben werde suggeriert, »es handle sich um echtes Kriegsgerät der Nazis mit geradezu übersinnlichen Fähigkeiten«, so der NDR, der zu dem Fall Experten befragt hatte.

Wissenschaftler kritisieren Darstellung

So hatte Historiker Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum Dresden dem Sender gegenüber erklärt: »Soweit in der Wissenschaft bekannt ist, wurde nie an diesem Objekt gearbeitet.« Er kritisiere, dass die Darstellung auf der Verpackung dem Nationalsozialismus »eine überlegene Technologie zuschreibe, die von der etablierten Wissenschaft nicht bestätigt werden könne«. Weiter heißt es: »Dies könne im Sinne der NS-Ideologie Zweifel säen an der anerkannten Geschichtsschreibung.«

Auch der Dortmunder Politikwissenschaftler Dierk Borste kommt in dem NDR-Bericht zu Wort: »Angebote, die rechtsextreme Legenden positiv umschreiben oder indirekt auf einschlägige Verschwörungstheorien hinlenken, sollten mit Sicherheit nicht im Sortiment zu finden sein.« Der Deutsche Kinderschutzbund lehne laut NDR zudem Spielzeug ab, »das zu einer Ideologisierung führen« könne. Politik und Weltanschauung hätten im Kinderzimmer nichts zu suchen.

Die Revell GmbH, die vor einigen Monaten von einem Unternehmen der internationalen Münchner Beteiligungsgruppe Quantum Capital Partners (QCP) übernommen wurde, meldete sich mit einer Stellungnahme zu Wort, die auch dieser Zeitung vorliegt. So geben die Bünder an, das »soweit möglich« die Produktbeschreibung für den Bausatz »Haunebu II« korrigiert werde. Zudem sei die Auslieferung des Modells eingestellt worden.

Legendenumwobenes, außergewöhnliches Fluggerät

Revell teilt weiter mit: »Grundsätzlich geben wir dem Militärhistorischen Museum recht, es handelt sich tatsächlich um ein legendenumwobenes, außergewöhnliches Fluggerät, dessen Existenz und Umsetzbarkeit nicht belegt ist. Unser Verpackungstext bringt dies aber leider nicht adäquat zum Ausdruck, wir entschuldigen uns hierfür.« Ferner distanziere sich das Unternehmen »grundsätzlich und ganz ausdrücklich von jeder Art der Verherrlichung von Kriegen und des Nationalsozialismus«.

Die »Ideologisierung, Förderung von rechtsextremen Legenden, Verschwörungstheorien oder gar einer positiven Umschreibung des Nationalsozialismus« liege Revell zudem fern.

Andere Modellbausätze

Die Bünder Revell GmbH ist nicht das erste Unternehmen, das einen Modellbausatz einer »Reichsflugscheibe« herausgibt. Unter anderem hatte der US-Hersteller »Squadron« bereits vor geraumer Zeit ein ganz ähnliches Modell auf den Markt gebracht. In einer Beschreibung auf seiner Homepage skizziert Squadron für die »Haunebu II« allerdings eine fiktive Hintergrundgeschichte für fliegenden NS-Untertassen, die davon ausgeht, dass das Dritte Reich den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte.

Im Angebot hat der Onlinehändler, der vor allem Modelle militärischer Fahrzeuge im Sortiment hat, zwei Versionen der Haunebu II, die jeweils den gleichen »fiktiven« Maßstab 1 zu 72 haben. In einem Produktvideo zur günstigeren Variante sind sogar Hakenkreuze auf dem Modell zu sehen. Das teurere Modell kann auch in eine »zivile Variante« mit Laser-Waffen umgerüstet werden und enthält zudem einen Aufkleber mit dem Spruch »Schnell wie ein Gedanke!« in einem stilisierten Schriftzug.

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