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Dr. Emmanouilidis war mit einem medizinischen Team in Westafrika

Seine Leidenschaft: Gutes tun

Bünde (WB). 20 Stunden für den Hinflug, 30 Stunden für den Rückflug – Guinea-Bissau zu erreichen, kann die Geduld auf die Probe stellen. Dennoch steuerte der Bünder Mediziner Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (79) gemeinsam mit einem fünfköpfigen Team aus Ärzten und Pflegekräften das westafrikanische Land an. Vom 7. bis zum 20. April versorgten sie in der Kleinstadt Gabu Kinder medizinisch.

Hilko Raske

Dr. Theophylaktos Emmanouilidis und seine Helfer kümmerten sich um die medizinische Versorgung der Kinder.

Hammer Forum

Dabei waren sie im Auftrag  des Hammer Forums unterwegs. Die humanitäre Organisation unterhält vor Ort eine Kinderambulanz. »Es war für mich das erste Mal, dass ich mit einem Team in Guinea-Bissau im Einsatz war«, sagt der ehemalige Chefarzt des Bünder Lukas-Krankenhauses.

Zwar habe er den westafrikanischen Staat bereits in der Vergangenheit einige Male besucht, doch da sei es in erster Linie um organisatorische Fragen gegangen.

Besonders erfreut zeigte sich »Dr. Emma«, wie ihn die Bünder nennen, darüber, dass die Ambulanz im Februar mit einer leistungsstarken Solaranlage ausgerüstet worden ist. »Damit sind wir in Sachen Strom endlich unabhängig.«

Gerade die Stromversorgung sei in der Vergangenheit immer wieder ein Problem gewesen. Bei der Planung für diesen Einsatz war der Chirurg davon ausgegangen, dass man in den neun Tagen vor Ort maximal 50 Kinder untersuchen und 15 operieren könne.

Erster Team-Einsatz in Gabu

»Es war unser erster Einsatz als medizinisches Team in Gabu. Normalerweise benötigen wir  dann allein für die Vorbereitungen einige Tage. Zudem muss sich in der Regel erst herumsprechen, dass das Hammer Forum kostenlose medizinische Versorgung anbietet«, erläutert Dr. Emma.

Es sei allerdings ganz anders gekommen - und dies sei nicht zuletzt der Verdienst der Projektleiterin, die im Vorfeld alles hervorragend organisiert habe. »Das hat es mir ermöglicht, mich voll auf die medizinische Seite unseres Einsatzes zu konzentrieren.«

277 Mädchen und Jungen habe man untersucht, 57 von ihnen seien in der Ambulanz operiert worden. Zwölf Stunden habe man  täglich gearbeitet. Bei dem Aufenthalt in Gabu sei er mit großer menschlicher Not konfrontiert worden, so Dr. Emma: »Praktisch jedes fünfte Kind dort ist unterernährt.« Man habe dafür gesorgt, dass die Kinder während des Team-Aufenthaltes alle mit Speisen versorgt worden seien.

Erlebnisse machen Mut

Einige Schicksale seien ihm besonders in Erinnerung geblieben. »Zu uns ist ein zwölfjähriger Junge gekommen, der nur noch aus Haut und Knochen bestand. Er wirkte apathisch und kraftlos.« Er sei das jüngste von elf Kindern gewesen. Natürlich habe man versucht, die Ursache für die Mangelernährung zu finden.

»Es hat sich herausgestellt, dass bei ihm zuhause alle aus einem Topf essen. Seine Geschwister haben praktisch nichts für ihn übrig gelassen.« Man habe das Gespräch mit den Eltern gesucht und darauf hingewiesen. Zudem habe man den Jungen eine Woche in der Ambulanz behalten, damit er wieder zu Kräften komme.

Ein anderes Kind habe einen schweren Unfall erlitten. Es sei von einem Baum gefallen, habe sich eine Hand so unglücklich gebrochen, dass die Unterarmknochen in den Boden gerammt wurden. »Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten amputieren müssen.« Nach einer OP, die mehrere Stunden gedauert habe, habe man dem Kind schließlich helfen können. »Das sind Erlebnisse, die uns immer wieder Mut machen«, betont der Arzt.

Korruption als Problem

Ein großes Problem sei die Korruption in Guinea-Bissau. Beispielsweise habe man für eine OP eine Blutkonserve benötigt. Diese Blutkonserve habe das Team kaufen sollen. Wie er später erfahren habe, würden diese Blutkonserven dem Staat von einer internationalen Organisation jedoch umsonst zur Verfügung gestellt. Hier bereichere sich also jemand und profitiere von der Not anderer.

Für Unverständnis habe ein weiteres Erlebnis gesorgt: »Wir bieten bei unseren Einsätzen auch immer kostenlose Fortbildungen für einheimische Mediziner und Pflegekräfte an.« Dafür habe man für zwei Stunden einen Saal im Verwaltungsgebäude des staatlichen Hospitals von Gabu nutzen wollen.

»Als wir mit dem zuständigen Verwaltungsangestellten darüber gesprochen haben, verlangte der aber umgerechnet 100 Euro als Saalmiete und für die Nutzung des Beamers.« Man habe daraufhin Abstand von der Fortbildung genommen.

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