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29-Jähriger vom Vorwurf exhibitionistischer Handlungen freigesprochen

Täterbeschreibung zu vage

Bünde/Kirchlengern  (WB). Weil er am 15. Januar dieses Jahres in Kirchlengern exhibitionistische Handlungen begangen haben soll, hat sich am Montagmorgen ein 29-Jähriger vor dem Amtsgericht Bünde verantworten müssen. Der Mann, der als Koch in einem Imbiss-Restaurant arbeitet, hatte diesen Vorwurf aber stets bestritten.

Hilko Raske

Vor dem Amtsgericht Bünde musste sich ein 29-Jähriger wegen exhibitionistischer Handlungen verantworten. Foto: Daniel Salmon

Nachbarin alarmiert

Vorgefallen war Folgendes: Am besagten 15. Januar trat eine 42-jährige Frau gegen 22.20 Uhr auf den Balkon ihrer Mietwohnung an der Straße Am Bahnhof, um dort eine Zigarette zu rauchen. Vom Balkon aus – die Wohnung befindet sich im ersten Stockwerk – entdeckte sie eher zufällig im Garten einen Mann, der sich ihrer Beschreibung nach mit der einen Hand an der Hauswand abstützte, während er sich mit der anderen selbst befriedigte. »Ich stand im ersten Moment unter Schock, hatte Angst«, so die 42-Jährige, die vor Gericht als Zeugin aussagte. Sie habe sich in ihre Wohnung zurückgezogen und telefonisch eine Nachbarin (24) im Erdgeschoss alarmiert.

»Mann von kleiner Statur«

Die wiederum wollte gerade ins Wohnzimmer gehen, um den Nachwuchs zu stillen. »Meine Nachbarin klang am Telefon panisch und erzählte mir, was sie beobachtet hatte«, schilderte die junge Frau vor Gericht. Sie habe umgehend ihren Mann geweckt und dann die Polizei verständigt. Selber habe sie allerdings nicht gesehen, was draußen vorging. Den Täter hatte die 42-Jährige als Mann von kleiner Statur beschrieben, der eine hellbraune oder beige Jacke, eine Jeans und einen dunklen Rucksack trägt.

Der Ehemann der 24-Jährigen ging sofort nach draußen und kontrollierte das Grundstück, fand hier aber niemanden vor. Etwa 15 bis 20 Minuten später, so seine Aussage, sei er dann in Richtung Bahnübergang gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt seien die Schranken unten gewesen. Vor den Schranken habe sich der Angeklagte befunden, auf den die Beschreibung gepasst hätte. Gesprochen habe er mit dem Mann aber nicht, weil zu diesem Zeitpunkt schon die Polizei vor Ort gewesen sei.

Der Angeklagte, der mit einem Dolmetscher vor dem Amtsgericht erschienen war, erklärte seine Anwesenheit vor den Schranken damit, dass er zu seinem Chef ins Restaurant wollte. Der sei aber nicht da gewesen, weshalb er wieder in Richtung Bahnübergang gegangen sei. Dort sei er von der Polizei angesprochen worden. Den Garten des Hauses an der Straße Am Bahnhof habe er nie betreten, habe auch nicht die ihm zur Last gelegten Handlungen begangen.

Mit Blick darauf, dass der Angeklagte sich bislang nichts habe zu Schulden kommen lassen, forderte die Staatsanwältin eine Geldstraße von 40 Tagessätze zu je 15 Euro. Der Verteidiger allerdings wies darauf hin, dass die Täterbeschreibung eher vage sei, zudem zwischen 15 und 20 Minuten vergangenen seien, bevor der 29-Jährige von der Polizei an den Bahnschranken angesprochen wurde.

Zweifel an Täterschaft

An der Täterschaft des 29-Jährigen bestünden Zweifel, stellte schließlich der Richter fest. Der Angeklagte habe zudem den Vorwurf exhibitionistischer Handlungen stets bestritten. Was die Beschreibung betreffe, sei eine Jeans kein seltenes Kleidungsstück und ein dunkler Rucksacke habe auch kein Alleinstellungsmerkmal. Auch der Zeitraum von 15 bis 20 Minuten zwischen der Tat und dem Antreffen des Angeklagten vor den Schranken sei so weit gezogen, dass man nicht ausschließen könne, dass der Angeklagte zufällig dort gewesen sei. In diesem Falle gelte »Im Zweifel für den Angeklagten«.

Land trägt Verfahrenskosten

Der 29-Jährige wurde deshalb freigesprochen. Die Kosten für das Verfahren trägt die Landeskasse.

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