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»Localize it«: Runder Tisch berät über neue Form der Suchtprävention

Planspiel statt Komatrinken

Enger (WB). »Die Altersgrenze für den Konsum von Alkohol sinkt«, stellt Uwe Holdmann von der Fachstelle Suchtvorbeugung des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Herford fest. Für ihn eine bedenkliche Entwicklung, auf die das europaweite Projekt »Localize it« reagiert. Für das Präventionsprogramm sind zwei deutsche Städte ausgewählt worden: Enger und Bünde.

Angelina Zander

Uwe Holdmann (vorne von links) und Eva Liesche (Diakonisches Werk Kirchenkreis Herford) bilden die Projektkoordination. Sie haben den Runden Tisch eingerichtet, der gestern mit Vertretern von Institutionen, Schulen und der Stadt getagt hat. Foto: Angelina Zander

Dabei sollen Strategien entwickelt werden, um den Alkoholkonsum von Minderjährigen und das Rauschtrinken zu reduzieren. Nicht von zentralen Stellen in Europa aus, sondern direkt vor Ort mit Institutionen und Einrichtungen, die sich täglich mit dem Thema und den Jugendlichen beschäftigen. In Enger zählen dazu zum Beispiel die Jugendzentren Zebra und Kleinbahnhof, das Kreisjugendamt Herford mit seiner Außenstelle Enger, die weiterführenden Schulen sowie der Sozialarbeiter der Stadt.

Kommentar

Die Erziehung der Kinder liegt bei den Eltern. Das gilt auch beim Thema Alkohol. Häufig wird in diesem Kontext das Thema Vorbildfunktion ins Gespräch gebracht. Umso wichtiger nicht nur an die Jugendlichen zu appellieren, sondern auch die Eltern in die Präventionsmaßnahmen einzubinden. Neue Ansätze wie »Tupperparties« könnten das Klischee-Denken über Aufklärungskampagnen durchbrechen. Enger bekommt nun die Chance, das Umdenken in den Köpfen von Eltern und Jugendlichen zu erzielen. Dafür werden sorgsam ausgewählte Maßnahmen nötig sein, um nicht an den Zielgruppen vorbeizuarbeiten. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. Angelina Zander

Einige Vertreter haben sich gestern zu ihrem ersten Runden Tisch im Rathaus versammelt, um die Zielgruppen zu definieren, die mit den künftigen Maßnahmen angesprochen werden sollen. Zur Wahl standen die Gruppen Eltern, Schulen, Alkohol im öffentlichen Raum, Partys/Festivals/Gastronomie/Einzelhandel, Flüchtlinge sowie der Straßenverkehr. Daraus sollten sie Anwesenden zwei Zielgruppen wählen.

Umfrage vor Ort vorausgegangen

Im Vorfeld hatte der leitende Projektpartner, das Diakonische Werk im Kirchenkreis Herford, eine Umfrage unter 15 Engeranern durchgeführt, um herauszufinden, wie die Bewohner der Stadt den Alkoholkonsum Jugendlicher wahrnehmen. Das Ergebnis: Gerade das soziale Umfeld präge Jugendliche in ihrer Beziehung zum Alkohol – positiv und negativ. Zu den Motiven für den Alkoholkonsum zählten für die Befragten einerseits Spaß, Neugier und ein Zugehörigkeitsgefühl. Auf der anderen Seite aber auch Langeweile oder das »Wegtrinken« von Problemen, erklärte Uwe Holdmann.

Für Bürgermeister Thomas Meyer, der das Projekt seitens der Stadt unterstützt, spielen die Eltern bei diesem Thema eine entscheidende Rolle. Diese Meinung teilten auch die Befragten aus Enger. Der erste Kontakt zu Alkohol geschehe meist durch die Eltern, sagte der Bürgermeister. Entscheidend sei, wie der Konsum vorgelebt werde.

Präventionsarbeit für Eltern

Den größten und wirkungsvollsten Handlungsbedarf sahen die Anwesenden in der Präventionsarbeit für Eltern und an Schulen. Modelle wie »Tupperparties« für Eltern zum Thema Alkohol oder Planspiele im Rahmen eines Projekttages an der Schule sind nun Vorschläge, die bei einem weiteren Treffen des Runden Tisches ausgearbeitet werden müssen.

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