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Kriminalitätsstatistik 2020: Die Zahl aller Delikte im Kreis Herford schrumpft – bis auf Kinderpornografie

Terabyte werden zur Fahndungsmasse

Herford (WB)

Einbrüche, Diebstähle, Körperverletzungen, Rohheitsdelikte, Betrug – die Zahl so gut wie aller Straftaten ist im Coronajahr 2020 im Kreis Herford gesunken. Alle, bis auf eine: Kinderpornografie.

Stephan Rechlin

Detlef Oertel, Peter Lehmann, Dirk Zühlke und Jürgen Müller (von links) sind stolz auf die höchste Aufklärungsquote in 35 Jahren. Foto: Stephan Rechlin

Vor fünf Jahren registrierte die Kreispolizeibehörde gerade einmal acht solcher Fälle in ihrer Jahresstatistik, 2019 immerhin schon 25. Doch 2020 hat sich deren Zahl mit 58 mehr als verdoppelt. Polizeidirektor Dirk Zühlke: „Das bedeutet nicht zwingend, dass Kinderpornografie auf einen Schlag zu einem Massenphänomen im Kreis Herford geworden ist. Wir sind diesem Delikt nur stärker als jemals zuvor nachgegangen.“

Von Oktober 2019 bis Oktober 2020 wertete die Ermittlungskommission „Kipo“ ein Datenvolumen von 264 Terabyte aus. Das entspricht 264.000 Gigabyte oder einem 16,5 Kilometer hohen Papierstapel, wenn jeweils vier Fotos auf eine Dia-Seite-gedruckt werden. Die Polizei wurde von eigens dafür vom Land eingestellte IT-Experten unterstützt. Kriminaloberrat Peter Lehmann: „Die Arbeit ist so belastend, dass den Ermittlern eine Erschwerniszulage zugestanden wurde.“

Aushilfe in Münster

Von Juli 2020 an halfen die Herforder Ermittler auch in Münster aus. Dort hob die Ermittlungskommission Rose ein weit verzweigtes, kinderpornografisches Netzwerk aus. Seit November wird die Arbeit in einem Fachkommissariat fortgesetzt.

Solche speziell auf einen Fall und für kurze Zeit konzentrierte Ermittlungskommissionen setzte die Herforder Polizei im vergangenen Jahr für weitere Fälle. Die Fahndung nach dem Brandstifter in Bünde ist so ein Beispiel. In Vlotho und Löhne beendete die Ermittlungskommission „WED“ Serien von Wohnungseinbruchs-Diebstählen. In Herford verschwanden seit Oktober 2019 in 25 Fällen Werkzeuge und Gasflaschen aus Containern auf Baustellen und aus Baumärkten. Die Ermittlungskommission „Conti“ setzte sieben mutmaßliche Täter fest.

Hohe Aufklärungsquote

Die gezielte Fahndung zu ausgesuchten Delikten beschert der Kreispolizeibehörde die höchste Aufklärungsquote in 35 Jahren. Bei 10.249 bekannt gewordenen Straftaten (1,6 Prozent weniger als 2019) liegt sie bei 57,3 Prozent. Es fehlt also nicht mehr viel und die Herforder Polizei klärt zwei Drittel aller Straftaten auf. Im Regierungsbezirk Detmold sind es noch etwas bessere 57,9 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 52,8 Prozent.

Aus diesen Kennziffern ist die Zahl der bekannt gewordenen Delikte auf 100.000 Einwohner anrechenbar. Die so genannte Häufigkeitszahl gibt einen Hinweis auf die Kriminalitätsgefährdung in einer Region. Auf Landesebene liegt diese Zahl bei 6774, im Regierungsbezirk Detmold bei 4819 – im Kreis Herford kommt sie auf gerade einmal 4090. Landrat Jürgen Müller ist der Polizeichef: „Es lebt sich alles in allem also sehr sicher im Kreis Herford. Das verdanken wir dem außerordentlich hohen Engagement der hier eingesetzten Polizeibeamten.“ Doch eines sei auch klar: „Wenn wir mit Ermittlungskommissionen an einer Stelle Schwerpunkte setzen, kommen andere Stellen vorübergehend zu kurz.“ Das sei der Preis, der bei begrenzter Belegschaftsstärke zu zahlen sei.

Sicherheit in Kommunen

Mit 6468 Delikten je 100.000 Einwohner ist es der Statistik zufolge in der Kreisstadt Herford noch am gefährlichsten, allerdings ist diese Häufigkeitszahl um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Bünde kommt als zweitgrößte Stadt des Kreises auf eine Häufigkeitszahl von 3960. Am sichersten ist es in Rödinghausen mit der Häufigkeitszahl 1650.

Von den 4803 ermittelten Tatverdächtigen waren 3681 männlich (76,6 Prozent) und 1122 weiblich (23,4 Prozent). 1016 aller Verdächtiger waren jünger als 21 Jahre (21,2 Prozent). 3517 aller Verdächtiger hatte die deutsche Staatsbürgerschaft (73,3 Prozent), 1286 (26,8 Prozent) hatten eine andere Nationalität. Unter ihnen waren die meisten türkischer, polnischer und rumänischer Abstammung.

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