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Neue Museumsausstellung will den Einfluss des Menschen auf die Erde thematisieren

Unser Planet – unsere Regeln?

Bünde (WB)

Die Museen haben es nicht leicht: Potenzielle Besucher stoßen coronabedingt auf verschlossene Türen, aufwändig produzierte Ausstellungen sind für niemanden zugänglich. Auch auf der Bünder Museumsinsel ist es derzeit geradezu beängstigend still.

Hilko Raske

Museumsleiter Michael Strauß überarbeitet derzeit das Konzept für die nächste Ausstellung: „Unser Planet – unsere Regeln?“ Foto: Hilko Raske

Praktisch gleich nach der Eröffnung musste die aktuelle und wirklich sehenswerte Schottland-Ausstellung wieder schließen. Wo andere aber vielleicht resignieren, nutzt Michael Strauß, Leiter der Einrichtung, die Zwangsschließung, um Konzepte für künftige Museumsangebote zu überarbeiten. Dabei hat Strauß vor allem den vierteilige Ausstellungszyklus „Des Menschen Welt“ im Blick, der unter anderem zeigen soll, wie die Menschheit als beherrschende Spezies das Antlitz der Welt verändert hat und immer noch verändert.

Die intensive Beschäftigung damit hat allerdings dazu geführt, dass Strauß dieses Thema weitaus provokanter, um nicht zu sagen radikaler, präsentieren möchte als ursprünglich vorgesehen Er sei zu einer fundamentalen Einsicht gelangt, sagt Strauß: „Das Grundprinzip, das uns Menschen antreibt, ist unsere generelle Unzufriedenheit.“ Das habe dazu geführt, dass der Mensch permanent versuche, alles in seinem Sinne zu verändern – mit katastrophalen Folgen für den Planeten Erde. Der Mensch zerstöre seine Lebensgrundlage, ist Strauß sich sicher. „Wir erleben das größte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier – und diesmal ist es von Menschen gemacht.“ Durch Zufall sei er darauf gestoßen, dass im Internet immer noch Safaris angeboten würden, bei denen man auch Löwen oder Elefanten schießen könne. Und täglich würden in Deutschland zwei Millionen Tiere geschlachtet, um den Hunger der Menschen zu stillen. „Innerhalb von 41 Tagen sind das so viele Tiere, wie Deutschland Einwohner hat. Diese Tiere leben überwiegend unter erschütternden Bedingungen.“

Nicht erst seit der Neuzeit sei die Ökobilanz der Menschheit verheerend. „Schon in der Altsteinzeit legten Menschen Waldbrände, um Tierherden in eine gewünschte Richtung zu treiben.“ Unter dem Titel „Unser Planet – unsere Regeln?“ wolle er das thematisieren. „Dabei geht es mir nicht um Effekthascherei oder Sensationen. Ich möchte nur zeigen, wo wir stehen und welche Folgen das Wirken der Menschheit hat“, stellt Strauß klar. Die Erde sei ein äußerst sensibles System, in dem der Mensch als Störfaktor auftrete. „Wenn wir die Balance stören, kann es sein, dass wir uns selbst vernichten.“ Und in Zeiten von Corona vielleicht besonders erwähnenswert: Strauß vertritt die Ansicht, dass die ganze Menschheit sich wie eine Krankheit verhält.

Und wann wird diese Ausstellung zu sehen sein? „Vielleicht vom kommenden September an – sofern es Corona zulässt.“

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