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Landgericht verhandelt unter Sicherheitsvorkehrungen über blutige Familienfehde

Prozess unter Polizeischutz

Bünde/Bielefeld (WB). Mehr als drei Jahre nach der Tat in der Bünder Innenstadt ist die juristische Aufarbeitung einer blutigen Fehde unter bosnisch-serbischen Familienclans vor dem Landgericht Bielefeld noch nicht abgeschlossen. Wie brisant ist die Sache weiterhin ist, zeigte sich beim Prozesstag am Dienstag vor der 20. Großen Strafkammer. Die Verhandlung fand sowohl unter Polizeischutz als auch einem erhöhten Aufgebot von Justizwachtmeistern im besonders gesicherten Saal 1 des Landgerichtes statt.

Jens Heinze

In der Fahrenkampstraße kam es 2015 zu einer blutigen Fehde unter bosnisch-serbischen Familienclans. Foto: Kathrin Heeren

Täter wie Opfer nicht greifbar

Doch den zwei Männern, den die Aufmerksamkeit der Uniformierten galt, erschienen gar nicht. Weder der bereits in einem vorangegangenen Prozess abgeurteilte Haupttäter noch das Opfer einer Baseballschläger-Attacke waren als Zeugen für die Richter der 20. Großen Strafkammer verfügbar. Täter wie Opfer sollen sich derzeit in Ex-Jugoslawien aufhalten, hieß es am Rande des Prozesses. Polizeieinsätze zur Vorführung der beiden Männer vor Gericht seien ergebnislos verlaufen.

Bei dem Prozess vor dem Landgericht geht es um eine Tat vom Dezember 2015 auf der Fahrenkampstraße in der Bünder Innenstadt. Dieser Baseballschläger-Überfall von neun Bielefeldern auf einen Bünder war nach mehreren vor­ausgegangenen Ausein­andersetzungen offenbar der Höhepunkt einer Fehde zwischen den bosnisch-serbischen Familienclans. Zuvor ging unter anderem das Auto des Vaters des Angeklagten (44) in Flammen auf. Täter soll der Bünder gewesen sein. Um Stärke gegenüber dem Brandstifter zu demonstrieren, machte sich der 44-Jährige mit acht anderen Männern seines Bielefelder Clans am 19. Dezember 2015 auf nach Bünde. Gegen 19.40 Uhr an jenem Tag wurde der Widersacher auf offener Straße mit einem Baseballschläger so schwer zusammen geschlagen, dass er zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Baseballschläger gegen die Beine

Dafür, dass er einen Baseballschläger gegen die Beine des Überfallopfers gedroschen haben soll, droht dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten bis zu zwei Jahren. Dieses Strafmaß wurde am Dienstag zwischen allen Prozessbeteiligten – den vier Richtern, der Staatsanwältin, den beiden Verteidigern und dem Opferanwalt – im Gegenzug für ein Geständnis des 44-Jährigen ausgehandelt. Der Absprache entsprechend räumte der Bielefelder dann ein, an der gefährlichen Körperverletzung des Bünder Widersachers beteiligt gewesen zu sein.

Das Urteil über den Mann will das Landgericht am Dienstag kommender Woche fällen. Der Spruch der Richter der 20. Großen Strafkammer ist die letzte Entscheidung in dieser Sache. Der Prozess gegen die anderen acht an der Schlägerei beteiligten Bielefelder endete bereits im Jahr 2017. Gegen fünf Männer wurde das Verfahren gegen Zahlungen von Geldauflagen eingestellt. Drei Angeklagte erhielten Bewährungs- beziehungsweise Geldstrafen.

Dass dem 44-Jährigen als letzten der Schläger erst jetzt der Prozess gemacht wird, lag an einer Erkrankung des Bielefelders. Die Gerichtsverhandlung gegen ihn wurde mehrfach vertagt.

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