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Nach Auslieferungsstopp: »Reichsflugscheibe« wird zum teuren Sammlerobjekt

Revell-Ufo: Preise schießen in die Höhe

Bünde (WB). Nachdem Revell die Auslieferung seiner umstrittenen »Reichsflugscheibe« eingestellt hat, gehen die Internet-Preise für den Plastik-Bausatz durch die Decke. Derweil prüft der Bünder Modellbauer intern, wie es zu der viel kritisierten Produktbeschreibung kommen konnte.

Daniel Salmon

Wie auf dem Screenshot zu sehen ist, steht dieses Exemplar von Revells Modelbausatz »Haunebu II« auf der Online-Auktionsplattform Ebay bereits bei 181 Euro. 33 Gebote wurden auf den Artikel bis Dienstagnachmittag abgegeben. Der ursprüngliche Preis für das Plastik-Ufo lag vor dem Auslieferungsstopp bei 49,99 Euro.

Im Schnitt bis zu 200 Euro zahlen Interessierte für Revells »Haunebu II« mittlerweile bei der deutschen Version von Ebay. Für Sofortkauf-Aktionen werden noch weitaus höhere Beträge aufgerufen – bis zu 1000 Euro werden verlangt. Ob aktuell jemand bereit ist, diese Summen zu zahlen, darf jedoch angezweifelt werden. Fest steht aber: Der von vielen Medien als »fiktives Nazi-Ufo« getaufte Artikel rangiert auf der Auktionsplattform mittlerweile auf Platz 1 der meistverkauften Produkte in der Sparte »Düsenflugzeuge aus Plastik im Maßstab 1:72«.

Bausatz für 250 Euro angeboten

Beim Onlinehändler Amazon wird das 69-teilige Model-Kit für schlappe 250 Euro angeboten. Der ursprüngliche Händlerpreis für den erst im Mai auf den Markt gekommenen Artikel lag bei 49,99 Euro.

Beim Bünder Modellbauer wundert man sich kaum über die nun auftretende Preisspirale. »Es ist ein knappes Produkt, das erst seit wenigen Wochen überhaupt vorbestellbar war und jetzt natürlich gefragt ist«, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag dem WESTFALEN-BLATT.

Auslieferung eingestellt

Noch am Tag des Auslieferungsstopps habe es bei Revell Anfragen von Händlern gegeben, die wohl auf einen baldigen Nachfrageanstieg spekuliert hätten.

Wie berichtet, hatte Revell nach einem Bericht des NDR über die »Reichsflugscheibe« deren Auslieferung am 18. Juni umgehend eingestellt. Militärhistoriker und der Deutsche Kinderschutzbund hatten den auf der Verpackung abgedruckten Produkttext moniert. Durch die Angaben dort sei laut NDR suggeriert worden, es handle sich bei der »Haunebu II« um »echtes Kriegsgerät der Nazis mit geradezu übersinnlichen Fähigkeiten«. Allerdings gab Historiker Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum Dresden gegenüber dem Sender an, dass das Dritte Reich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nie an einem solchen Objekt gearbeitet hätte. Er befürchtete daher, dass Zweifel im Sinne der NS-Ideologie an der anerkannten Geschichtsschreibung gesät werden könnten.

Laut der Unternehmenssprecherin habe man sich bei Revell die geäußerte Kritik zu Herzen genommen. In einem Statement hatten sich die Bünder Modellbauer bereits für den missverständlichen Verpackungsaufdruck entschuldigt und von »jeder Art der Verherrlichung von Kriegen und des Nationalsozialismus« distanziert.

Die Revell-Sprecherin ist sich allerdings sicher, dass es ohne den NDR-Bericht wohl niemals zu dem jetzigen Hype um die »Reichsflugscheibe« gekommen wäre. Nicht auszuschließen sei zudem, dass der Medientrubel auch Interessenten aus der rechten Szene erst auf das Produkt aufmerksam und so für diese attraktiv gemacht habe.

Schwierigkeitsgrad unpassend

Unabhängig davon werde nun intern geprüft, wie es möglich gewesen sei, dass der kritisierte Text in dieser Form überhaupt auf die Produktverpackungen kommen konnte.

Ebenso soll nachvollzogen werden, wie es zu der Altersempfehlung (geeignet ab zwölf Jahren) gekommen sei: »Der aufgedruckte Schwierigkeitsgrad ›Level 4‹ ist eigentlich nichts für Kinder.«

Ob eine modifizierte Version der »Haunebu II« jemals wieder auf den Markt komme, sei derzeit unklar. »Man muss verstehen, dass Revell in dieser Sache vorsichtig ist, und nicht vorschnell reagieren wird«, so die Sprecherin.

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