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40-Jährige lässt Katzen verwahrlosen – zwölf Tiere werden eingeschläfert – Geldstrafe

Tödliche Tierliebe vor Gericht

Bünde (HK).Zwölf Katzen müssen eingeschläfert werden, nachdem Mitarbeiter des Kreisveterinäramts sie aus der verdreckten Wohnung ihrer Halterin geholt haben. Das Bünder Amtsgericht hat die 40-Jährige jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt – wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.

Daniel Salmon

18 Katzen, ein Hund und drei Kaninchen soll die angeklagte Bünderin bis zum Sommer letzten Jahres unter widrigen Bedingungen gehalten haben. Nötige Tierarztbesuche machte die 40-Jährige nicht. Die Tiere wurden krank, viele mussten eingeschläfert werden. Foto: dpa

Richtig ernst scheint die Angeklagte den Prozess am Montagvormittag nicht zu nehmen. Während der dreistündigen Verhandlung grinst sie fast permanent, als vier Veterinäre im Zeugenstand ihre Aussagen machen. Bei manchen Äußerungen lacht sie laut auf. Ihr wird vorgeworfen, ihre Tiere nicht zum Tierarzt gebracht und ihnen so schwere Leiden zugefügt zu haben.

Starker Floh- und Milbenbefall

18 Katzen, darunter mehrere Welpen, ein Hund und drei Kaninchen soll die Bünderin bis zum Sommer letzten Jahres unter widrigen Bedingungen gehalten haben. Zu einer ersten Kontrolle rücken die Amtsveterinäre im März 2019 bei der 40-Jährigen an. Der Herforder Tierschutzverein hat zuvor Anzeige gegen die Frau erstattet. „Bereits beim Betreten des Mehrparteienhauses konnte man Uringeruch wahrnehmen“, erinnert sich Tierarzt Dr. Elmar Boesing bei seiner Aussage am Montag zurück. Die vorgefundenen Zustände in der Wohnung und einem Kellerraum beschreibt er als „hygienisch desolat“: „Überall lagen Kot, Kleidung, Unrat. Die Katzenklos waren verdreckt.“

Sämtliche Vierbeiner hätten unter starkem Floh- und Milbenbefall gelitten. Bei Schäferhund Oskar habe Boesing neben den Parasiten eine chronische Hautentzündung, eine hochgradige Ohrenentzündung sowie eine Bindehautentzündung beider Augen festgestellt. „Es war ein Bild der Verwahrlosung“, so der Veterinär, der einräumt, dass die Tiere zumindest ausreichend ernährt wurden. Laut Boesings Aussage habe sich die Angeklagte uneinsichtig gezeigt, die aufgezeigten Mängel bestritten.

Bünderin verweigert Zutritt

Zu einen weiteren Besuch erscheinen die Amtstierärzte einige Wochen später, im April. „Zwar waren die Katzenklos gereinigt, der Zustand der Wohnung und der Tiere war aber gleich“, so Boesing, der mit seiner Kollegin zusätzlich auf drei Kaninchen stößt, die in einem Käfig im halbdunklen Keller ohne Wasser vor sich hinvegetieren.

Bei einer Kontrolle im Juni 2019 habe die Angeklagte den Veterinären dann den Zutritt zur Wohnung verweigert. Im Juli rücken die Kreismitarbeiter mit einem Durchsuchungsbeschluss an. „Der Hygienezustand in der Wohnung war noch schlechter geworden“, so Boesing. Bei Schäferhundrüde Oskar sind die Pfoten mittlerweile eitrig entzündet. Kater Rory liegt apathisch auf dem Sofa. Er wird zwar noch am selben Tag zu einem Tierarzt gebracht, muss aber eingeschläfert werden: Er litt unter akuter Blutarmut und einem Nierenleiden. Tierheimmitarbeiter fangen die übrigen Tiere ein, lassen sie medizinisch versorgen. Allerdings hätten elf weitere Katzen, darunter alle Welpen, an der Katzenseuche oder anderen schweren Erkrankungen gelitten – als Folge der schlechten Haltung. Auch sie müssen eingeschläfert werden.

Hund „Oskar“ geht es besser

Auf Nachfrage von Amtsrichter Henning Zurlutter führt Boesing aus, dass die Tiere seit Monaten erkrankt und von Parasiten befallen gewesen sein müssen. Eine rechtzeitige medizinische Versorgung hätte ihre Leiden gelindert, manchen das Leben gerettet. Immerhin: Rüde Oskar geht es mittlerweile wieder gut. Drei weitere Veterinäre bestätigen im Lauf der Verhandlung Boesings Ausführungen.

Die Angeklagte zeigt sich unbeeindruckt. „Ich wollte mit dem Kater am Tag der letzten Kontrolle zum Tierarzt“, betont sie. Die 40-Jährige bezweifelt, dass die Tiere, die ins Tierheim gebracht wurden überhaupt mit ihren identisch sind. „Die sehen nur gleich aus.“

Nach der Beweisaufnahme hält die Staatsanwältin die Vorwürfe gegen die Bünderin für erwiesen und fordert eine Geldstrafe in Höhe von 1275 Euro für die Frau. Amtsrichter Zurlutter folgt in seinem Urteil dieser Forderung. „Sie als Halterin sind in der Pflicht gewesen sich um die Tiere zu kümmern, das haben Sie nicht gemacht”, wendet er sich an die immer noch uneinsichtige Angeklagte.

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