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BUND kritisiert Anordnung des Kreis Herford auf Entfernung des Storchenhorstes in Ahle

Naturschützer fordern eine nachträgliche Genehmigung

Bünde

Der Kreis Herford hat verfügt, dass ein Storchennest in Ahle entfernt werden muss, da es zu nah an Windkraftanlagen steht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Seit 2002 steht der Horst in Ahle in unmittelbarer Nähe der Bruchmühlener Windräder, seit 2018 brüten dort Störche. Der Kreis Herford fordert nun, dass das einst illegal erbaute Nest – es habe keine Genehmigung dafür gegeben – entfernt wird. Foto: Peter Schubert

Bernd Meier, Sprecher der BUND-Kreisgruppe: „Das Storchennest wurde schon vor 20 Jahren errichtet und zwanzig Jahre hat sich der Kreis nicht gerührt. Jetzt, wo die Windkraftanlagen in der Nähe repowert werden sollen, ist dem Kreis aufgefallen, dass die Errichtung illegal gewesen sein soll.“ Entscheidend sei hierbei die Höhe des Horstes. Er sei 50 Zentimeter höher als er ohne Baugenehmigung sein dürfte.

Nicht nachvollziehbar für den BUND ist auch, dass sich der Kreis weigert, das Rechtsgutachten, auf das er seine Entscheidung gründet, dem BUND zur Kenntnis zu geben. Obwohl der BUND einen Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz gestellt hatte, das den Umweltverbänden und auch jedem Bürger das Recht gibt, umweltrelevante Informationen von Behörden einzufordern, wurde ihm das Gutachten verweigert. „Das ist keine offener Umgang mit Umweltschützern auf Augenhöhe“, ärgert sich Bernd Meier, der nicht nachvollziehen kann, wieso die Informationen verweigert werden.

Auch im vergangenen Jahr war das Nest von den Stelzvögeln bebrütet worden. Foto: Peter Schubert

„Baurechtlich mag es sich um einen sogenannten Schwarzbau handeln, doch könnte der Kreis auch eine nachträgliche Genehmigung erteilen“, meint Holger Stoppkotte, stellvertretender BUND-Sprecher. Dies sei in der Vergangenheit durchaus schon vorgekommen, zum Beispiel bei einer Vereinshütte eines Modellflugvereins in Werfen. „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass einerseits eine illegal errichtete Hütte im Landschaftsschutzgebiet nachträglich genehmigt wird, während ein dem Artenschutz dienendes besetztes Storchennest beseitigt werden soll“, wundert sich Ornithologe Stoppkotte.

Der BUND hält die Entscheidung nicht nur für fachlich falsch, sondern auch für rechtlich fraglich. Auch wenn der Horst baurechtlich nicht genehmigt sei, dadurch, dass er jetzt von Störchen besetzt sei, stehe er nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz, auch wenn keine Störche anwesend seien.

Gefahr für unerfahrene Jungstörche

Auch fachlich hält der BUND es für falsch, den Horst zu entfernen. Die Altstörche sind in aller Regel durch Windkraftanlagen nicht gefährdet, nur die unerfahrenen Jungstörche können von den Rotoren erfasst werden. Dies könne aber beispielsweise auch durch eine zeitweilige Abschaltung tagsüber während einer kurzen Zeit des Jahres verhindert werden.

„Obwohl die Zahl der Windenergieanlagen in den letzten Jahrzehnten drastisch gestiegen ist, befinden sich die Störche seit den neunziger Jahren im Aufwind“, erläutert der Biologe Meier. Während 1991 in NRW nur drei Storchenpaare brüteten, wurden 2020 450 Paare gezählt, die in dem Jahr 873 Jungtiere hatten. Demgegenüber sind bislang (seit der Erfassung von Schlagopfern) insgesamt 8 Weißstörche als Windkraftopfer verzeichnet worden.

Grundsätzlich hält auch der BUND es für richtig und wichtig, dass bei der Errichtung von WEAs auf ausreichende Abstände zu gefährdeten Vogelarten und Fledermäusen geachtet wird. Aber in diesem konkreten Fall sollte der besetzte Horst nach Ansicht der Naturschützer an Ort und Stelle erhalten bleiben. Da Störche sehr orttreu sind und Jahr für Jahr zum selben Nest zurückkehren, ist es nach Ansicht des BUND nicht gewährleistet, dass ein Ersatzhorst in 3,5 Kilometer Entfernung angenommen wird.

Der BUND fordert daher die Kreisverwaltung auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen und in diesem Fall eine nachträgliche Genehmigung zu erteilen, um hier ein Miteinander von Storch und Windenergieanlagen zu ermöglichen.

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