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Prozess in Bielefeld um Marihuana-Plantage im Kaiser-Center in Löhne

Schwunghafter Drogenhandel?

Bünde/Bielefeld (WB). Es gibt Menschen, die bekommen unter Drogen nichts auf die Reihe. Und es gibt Menschen, die trotz Drogen ganz gut klar kommen. Irgendwo dazwischen bewegt sich die Lebensgeschichte eines 38-jährigen Bünders. Er steht seit Montag vor dem Landgericht Bielefeld – und die Anklage wiegt ebenso schwer wie die Mengen an Drogen, mit denen er gehandelt haben soll.

Ulrich Pfaff

Ein 38-jähriger Bünder muss sich seit Montag vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Im wird ein schwunghafter Drogenhandel vorgeworfen. Foto:

Um eine veritable Marihuana-Plantage geht es, mit einem Drogenertrag von über 50 Kilogramm. Und das ist längst noch nicht alles: Über 23 Kilogramm Marihuana und fast 3 Kilogramm Kokain soll der Bünder insgesamt beschafft und das meiste wieder verkauft haben. Aber ganz unproblematisch waren die Drogengeschäfte wohl nicht: Ein Kilogramm Kokain, das der Bünder im Juli 2018 zusammen mit einem Komplizen auf Kommissionsbasis von einem größeren Dealer übernommen haben soll – Straßenverkaufswert 40.000 Euro –, ist nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft dem Angeklagten seinerseits geklaut worden.

Dealen sollte Schulden decken

Und damit soll der Ärger für den Bünder losgegangen sein: Um seine Schulden bei dem Dealer bezahlen zu können, soll er sich in dessen Auftrag im März 2019 aus Spanien zehn Kilo Marihuana besorgt und hier verkauft haben.

Etwa zur selben Zeit soll der Bünder im Kaiser-Center in Löhne eine Marihuana-Plantage aufgebaut haben – zusammen mit dem Komplizen, mit dem er das verschwundene Kokain hatte verkaufen wollen. Die Plantage, so heißt es in der Anklageschrift, sei professionell aufgebaut gewesen. Ein Teil habe sich in einem abgemauerten, kaum erkennbaren Kellerraum befunden, der andere Teil auf dem Dachboden des Gebäudes an der Albert-Schweitzer-Straße.

Drogen verkaufsfertig verpackt

Insgesamt waren dort 1077 Hanfpflanzen sichergestellt worden, die bereits abgeerntet waren und deren Ertrag auf 51,5 Kilogramm Marihuana beziffert wird. Bis auf neun Kilo davon sei alles verkauft worden. Zudem fand die Polizei 625 Setzlinge und 600 Gramm Samen für weitere Hanfpflanzen – daraus hätte eine Ernte von weiteren 25 Kilogramm Marihuana erzielt werden können. Im November vergangenen Jahres, so die Anklage, soll der 38-Jährige zwei Lieferungen mit etwa 13 Kilogramm Marihuana und 1,7 Kilogramm Kokain für den Dealer entgegen genommen, verkaufsfertig verpackt und Teile davon an dessen Abnehmer geliefert haben.

Eine ganze Menge Stoff also, die dem 38-Jährigen eine satte Haftstrafe einbringen kann. Zu den Vorwürfen wollte der Bünder am Montag zum Prozessauftakt erst einmal nichts sagen – aber wohl etwas später. Worüber er der 1. Großen Strafkammer bereitwillig Auskunft gab, ist sein Lebenslauf.

Noch fünf Verhandlungstage

In Russland geboren, sei er mit elf Jahren mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Trotz guter Noten habe er nicht so richtig Tritt gefasst, eine Malerlehre begonnen, abgebrochen, dann die Handelsschule besucht und schließlich eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. Da sei er durchaus zufrieden gewesen und habe Geld verdient – wenn ihm nicht immer wieder die Drogen einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Für ein paar Jahre immerhin – trotz Alkohol und Kokain – habe er nacheinander gute Jobs im Verkauf gehabt, schließlich die Arbeitsverhältnisse aber verloren, weil seine Sucht ihn im mehr stärker eingeschränkt habe.

Es sei ihm finanziell zeitweise richtig gut gegangen, er habe seinen „Stoff“ immer aus dem Verdienst bezahlen können. Im Herbst 2019 sei es dann eskaliert: „Ein Glas Whiskey, eine Nase Koks. Und immer so weiter.“

Für den Prozess sind noch weitere fünf Tage bis Ende Juni angesetzt.

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