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Raucherkneipe in Berlin heißt so ähnlich wie Sehriban Sahins Lokal in Bünde-Holsen

Nach Namensstreit: Imbiss in Bünde muss umbenannt werden

Bünde (WB). Weil eine Raucherkneipe in einem Industriegebiet in Berlin sich den Namen „Scheris Inn“ hat schützen lassen, muss „Scheri’s Imbiss“ in Holsen umbenannt werden. Inhaberin Sehriban Sahin musste nach einem Gerichtsurteil 5763 Euro zahlen und kann die ganze Sache auch heute noch nicht fassen. „Da ist doch überhaupt keine Ähnlichkeit. Zudem kann man sich in Berlin sogar das Essen in die Kneipe liefern lassen“, meint die 49-Jährige.

Kathrin Weege

Richtig glauben kann Sehriban Sahin das Ganze immer noch nicht. Sie musste den Namen ihres Imbisses an der Ahler Straße auf allen Schildern schwärzen, Speisekarten entsorgen. Dafür sorgte ein Gerichtsurteil von November 2019. Foto: Kathrin Weege

Imbiss sollte wie die Inhaberin heißen

Aber der Reihe nach. Seit September 2017 betreibt Sahin den Imbiss an der Ahler Straße. Zuvor hatte sie dort als Aushilfe gearbeitet, als er noch von Matthias Wibbeler betrieben wurde. „Mein Lokal wollte ich dann nach mir benennen. Und zu mir sagen eben alle ‚Scheri‘“, erzählt Sahin, die zuvor 18 Jahre lang das Geschäft Vimo (Mode für große Größen) in der Bünder Innenstadt betrieben hatte.

Im September 2018 trudelte dann Post von einem Anwaltsbüro aus Berlin ein. „Ich habe das gar nicht ernst genommen, dachte, das wäre so ein Betrugsversuch“, erinnert sie sich. In dem Schreiben hieß es, dass der Name „Scheris“ durch eine Eintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geschützt sei. Es bestehe Verwechslungsgefahr wegen Namensgleichheit. „Meine Schwester sollte 984 Euro als Geschäftsgebühr und Pauschale für Post- und Kommunikationsdienstleitung zahlen. Außerdem sollte sie eine Unterlassungserklärung unterzeichnen“, erklärt Yusuf Valenthin, der seiner Schwester in der Angelegenheit zur Seite gestanden hat. Im Falle einer Zuwiderhandlung wären 5100 Euro fällig geworden – und zwar bei jedem Mal, wenn Sehriban Sahin gegen die Auflage verstoßen hätte.

Gesamtschaden etwa 8000 Euro

Die ganze Angelegenheit war den Geschwistern zu heikel, sie informierten sich bei einem Rechtsanwalt. Er warnte davor, zu unterschreiben, da möglicherweise immense Kosten auf die Imbissinhaberin zukommen könnten. Schließlich kam auch die Klage kurz vor Ablauf der Zahlfrist für die 984 Euro. Die Geschwister erhoben Einspruch. „Weder wir noch unser Anwalt glaubten, dass wir in dieser Angelegenheit verlieren könnten. Er sah keine Verwechslungsgefahr“, sagt Sahin. Doch es sollte anders kommen. Am 15. November 2018 erging vor dem Bielefelder Landgericht das Urteil. „Wir haben verloren. Ich musste 5763 Euro zahlen“, sagt Sahin. Eine Menge Geld für sie. Vier Wochen bis zum 23. Dezember hatte sie Zeit, den Namenszug von den Schildern zu entfernen, Speisekarten zu entsorgen, ihre Facebookseite zu löschen und sich um die Google-Einträge kümmern. „Alles zusammen kostet mich das am Ende um die 8000 Euro“, schätzt die Inhaberin.

Patentanwalt wird neuen Namen vorher prüfen

Derzeit ist der Imbiss zwar geöffnet, aber namenlos. Schwarze Balken kleben auf dem roten Schild an der hölzernen Eingangstür. „Ich möchte den Namen ähnlich lassen. ‚Seris Imbiss‘ könnte es werden“, sagt die Bünderin. Dieses Mal wird sie den gewünschten Namen aber von einem Patentanwalt prüfen und als Marke eintragen lassen. „Da bin ich damals wohl zu leichtsinnig rangegangen. Aber wer erwartet denn auch so etwas“, meint Sahin.

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