Ein Fahrzeug der Linie 433 ist in Herford am Morgen immer rappelvoll

Nur diese eine Zeit, nur dieser eine Bus

Herford

Gina de Nuccio würde ja gern laut auf die Schüler im BVO-Bus der Linie 433 Herford-Bad Salzuflen schimpfen. Doch dann würde sie an der hinteren Tür des Busses, an die sie jeden Morgen gequetscht wird, noch weniger Luft bekommen.

Von Stephan Rechlin

BVO-Fahrgast Gina de Nuccio möchte nicht mehr morgens an die hintere Bustür gequetscht werden.Zwischen 7.26 Uhr und 7.47 Uhr fahren sechs Busse zur Schule.Alle Schüler steigen aus einem Bus. Foto: Stephan RechlinGina de Nuccio

Es ist absurd. In der Zeit zwischen 7.26 Uhr und 7.47 Uhr fahren dem Fahrplan zufolge insgesamt sechs Busse in Richtung Gesamtschule Friedenstal. Doch die Schüler nehmen nur einen davon: Die Linie 433, die um 7.47 Uhr am Alten Markt startet und um 8.02 Uhr am ZOB in Bad Salzuflen ankommt. Den muss auch Gina de Nuccio nehmen, die in Bad Salzuflen in einem Alten- und Pflegeheim arbeitet und an der Haltestelle Wiesestraße einsteigt.

Zwischen 7.26 Uhr und 7.47 Uhr fahren sechs Busse zur Schule. Foto: Stephan Rechlin

Naja, eher wohl reinklettert. Warum alle Schüler ausgerechnet diesen einen Bus nehmen, darüber kann de Nuccio nur mutmaßen: „Vielleicht holen sie sich alle vorher noch ein Brötchen. Oder die Schule ist abgeschlossen, wenn sie ankommen, und sie müssten draußen warten, bis jemand aufschließt.“

Theoretisch könnte sie auch einen zweiten Bus der Linie 433 nehmen, der dem Plan zufolge kurz nach dem ersten folgt und ebenfalls bis Bad Salzuflen fährt. De Nuccio: „Das habe ich mal versucht. Es kam aber kein zweiter Bus und ich musste ein Taxi rufen.“ Der Busfahrer habe ihr geraten, einen früheren Bus zur Gesamtschule zu nehmen, dort zu warten und dann in den 433er umzusteigen, wenn alle Schüler raus sind.

Genug Busse im Einsatz

Die BVO-Busse gehören zur Deutschen Bahn Regio Netz Verkehrs GmbH. Deren Sprecher Dirk Pohlmann hat einmal nachgeforscht: „Es gibt zahlreiche Fahrten, die morgens im Schülerverkehr auf der Linie 433 im Einsatz sind. Insgesamt ist das Angebot zusätzlich mit mehreren Verstärkerfahrten nach unserer ersten Einschätzung eigentlich mehr als ausreichend.“

Doch Gina de Nuccio ist nicht der einzige Fahrgast, der sich beklagt. Im Schulausschuss bestätigte Dezernent Patrick Puls Gespräche, die darüber zwischen der BVO, der Stadt und den Schulen geführt würden.

Kommentar von Stephan Rechlin

An der Zahl der Busse liegt es nicht. Die BVO könnte noch sechs weitere Busse auf der Strecke pendeln lassen, es würde nichts an dem einen überfüllten Bus ändern. Es hilft nichts: Die Schulen müssen mit den Fahrgästen reden. So wie das Radfahren müssen Schüler offenbar auch das Busfahren lernen. Denn auf überfüllte Busse haben sie doch auch keinen Bock.

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