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Unbekannter gibt sich in Bünde als Zivilbeamter aus – 17-Jähriger durchschaut Masche

Polizei fahndet nach „falschem“ Kollegen

Bünde (WB). Das ist kein Kavaliersdelikt – und ziemlich dreist obendrein: Ein Unbekannter hat sich am vergangenen Mittwochnachmittag in Bünde als Polizist ausgegeben und wollte sich von einem 17-Jährigen persönliche Papiere aushändigen lassen. Der junge Mann reagierte allerdings besonnen. Die Polizei fahndet nun nach dem falschen „Kollegen“.

Daniel Salmon

Foto: Hannemann Foto: Hannemann

Tatort war gegen 13.20 Uhr ein Grundstück an der Straße Kameradschaft. Dort traf der selbst ernannte Beamte auf den jungen Hausbewohner. „Er stellte sich als Polizist vor und forderte den Führerschein des 17-Jährigen“, so Simone Lah-Schnier, Pressesprecherin der Herforder Kreispolizei. Eine Uniform soll der Unbekannte nicht getragen haben: „Er hatte normale Straßenkleidung an.“ Eine konkretere Täterbeschreibung liegt nicht vor.

Freiheits- oder Geldstrafe drohen

Dem jungen Bünder und seinem Vater kam die ganze Situation allerdings komisch vor. Sie reagierten nicht auf die Forderungen des vermeintlichen Zivilpolizisten, verwiesen ihn stattdessen vom Grundstück und informierten dafür die „echten“ Ordnungshüter. Daraufhin flüchtete der Unbekannte zu Fuß in unbekannte Richtung. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen verliefen ergebnislos.

„Das Auftreten des Mannes erfüllt den Tatbestand der Amtsanmaßung“, stellt Lah-Schnier auf Anfrage klar. Wird man bei so einer verbotenen Handlung erwischt, vor Gericht gestellt und verurteilt, dann sieht der Gesetzgeber als Strafmaß entweder eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. „Das ist dann jeweils davon abhängig, welchen Schaden jemand anrichtet“, so die Polizeisprecherin. Sie erklärt, dass es im Kreis Herford eher selten sei, dass sich jemand anderen Personen gegenüber persönlich als Polizeibeamter ausgebe. „Verbreiteter sind da die so genannten Telefontricks, bei denen sich Betrüger als Beamter ausgeben, um an die persönlichen Daten der Angerufenen zu kommen.“

Richtig reagiert

Doch was wollte der Unbekannte überhaupt mit dem Führerschein des 17-Jährigen anfangen? Lah-Schnier: „Das erschließt sich mir auch nicht. Eigentlich hätte er mit dem Dokument nichts anfangen können. Wäre er ihm ausgehändigt worden, hätte er möglicherweise weitere Forderungen gestellt.“ Hätte der Täter die Papiere dann mitgenommen, hätte er den Führerschein durch Austausch des Bildes eventuell fälschen können. „Der junge Mann und sein Vater haben in der Situation aber gut reagiert“, lobt die Polizeisprecherin.

Sie appelliert in dem Zusammenhang an alle Bürger, die in eine ähnliche Situation geraten könnten: „Lassen Sie sich die Ausweise zeigen, bevor Sie einen Polizeibeamten in Ihre Wohnung lassen oder persönliche Papiere aushändigen. Prüfen Sie insbesondere das Lichtbild auf dem Ausweis. Wenn Sie sich dennoch unsicher sind, bitten Sie die Polizeibeamten vor der Tür zu warten, während Sie auf der Polizeiwache anrufen. Echte Polizisten werden Verständnis für diesen Schritt haben.“

Gab’s weitere Fälle?

Im konkreten Fall bittet Simone Lah-Schnier mögliche Zeugen, die den falschen Polizisten beobachtet haben oder sogar von ihm angesprochen wurden, sich mit der Kripo in Herford in Verbindung zu setzen. Die Beamten sind telefonisch erreichbar unter der Nummer 05221/8880.

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