SPD, Grüne und Linke fordern Umbenennung der „Lettow-Vorbeck-Straße“ – Vorhaben war 2017 gescheitert

Reichswehr-General erneut im Fokus

Bünde (WB)

Verschwindet der Name des umstrittenen Reichswehr-Generals nun doch von den Straßenschildern? SPD, Grüne und Linke sprechen sich in einem gemeinsamen Antrag für die Umbenennung der Bünder Lettow-Vorbeck-Straße aus. Es ist der nunmehr dritte Anlauf, die Erinnerung an den preußischen Offizier aus dem Stadtbild zu tilgen.

Daniel Salmon

Im Vorfeld einer im Raum stehenden Umbenennung der Bünder Lettow-Vorbeck-Straße gab es vor einigen Jahren heftige Debatten in der Lokalpolitik. Foto: Daniel Salmon

Denn zwei ähnliche Vorstöße waren vor einigen Jahren nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Auslöser dafür, dass man sich in Bünde überhaupt mit einer möglichen Umbenennung der Straße beschäftigt, war Anfang 2017 eine Aktion des Frankfurter Historikers Frank Gnegel. Der frühere Bünder hatte damals an den vier Schildern, auf denen »Lettow-Vorbeck-Straße« steht, Hinweistafeln angebracht. Auf diesen wies er unter anderem auf die Beteiligung Paul von Lettow-Vorbecks (1870-1964) am »Völkermord von 75 000« Angehörigen der Stämme der Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika im Jahr 1904 hin.

Daraufhin hatten die Bünder Grünen den Antrag gestellt, die Stadtverwaltung mit der Ausrichtung einer Infoveranstaltung zur Vita des umstrittenen Generals zu beauftragen. Darauf aufbauend hätte sich der Rat mit der Umbenennung des Straßenzugs beschäftigen sollen. Das Vorhaben scheiterte jedoch.

Später stellten Grüne und SPD einen eigenen Infoabend auf die Beine, hoben eine mögliche Umbenennung später auf die Agenda des Bünder Verkehrsausschusses. Doch auch dieser Antrag fand im November 2017 keine Mehrheit – CDU, FDP und UWG stimmten dagegen.

Als Kompromisslösung waren dann Hinweisplaketten zu Lettow-Vorbeck an den vier Straßenschildern angebracht worden. Den Text dazu hatte der damalige Grünen-Ratsherr Elmar Holstiege formuliert.

Jetzt unternehmen SPD und Grüne – unterstützt von der Linksfraktion – einen erneuten Anlauf in der Sache. Konkret fordern die drei Parteien, dass der Rat eine Umbenennung der Straße beschließt und die Bünder Bürger bei der Suche nach einer neuen Bezeichnung beteiligt werden. Den Antragstellern schwebt zudem vor, dass in der übernächsten Sitzung des Verkehrsausschusses am 17. Juni über den neuen Namen abgestimmt werden soll. Nach einer erfolgten Umbenennung solle unter einem der neuen Straßenschilder eine Infotafel angebracht werden, die auf den früheren Namen der Straße hinweist und die Gründe der Umbenennung erläutert.

Den Grund, warum sie und ihre Mitstreiter das Thema erneut aufgreifen, nennt Grünen-Fraktionschefin Stefanie Janßen-Rickmann: „Eine Person, die aufgrund eines rassistischen Überlegenheitsgefühls Raub und Terror nach Afrika brachte und sich als Wegbereiter des Nationalsozialismus hervortat, verdient es nicht, Namensgeber einer Straße unserer Stadt zu sein.“

Die Antragsteller weisen darauf hin, dass Straßennamen keine Privatsache der dortigen Anlieger seien. Janßen-Rickmann: „Gleichwohl hoffen wir auf deren Verständnis und haben im Vorfeld schon abgeklärt, dass auf die wenigen Privatpersonen, die an der Straße gemeldet sind, keine hohen Kosten zukommen.“ So könne die Veränderung der Meldeadresse in den Personalausweisen gratis durchgeführt werden.

In einer Online-Diskussion sollen am 27. April um 19 Uhr zwei Referenten zunächst Paul von Lettow-Vorbecks Vita kritisch beleuchten. Die Bielefelder Historikerin Dr. Barbara Frey soll dabei die Person Lettow-Vorbeck geschichtlich einordnen und weitere regionale Bezüge des Kolonialismus aufzeigen. Danach kann insbesondere die Frage debattiert werden, ob ein neuer Straßenname wieder einen kolonialen Bezug haben sollte. Hierzu stellt der selbst in Namibia geborene Bundestagsabgeordnete Ottmar von Holtz (Grüne) das Vorgehen in anderen Städten vor und kann auch eine profunde Einschätzung zu dementsprechenden Namensvorschlägen geben. Per Mail an info@gruene-buende.de können sich Interessierte für eine Teilnahme anmelden.

Dazu ein Kommentar von Daniel Salmon

Bekanntermaßen sind aller guten Dinge ja drei. Zweimal hat‘s mit der Umbenennung der „Lettow-Vorbeck-Straße“ in Bünde vor einigen Jahren nicht geklappt. Somit ist die Elsestadt eine der ganz wenigen Kommunen in der Bundesrepublik, in denen noch ein Straßenzug nach dem umstrittenen Preußen-General benannt ist. Doch nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr stehen die Chancen gut, dass schon bald ein neuer Name die vier Straßenschilder in Bündes City ziert. Bündnisgrüne, Sozialdemokraten und Linke haben im Stadtrat mittlerweile eine Stimmenmehrheit – und könnten ihren Antrag somit durchbringen.

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