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17,60 Meter: Anwohner befürchten zuviel Schatten – Rat stimmt Bauprojekt zu

Kritik an Neubau-Höhe

Bünde (WB). Zu hoch, zu dominant – so beurteilen Anwohner einen geplanten Neubau im Bereich Penningstraße/Marktstraße. Der Rat hat dem entsprechenden Bebauungsplan allerdings mehrheitlich zugestimmt. Und auch der ausführende Architekt Peter Hartmann betrachtet das geplante Wohn- und Geschäftshaus nicht als überdimensioniert.

Hilko Raske

So soll der geplante Neubau im Bereich Penningstraße/Marktstraße aussehen. Foto: Architekturbüro Hartmann & Kollegen

17,60 Meter hoch soll das Gebäude werden, fünf Geschosse waren ursprünglich geplant. Zwischenzeitlich haben aber Gespräche zwischen Stadt und dem Architekten stattgefunden, die eine reduzierte Planung vorsehen. Die Verwaltung beurteilt das Projekt durchaus positiv. »Der Entwurf sieht eine hohe Ausnutzung der Grundstücke vor, die im Innenstadtbereich erwünscht ist«, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Die Gebäudeplanung erfülle hohe Ansprüche an die Baugestaltung und die Wohnqualität. Die Maßnahme stelle eine gewünschte Nachverdichtung im Innenstadtbereich der Stadt Bünde dar.

»Zu hoch«, sagen die Anwohner

Das sehen die Anwohner allerdings anders. Während der Ratssitzung war von ihnen zu hören, dass beispielsweise der benachbarte Kindergarten mit einer Verschattung rechnen muss. Hier wies der Technische Beigeordnete Dr. Andreas Siepenkothen darauf hin, dass der Kindergarten sich im Vorfeld dazu hätte äußern können, das aber nicht geschehen sei.

Doch wie sieht der Architekt das Projekt? Peter Hartmann hat ganz in der Nähe bereits städtebaulich Akzente gesetzt und zwar mit dem Gebäude Moltkestraße 1-3, bekannt als »Adler«. Mit der Errichtung dieses Gebäudes, das auch eine Höhe von 17 Metern habe, sei ein Wechsel eingeläutet worden.

»Unsere Aufgabe als Architekten sehe ich darin, das Bewusstsein für Stadt-Bau-Kultur weiterzuentwickeln und zu schärfen«, sagt Hartmann. Gemeint sei damit, sich nicht nur an den vorhandenen Gebäuden und deren Geschossigkeiten zu orientieren, sondern den Anforderungen gerecht zu werden, die die gesellschaftliche Dynamik an das Bauen stelle.

Zuzug in die Innenstädte

Der Architekt verweist darauf, dass die Ressourcen an Grund und Boden in Städten und Gemeinden rar geworden sind. »Für das Mittelzentrum Bünde bedarf es aus meiner Sicht der Beschreitung neuer mutiger Wege in der Stadtentwicklung und -planung. Das Schrumpfen der Landbevölkerung geht einher mit dem massiven Zuzug in die Innenstädte«, so Hartmann.

Nun ist aber von Seiten der Anwohner und der Kita-Eltern Kritik am Bauvorhaben geäußert worden – es wird eine Verschattung befürchtet. Diese Vorwürfe will Hartmann nicht unkommentiert lassen. »Schauen Sie in umliegende Städte und Großstädte. Kindergärten und Kindertagesstätten sind dort auf Plätzen untergebracht, die umsäumt sind von fünfgeschossigen Gebäudestrukturen.« Hinzu komme, dass sich der Kindergarten an der Heidkamp­straße in einem geschützten Laubholzbestand befinde. Dadurch liege dieser Bereich doch stets im Baumschatten.

Kommunikatives Zentrum

In der Diskussion um das Bauvorhaben an der Penningstraße sei er auch mit der Forderung nach bezahlbarem Wohnraum konfrontiert worden, so der Architekt. Er verweist darauf, dass Bünde in dieser Hinsicht aktuell viele Chancen biete. So sei das ehemalige Cordes-Gelände hervorragend geeignet für die Schaffung einer Jugendkulturstätte, gepaart mit bezahlbarer Wohnnutzung.

Und auch das brachliegende Flurstück an der Herforder Straße im Bereich des Feldmark-Friedhofs bietet die Möglichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ebenfalls in die Überlegungen mit einbezogen werden sollte der Gebäudebestand im Bereich der Carl-Severing-Straße.

Was das Projekt an der Penningstraße betrifft, kommt vom Architekten eine klare Aussage: »Unsere stadtplanerische Vision für das Bünder Marktplatzquartier liegt nicht in der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.« Hartmann nennt in diesem Zusammenhang die Schaffung eines »kommunikativen Zentrums für Stadt-Kultur und Bildung« in diesem Bereich. So könnte überlegt werden, Einrichtungen wie die Stadtbücherei und die Musikschule in das Areal rund um den Marktplatzes zu verlegen.

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