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Corona: Im Impfzentrum Enger wird Impfstoff gut angenommen – Dr. Hermann Lorenz: „Serum bietet sicheren Schutz“

Nur wenige lehnen Astrazeneca ab

Enger (WB)

Dass der Impfstoff von Astrazeneca von etlichen Bürgern abgelehnt wird, deckt sich nicht mit den Erfahrungen des Impfzentrums in Enger. 900 Dosen sind laut Stand vergangener Woche bisher gespritzt worden.

Kathrin Weege

900 Dosen des Astrazeneca-Serums sind im Impfzentrum in Enger bereits gespritzt worden. Foto: Bexte

„Lediglich ein ganz geringer Teil – wir sprechen über einen niedrigen einstelligen Prozentbereich – hat die Impfung mit dem Astrazeneca-Serum abgelehnt“, sagt Dr. Hermann Lorenz, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung in Herford.

Das höchste seien in der vergangenen Woche acht Absagen – bei täglich 120 möglichen Dosen in Bereich der Berufsgruppen – an einem Tag gewesen. „Dabei handelt es sich etwa zur Hälfte um Personen, die gar nicht erst zum Termin erschienen sind – aus welchen Gründen auch immer“, erklärt Lorenz. Dass jemand bewusst vor Ort gesagt habe, nachdem er erfahren hat, dass er mit Astrazeneca geimpft wird, dass er dann auf die Spritze verzichtet, sei kaum vorgekommen. Höchstens zwei bis drei Personen seien innerhalb der Impfstraße unsicher geworden. Fiel jemand bei Terminen aus, konnte das Impfzentrum in etwa der Hälfte der Fälle einen passenden anderen Kandidaten finden.

2700 Bürger geimpft

In den ersten zwei Wochen wurden im Impfzentrum Enger über 2700 Bürger geimpft. Darunter waren 1.800 Über-80-Jährige und knapp 900 Personen, die aus beruflichen Gründen zu einer Impfung berechtigt waren. Alle über 80-Jährigen werden mit dem Biontech-Serum geimpft. Personen, die aus beruflichen Gründen zu einer Impfung berechtigt sind, werden mit Astra­zeneca geimpft. Dafür müssen sie jünger als 65 Jahre sein. Ist das nicht der Fall, ist für sie ebenfalls das Biontech-Mittel vorgesehen.Seit 15. Februar arbeitet das Impfzentrum im Zweischicht-System. Vormittags werden die berechtigten Berufsgruppen geimpft, nachmittags die über 80-Jährigen. Die Zweitimpfungen für die über 80-Jährigen, die am 1. März starten, werden vormittags durchgeführt.Ab 1. März sind vier Impfstraßen parallel in Betrieb. Zudem werden derzeit weitere Impfstraßen eingerichtet.

In dieser Woche hat es einen Wechsel bei den Impfgruppen gegeben. War zuerst neben den über 80-Jährigen des Pflegepersonal an der Reihe, sind es seit Montag die, die im medizinischen Bereich arbeiten. „Zum Anfang dieser Woche war die Buchung zunächst etwas mäßig und es gab noch freie Termine. Ab Mitte/Ende dieser Woche liegen wir aber schon im dreistelligen Bereich“, erklärt Dr. Lorenz und ist zufrieden. Ähnlich gut sahen die Zahlen auch beim Pflegepersonal aus. Er vermutet, dass die erste Zurückhaltung beim medizinischen Personal daran lag, dass diese Berufsgruppe erst in der vergangenen Woche erfahren hat, dass sie zu den Terminen kommen kann.

Warum viele Bürger dem Wirkstoff von Astrazeneca so kritisch gegenüber stehen, kann Dr. Lorenz nicht nachvollziehen. „Das Serum ist ein guter Impfstoff. Er schützt zu 70 Prozent vor der Krankheit Corona und zu 40 Prozent vor einem schweren Verlauf“, fasst er zusammen.

Zwar habe es durchaus bei den Impflingen Nebenwirkungen wie grippale Symptome – teils mit Fieber – gegeben, diese klängen aber meist nach einem Tag ab. „Und auch bei dem Biontech-Impfstoff gibt es durchaus Nebenwirkungen. Hier treten sie oft nach der zweiten Spritze verstärkt auf, bei Astrazeneca mehr nach der ersten“, erklärt der Arzt. Ein Vorteil vom Astrazeneca-Mittel sei, dass bereits nach der ersten Spritze ein sehr guter Schutz vor dem Corona-Virus entstehe, der ab etwa vier Wochen nach Verabreichung greife.

Wer sich gegen eine Impfung mit Astrazeneca entscheidet, hat aktuell nicht die Möglichkeit, einen anderen Wirkstoff zu wählen. So lange nicht von allen Herstellern ausreichend Serum zur Verfügung steht, können keine Wünsche erfüllt werden.

„Wenn jemand nach der Beratung, die im ärztlichen Gespräch und zusätzlich über Info-Zettel erfolgt, unsicher wird und von seinem Termin zurücktritt, verfällt sein Anrecht auf die Impfe nicht. Wenn er zu Hause in Ruhe überlegt hat, kann er durchaus einen neuen Termin im Impfzentrum buchen – für denselben Wirkstoff“, erklärt Hermann Lorenz.

Wann die nächste Prioritätsgruppe, zu denen auch die Ab-70-Jährigen gehören, an der Reihe ist, steht nicht fest. „Aktuell ist die erste Gruppe noch nicht komplett geimpft“, sagt Dr. Lorenz, weist aber darauf hin, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird.

Für die über 80-jährigen Bürger werden für den Zeitraum vom 1. bis 21. März täglich 100 neue Termine für die Erstimpfung zur Verfügung stehen. Eine Terminbuchung ist online unter www.116117.de und telefonisch unter 0800/11611702 möglich. Alle anderen anspruchsberechtigten Personen in der Priorisierungsstufe 1 machen ihre Termine nicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung, sondern werden vom Kreis Herford kontaktiert.

Kommentar von Kathrin Weege

Offensichtlich haben es viele Bürger im Kreis Herford begriffen: Das Astrazeneca-Serum ist keine zweite Wahl. Im Gegenteil – es bietet sicheren Schutz vor Corona. Anders als in Impfzentren in Paderborn oder Bielefeld, wo vor Ort 30 bis 50 Prozent der Berechtigten die Impfung mit Astrazeneca angelehnt haben sollen, bewegt sich die Zahl beim Impfzentrum in Enger im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das ist nicht nur sinnvoll für den Einzelnen selber, sondern auch für die Allgemeinheit in der Pandemie-Bekämpfung.

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