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Die 75 neuen Fahrradständer auf dem Marktplatz sind fertig montiert 

Luxus für die »gute Stube« 

Bünde (WB). Die Umgestaltung des Marktplatzes strebt mehr und mehr Richtung Vollendung: Seit Anfang der Woche sind die 75 neuen Fahrradständer vor dem Eingang zum Gymnasium am Markt fertig montiert. An anderer Stelle gibt es aber noch eine potenzielle Stolperfalle.

Christina Ritzau

Daniel Tiemann (23), Polier bei der Baufirma Dieckmann, musste zweimal hinschauen, um die Fahrradständer als solche zu erkennen. Jetzt gefallen sie ihm. Etwa 840 Euro kostet jedes einzelne Stück dieser Sonderanfertigung. Foto: Christina Ritzau

 Man kann sich durch die futuristisch anmutende Form der Veloparkplätze an einen Vogel mit hängenden Flügeln erinnert fühlen oder die Abstellmöglichkeiten erfrischend modern finden. Auf jeden Fall haben die »Luxus-Fahrradständer« in Bünde schon für reichlich Diskussionen gesorgt – nicht zuletzt auch wegen der hohen Kosten, die damit verbunden sind. Rund 63000 Euro kosteten die 75 Abstellmöglichkeiten, teilte Karsten Unger von der städtischen Straßenverkehrsbehörde mit. Wer jetzt zu empörtem Stirnrunzeln ansetzt, sei jedoch beruhigt: Die Stadt Bünde direkt muss nur rund 8500 Euro von der Gesamtsumme tragen (siehe Kasten). Dennoch seien die »Luxus-Fahrradständer« etwa fünfmal so teuer wie normale Modelle, schätzt Oberbauleiter Ralf Klimpel.

 Als Fahrradständer erkennen viele Passanten die V-ähnlichen Metallgebilde auf der Südseite des Platzes beim ersten Hinschauen gar nicht. Selbst Daniel Tiemann, Polier bei der Firma Dieckmann, die die Bauarbeiten durchführt, gibt schmunzelnd zu: »Ich wusste erst gar nicht, was das sein sollte. Diese Bauweise kannte ich nicht. Jetzt finde ich die Fahrradständer aber ganz schön. Mal schauen, wie die Leute sie annehmen.« Er könne sich sogar vorstellen, dass andere Städte sich ein Beispiel an dieser Gestaltung nähmen.

 Durch eine kleine »Überdachung« auf Hüfthöhe bieten die Ständer punktuellen Regenschutz für die Drahtesel. Eine Plastiktüte über dem Sattel wird also überflüssig – es sei denn man fährt ein Rad mit besonders hohem Sattel. Dann könnte es wegen der Überdachung zu Einparkproblemen kommen. »Wir hatten damals über verschiedene Höhen nachgedacht. Aber im Planungsausschuss haben wir uns dann für eine Höhe entschieden«, blickte der Technische Beigeordnete Dr. Andreas Siepenkothen zurück auf die Planungsphase. Einheitlichkeit, Praktikabilität und Optik hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, erklärt er. »Trotz des Aufschreis aus der Bevölkerung: In einer guten Stube sollte man auch gute Fahrradständer aufstellen dürfen«, meint Siepenkothen.

 Während sich die Bünder langsam an den Anblick der neuen Fahrradständer zu gewöhnen scheinen, sorgen andere Kleinigkeiten auf dem umgebauten Marktplatz bei manchen für Unmut: Etwa ein zu hoch gelegener Gully auf der Nordseite und eine Wasserrinne von der Nord- zur Südseite, die auf beiden Seiten von Kanten gesäumt wird. Für Menschen mit Stock, Rollator oder Smartphone in der Hand eine potenzielle Stolperfalle. Eine gewisse Höhe müsse die Kante jedoch haben, damit das Regenwasser zum nächsten Gully geführt werde, erklärt Bauleiter Klimpel. »Die Kante darf laut Din-Norm 20 Millimeter hoch sein. Diese hier misst vielleicht 12 Millimeter.« Und der auf dem Hochpunkt gelegene Gully könne etwa bei Platzregen einen Teil des Wassers abfangen, um die tiefer gelegenen Abflüsse zu entlasten.

 Trotz dieser Erklärung spricht Siepenkothen in dem Fall offen von einem »Planungsfehler«. Bei der bauausführenden Firma liege der Fehler jedoch nicht, betont er. Der Technische Beigeordnete weiß auch: »Das auszubessern wäre ein erheblicher Aufwand. Ich denke, damit kann man trotz allem leben.«

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