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Gegen Gewalt am Arbeitsplatz: Bünder Verwaltung plant Maßnahmenpaket

»Schrill-Alarm« soll Stadtmitarbeiter schützen

Bünde (WB). Egal ob im Bürgerbüro, in der Schule oder beim Rettungseinsatz: Behördenmitarbeiter sehen sich bei der Arbeit zunehmend einem gestiegenen Aggressionspotenzial ihrer Mitmenschen ausgesetzt. Dieser Entwicklung will die Stadt Bünde mit einem Maßnahmenpakt entgegentreten – unter anderem mit einem »Schrill-Alarm«.

Daniel Salmon

Mehrere Abteilungen der Bünder Stadtverwaltung sind bereits mit Schrill-Alarm-Geräten ausgestattet worden. Foto: Daniel Salmon

Erst Ende vergangenen Jahres war ein Rettungsassistent bei einem Einsatz von einem alkoholisierten Patienten mit der Faust niedergestreckt worden. Vor allem wenn Alkohol im Spiel sei, könne ein falsches Wort eine Situation eskalieren lassen, weiß Felix Heidenreich, stellvertretender Leiter der Bünder Rettungswache: »Der Respekt vor den Einsatzkräften, die eigentlich nur helfen wollen, ist gesunken.«

Politessen werden angepöbelt

Auch im Bürgerbüro werde es mitunter brenzlig, sagt Marion Lünenbach: »Wir müssen uns manchmal einiges anhören. Wenn ein Bürger lauter wird, haben wir uns angewöhnt, dass sich Kollegen daneben stellen. Die meisten werden dann schnell ruhiger.« Zu Handgreiflichkeiten sei es noch nicht gekommen.

Selbst in der Schule sei eine Distanzlosigkeit einiger Eltern zu den Lehrern zu beobachten, Politessen würden bei ihrer Arbeit des öfteren angepöbelt. Bürgermeister Wolfgang Koch berichtet: »Ich hatte mal jemanden bei mir sitzen, der schloss das Gespräch mit den Worten ›Sie wissen ja, dass ich ein Gewehr habe?‹«

Um zu vermeiden, dass in der Stadtverwaltung ein Gefühl der Unsicherheit oder Angst entstehen kann, selbst Opfer von Gewalt oder Bedrohungen zu werden, hat sich im Rathaus eine Projektgruppe mit dem Thema Gewalt am Arbeitsplatz auseinandergesetzt. Beschlossen wurde hierbei im Zuge des Auditierungsverfahrens INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit), das so genannte Aachener Modell zu Teilen in der Stadtverwaltung umzusetzen. »Dazu haben wir eine Grundsatzerklärung gegen Gewalt am Arbeitsplatz erstellt. Wir wollen ein Signal setzen, dass wir jede Form von Gewalt oder Beleidigung bei uns nicht tolerieren«, so Bürgermeister Koch.

Keine spitzen Gegenstände am Arbeitsplatz

Umgesetzt werden sollen unter anderem Maßnahmen im Zuge der Arbeitsplatzgestaltung. Koch: »Beispielsweise sollten dort, wo Publikumsverkehr herrscht, keinen spitzen Gegenstände wie Brieföffner herumliegen, die als Waffe benutzt werden könnten.« Hierbei wolle sich die Stadt von der Polizei beraten lassen. Zudem müsse man festlegen, bis zu welcher Eskalationsstufe Mitarbeiter versuchen sollten, Situationen alleine zu lösen, oder ab wann sie Hilfe holen. Ein »Notfallordner« mit Handlungsanweisungen werde derzeit erstellt. Mitarbeiterschulungen – insbesondere was Kommunikation angeht – seien ebenfalls vorgesehen.

»Einige Mitarbeiter haben bereits einen so genannten Schrill-Alarm erhalten«, so Sozialarbeiterin Annette Ortmann. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das einen schrillen lauten Ton abgibt. »Wenn jemand sich bedroht fühlt, dient es zur Abschreckung. Zudem sollen Kollegen auf eine eventuell eskalierende Situation aufmerksam gemacht werden«, so Ortmann. Derzeit sind Mitarbeiter im Bürgerbüro, Standesamt, Sozialamt und die Politessen mit den Geräten ausgerüstet. Ziel sei es aber, das alle Abteilungen mit Publikumsverkehr mit dem Schrill­alarm ausgestattet werden.

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