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Kilometerstände von Gebrauchtwagen „frisiert“: Bünder Autohändler in Abwesenheit verurteilt

Lange Haftstrafe für Tachofälscher

Bünde/Bielefeld (WB/upf). Das Landgericht Bielefeld hat einen Autohändler aus Bünde zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er Autos mit „gedrehten“ Tachos verkauft hatte. Aber der Prozess endete so holprig, wie er begonnen hatte: Der 51-Jährige war bei der Urteilsverkündung gar nicht zugegen – beim Prozessauftakt im Januar fehlte ein anderer der vier Angeklagten, der vorübergehend nicht aufzufinden war.

Tachostände manipuliert hat ein 51-Jähriger, der in Bünde einen Pkw-Handel betreibt. Foto: dpa

Es kommt nicht selten vor: Die Kilometerstände von Gebrauchtwagen werden nach unten „korrigiert“, um den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. Auch der 51-Jährige, der in Bünde einen Pkw-Handel betreibt, war nach Überzeugung der X. Strafkammer im großen Stil für den Verkauf von Autos mit manipulierten Tachometer-Ständen verantwortlich.

Insgesamt neun Fälle des Betruges urteilte die Kammer ab, dazu sieben Fälle der juristisch etwas sperrig formulierten „Anstiftung zur Manipulation von Wegstreckenzählern“ – und befand den 51-Jährigen dabei des besonders schweren Betruges für schuldig. Für ein gewerbsmäßig oder als Bande organisiertes Handeln hingegen, so wie ursprünglich angeklagt, fanden die Richter keine hinreichenden Beweise.

Urteil in Abwesenheit

Viereinhalb Jahre Haft verhängten sie für die Taten zwischen Mitte 2015 und Ende 2016. Ob und wann der 51-Jährige die Strafe antreten wird, steht in den Sternen: Das Urteil erging in Abwesenheit, weil der Bünder nach Auskunft des Landgerichts während einer Reise in den Kosovo erkrankt sei und die Rückreise nicht antreten könne. Gegen ihn laufen in Bielefeld weitere Strafverfahren wegen Betruges.

Ein mutmaßlicher Mittäter muss sich ab heute seinem Verfahren stellen. Der 38-Jährige hätte ebenfalls im Januar auf der Anklagebank sitzen sollen, war aber zum Prozessauftakt nicht erschienen. Der Bad Oeynhausener soll als Verkäufer für den 51-Jährigen gearbeitet und gewusst haben, dass die Tachometer-Stände „frisiert“ worden waren.

Der eigentliche Manipulator, ein 48-Jähriger aus Porta Westfalica mit dem Spitznamen „der Doktor“, war bereits am ersten Prozesstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden – er hatte seine Tätigkeit als Tachofälscher gestanden. Der Sohn des 51-Jährigen kam mit einer Einstellung des Verfahrens davon, musste dafür aber innerhalb von sechs Wochen an zwei geprellte Kunden zusammen 1200 Euro Wiedergutmachung zahlen.

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