1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Bünde
  6. >
  7. Menschenfreund wird Ehrenbürger

  8. >

Dr. Emma soll in Bünde gewürdigt werden

Menschenfreund wird Ehrenbürger

Bünde  (WB). Er ist Mediziner aus Leidenschaft, reist seit Jahrzehnten in humanitärer Mission rund um den Globus: Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (79), den Bündern besser bekannt als Dr. Emma. Für seine Verdienste soll er jetzt zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt werden.

Daniel Salmon

Soll mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Bünde ausgezeichnet werden: Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (79), ehemaliger Chefarzt des Bünder Lukas-Krankenhauses. Foto: Daniel Salmon

Einen entsprechenden Antrag hatte die Bünder FDP-Fraktion zuvor gestellt, nachdem ein langjähriger Weggefährte des Arztes an sie herangetreten war. »Seit Jahrzehnten hat er sich mit unzähligen Operationen an Kriegsopfer- und Flüchtlingskindern verdient gemacht und durch seine internationalen humanitären Einsätze auch das Ansehen der Stadt im In- und Ausland erheblich gemehrt«, nennen die Liberalen einen notwendigen Grund für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

»Ich glaube, wenn man hier durch die Stadt geht und die Leute nach dem Namen eines aktiven heimischen Politikers fragt, würde kaum jemand einen benennen können. Aber der Name Dr. Emma dürfte den meisten ein Begriff sein. Sie würden sagen: Das ist doch der, der den Kindern hilft«, sagt FDP-Ortsverbandsvorsitzender Martin Lohrie. Und Bürgermeister Wolfgang Koch meint: »Durch sein enormes soziales Engagement in aller Welt macht er auch auf Bünde positiv aufmerksam.«

Bereits ab 1992 operierte der Bünder Chirurg am Lukas-Krankenhaus ehrenamtlich

Kommentar

Im März zwei Wochen medizinische Hilfe in Burkina Faso geleistet, im April 14 Tage humanitärer Einsatz in Guinea-Bissau, danach ab in den Kongo – das Pensum wäre selbst für jüngere Menschen ein Kraftakt. Dr. Theophylaktos Emmanouilidis oder besser »Dr. Emma« wird aber im Mai 80 Jahre alt – und hat nur das eine Ziel vor Augen: Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Krisengebieten medizinische Versorgung zu bieten. Und das unter Bedingungen, die bestenfalls abenteuerlich zu nennen sind. Davon lässt sich der ehemalige Bünder Chefarzt aber nicht beirren. In seinem Handeln ist er vollkommen selbstlos, möchte stets nur anderen helfen – und das selbst dann, wenn er sich persönlich in Gefahr begibt. Wenn ein Bünder die Ehrenbürgerwürde verdient hat, dann er. Hilko Raske

die ersten Kinder und jugendlichen Kriegsopfer aus Afghanistan und Irak, dann auch Kinder aus Angola, Eritrea, Somalia, Tschetschenien, dem Jemen und Kosovo. Organisatorisch und finanziell unterstützt wurde er dabei finanziell von Klinikmitarbeitern, Förderern aus Stadt und Umland.

Hilfe in Krisengebieten

Ab 1997 bereiste Emmanouilidis auf eigene Kosten in seinen Urlauben die Krisenregionen dieser Welt, operierte Kinder direkt vor Ort. 2004 ging der Chefarzt in den Ruhestand. Und hatte nun viel Zeit für unzählige Hilfsreisen, vor allem nach Afrika und in den Nahen Osten. Weitaus mehr als hundert dürften es seither gewesen sein, von denen auch diese Zeitung stets berichtete.

Und weitere kommen noch dazu. Bereits 2008 erhielt der Menschenfreund – so darf man ihn wohl guten Gewissens bezeichnen – für seine Hilfsaktionen in Düsseldorf das Bundesverdienstkreuz. 2015 übernahm er die ehrenamtliche Leitung der Hilfsorganisation Hammer Forum. »Er hat mit seinen humanitären Einsätzen unzähligen jungen Menschen das Leben wieder lebenswert gemacht«, heißt es ihm Antrag der Bünder Liberalen. Und Martin Lohrie ergänzt: »Was er macht, ist einfach grandios«.

Jeweils unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte zunächst der Hauptausschuss und am Dienstagabend der Stadtrat einstimmig für die Auszeichnung des ehemaligen Chefchirurgen des Lukas-Krankenhauses plädiert. Zuvor hatte das Gremium eine Satzung verabschiedet, welche Kriterien ein Ehrenbürger erfüllen muss.

Erst der dritte Ehrenbürger der Stadt Bünde

Nach dem Pädagogen, Forscher und Fossiliensammler Friedrich Langewiesche (1867 bis 1958) und Bündes Ex-Bürgermeister Richard Moes (1887 bis 1968) ist Emmanouilidis, der Anfang Mai seinen 80 Geburtstag feiert, erst der dritte Ehrenbürger der Elsestadt.

Ein Termin für die Ehrung steht zwar noch nicht fest. »Wir wollen das aber nicht einfach in einer Ratssitzung machen, sondern in einem wirklich würdigen Rahmen«, so Martin Lohrie. Aber bei der Terminsuche müssen sich die Verantwortlichen wohl stark am künftigen Ehrenbürger orientieren. Denn derzeit ist Dr. Emma in Guinea-Bissau unterwegs, im Mai will er im Kongo Kindern medizinische Hilfe bringen und im Juni wird der Chirurg im »Unruhestand« dann voraussichtlich in den Libanon reisen.

Startseite
ANZEIGE