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Liste mit Umbenennungen aus der NS-Zeit ist Thema im Verkehrsausschuss

Kritische Straßennamen im Blick

Bünde (WB). Sollen durch die NS-Zeit vorbelastete Straßen in Bünde umbenannt werden? Mit dem Thema wird sich der Bünder Verkehrausschuss in seiner Sitzung am 5. Juli einmal mehr befassen.

Daniel Salmon

Laut Jörg Militzers Ausführungen ist Paul von Hindenburg wegen seiner Rolle bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten umstritten. Zahlreiche ihm gewidmete Straßen in der Bundesrepublik seien bereits umbenannt worden. Foto: Daniel Salmon

Wir berichtet, hatten CDU und FDP in der Februarsitzung einen Antrag in der Sache eingebracht. Die Parteien hatten angeregt, solche Straßen zu ermitteln, deren Benennung »durch Verbindung zu Verbrechen an der Menschlichkeit oder zu Verbrechen in der NS-Zeit belastet sind«. Im Anschluss daran sollten die Anlieger befragt werden, ob sie sich für eine Umwidmung aussprechen. Das jeweilige Votum der Bürger solle den Lokalpolitikern dann als Entscheidungsgrundlage für eine etwaige Umbenennung dienen.

Straßenliste erstellt

Der Ausschuss folgte seinerzeit mehrheitlich dem Beschlussvorschlag, dass Stadthistoriker Jörg Militzer eine Liste mit infrage kommenden Straßen erstellen soll. Diese Aufstellung liegt mittlerweile vor. In seinen Ausführungen an die Stadt teilt Militzer mit, dass die meisten »von den 18 während der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945 in Bünde und dem damaligen Amt Ennigloh umgesetzten Neu- und Umbenennungen« bereits direkt 1945 wieder umgewidmet wurden. Allerdings seien seinerzeit sieben Namensgebungen bei der Rückbenennung nicht berücksichtigt worden. Sechs davon hätten noch heute Bestand. Zusätzlich seien auch später in der damaligen Gemeinde Dünne drei Bezeichnungen gewählt worden, die nach heutigem Kenntnisstand Anlass zur Kritik böten.

Stadthistoriker recherchiert

Nach Militzers Recherchen seien die Benennungen Hindenburgstraße (bis 1933 Gartenstraße), Saarlandstraße (bis 1935 Wiedenstraße), Frühlingsweg (bis 1936 Teil der Gasstraße), Kameradschaft (1938 neu angelegt) von der NS-Ideologie motiviert gewesen. Kritisch zu sehen seien ebenfalls die Benennungen nach Personen, die aus verschiedenen Gründen wegen ihrer Rolle im Dritten Reich kritisch zu betrachten seien. Millitzer nennt hier den Friedrich-Langenwiesche-Weg (bis 1937 Teil der Papendiekstraße), die Carl-Diem-Straße, die Wagenfeldstraße und die Rudolf-Kinau-Straße. Die Lettow-Vorbeck-Straße, über die in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls rege diskutiert wurde (wir berichteten), taucht in der Liste ebenfalls auf.

Zusätzlich zu Militzers Ausführungen können auch Bürger binnen einer festgelegten Frist noch weitere Straßenzüge benennen, die ihnen in dem Zusammenhang wichtig erscheinen.

Thema im Verkehrsausschuss

Im Anschluss soll der Verkehrsausschuss darüber entscheiden, in welchen Fällen eine Befragung der Anwohner – nach den Kriterien des Kommunalwahlrechts – erfolgen soll.

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