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Der Waschbär macht im Kreis Herford Probleme

Niedlich, aber auch schädlich

Bünde (WB). Die Natur rund um Bünde ist Heimat für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Seit einigen Jahren nimmt allerdings die Population eines Tieres zu, welches selbst bei Naturschützern nicht gern gesehen wird: der Waschbär. Denn diese Art ist hier nicht heimisch, er ist ein sogenannter Neozoon.

Carolin Bittner

Für den Waschbären ist die Kreuzkröte eine begehrte Beute. Foto: dpa

Ursprünglich in Amerika beheimatet, wurden Waschbären zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa für die Pelzproduktion eingeführt. Einige Tiere entkamen der Gefangenschaft und siedelten sich auch in Deutschland an. „Die ersten Waschbären kamen aus der Nähe von Kassel und wanderten dann über Höxter und Paderborn auch in den Kreis Herford ein“, erklärt Klaus Nottmeyer, Leiter der biologischen Station Ravensberg. Und seit einigen Jahren nehme die Anzahl, auch begünstigt durch die milden Winter, stetig zu. Wie groß sie letztlich im Kreisgebiet ist, wisse man allerdings nicht, da sie sehr schwer zu zählen sind.

Es seien jedoch die Tiere, die man am häufigsten mit Wildkameras aufnehme. „Die Population ist allerdings noch nicht so groß wie in Amerika. Unsere Mülltonnen sind noch nicht in Gefahr“, sagt Nottmeyer.

Kleinbär legt sich in Vogelnester

Probleme mache der Waschbär allerdings der heimischen Tierwelt. Auf seinem Speiseplan stünden kleine Vögel, Säugetiere, Amphibien und auch Eier. „Hier im Kreisgebiet haben wir einige seltene Amphibien wie etwa die Kreuzkröte. Deren Population ist gefährdet, auch weil sie häufig vom Waschbären gefressen wird“, erklärt Nottmeyer. Deren Laichplätze müssten dann besonders geschützt werden. Und das sei gar nicht so einfach: „Waschbären sind sehr gute Kletterer. Da helfen eigentlich nur noch Elektrozäune.“

Ein weiteres Problem im Kreis sei, dass Waschbären häufig die Nester von Greifvögeln für sich beanspruchten. „Die Waschbären schlafen zum Beispiel in Habichtnestern. Diese sind dann nicht mehr für die Eiablage geeignet.“ Zudem fresse der Kleinbär die Eier von Greifvögeln. Auch vor Brut- und Nistkästen schreckten die kleinen Raubtiere nicht zurück. „Mit ihren feinen Händen können sie in die Löcher greifen und alles Essbare aus dem Kasten holen. Man muss die Kästen also mittlerweile Waschbär-sicher machen“, erklärt Nottmeyer.

Deutlich mehr Tiere erlegt

Die Bedrohung, die vom Waschbären ausgeht, sei mittlerweile deutschlandweit bekannt und die Population werde auch schon bekämpft. So wurden im Jagdjahr 2018/19 NRW-weit 17.500 Waschbären erlegt – zweieinhalb Mal so viele wie zehn Jahre zuvor. Die effizienteste Methode sei die Jagd mit Lebendfallen. Die modernsten Versionen arbeiteten inzwischen mit fotografischen Benachrichtigungen an den Jäger, sobald diese ausgelöst werden. Anschließend tötet der Jäger die Waschbären. Gezielte Abschüsse bei der Jagd seien selten, meist nur zufällig.

„Allerdings ähnelt der Kampf gegen den Waschbären dem sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen. Es kommen immer wieder neue Waschbären nach“, ärgert sich Nottmeyer. Eigentlich bräuchte man für die Bekämpfung einen hauptberuflichen Jäger, der sich rund um die Uhr der Waschbärenjagd widme.

Und das bejagte Gebiet müsse am besten einen Inselcharakter haben, damit nicht so viele Tiere nachströmen könnten. Am Dümmer etwa habe man durch die Einzäunung eines Reviers schon gewisse Erfolge erzielen können. Über kurz oder lang müsse sich die heimische Natur allerdings mit dem Waschbären arrangieren, eine Ausrottung sei sehr schwierig und eher unwahrscheinlich.

Nottmeyer appelliert an alle Bürger des Kreises: „Setzt keine nicht-heimischen Arten in der freien Natur aus, weil ihr nicht mehr mit den Tieren zurechtkommt. Das kann fatale Folgen haben und zudem steht das Aussetzen von Tieren unter Strafe.“

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