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Hammer Forum verzichtet auf Engagement im Libanon

»Unsere Hilfe ist nicht erforderlich«

Bünde  (WB). Eigentlich sollte der Aufenthalt im Libanon fast zwei Wochen dauern. Doch bereits nach vier Tagen reiste Dr. Theophylaktos Emmanouilidis, Vorsitzender des medizinischen Hilfswerks Hammer Forum, wieder ab. Und war dabei um einige wichtige Erkenntnisse reicher.

Hilko Raske

Wird medizinische Hilfe durch das Hammer Forum benötigt? Über dieses Thema unterhielten sich Dr. Nahid Al-Falahi, Dr. Yasim (Direktor des Safad-Hospitals) und der Bünder Arzt Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (von links).

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Nahid Al-Falahi war der ehemalige Bünder Chefarzt am 18. Juni nach Beirut geflogen. Die beiden Mediziner folgten dabei einer Einladung des Palästinensischen Roten Halbmondes. Ziel war die Stadt Tripoli im Süden des Libanons. »Wir wollten vor Ort erkunden, ob medizinische Hilfe für Kinder und Jugendliche durch das Hammer Forum erforderlich ist«, berichtet der Arzt. Immerhin würden im Libanon hunderttausende syrische, aber auch palästinensische Flüchtlinge leben. Letztere seien 1948 – während der Gründung des Staates Israel – in das Nachbar­land geflohen.

In Tripoli habe man als Erstes das Safad-Hospital aufgesucht. »Das Krankenhaus befindet sich in der dortigen Palästinenser-Enklave«, so Dr. »Emma«, wie ihn die Bünder nennen. Dieser Stadtteil sei aus einem ehemaligen Flüchtlingscamp entstanden und befinde sich praktisch unter palästinensischer Selbstverwaltung. »Wir führten dort Gespräche mit dem Krankenhaus-Direktor, dem Personalchef und anderen Kollegen. Uns wurde bestätigt, dass die Behandlung im Safad-Hospital kostenlos sei.«

33 Kinder untersucht

Während der nächsten zwei Tage hätten er und sein Kollege 33 Kinder untersucht und vier von ihnen operiert. Zu 90 Prozent seien es syrische Kinder gewesen. Dabei sei es zu einem unschönen Zwischenfall mit einem Orthopäden des Safad-Hospitals gekommen. »Bei einem Kind stellten wir fest, dass es nach der Behandlung eines Oberarmbruches vor einem Jahr immer noch eine Metallplatte aufweist.« Am Ende hätte man den Orthopäden gebeten, sich das Kind und die Röntgenbilder anzuschauen und es auf seinen OP-Plan aufzuschreiben.

Für Palästinenser umsonst

»Erst klärte er uns ziemlich aufgeregt in arabischer Sprache auf, dass das Kind nicht von ihm operiert worden sei, sondern von einer englischer NGO und er wurde dann noch lauter, reagierte ziemlich unprofessionell und unkontrolliert.« Das sei ein syrisches Kind, und die Syrer und andere Nationen müssten zahlen. Erst durch diese kleine Episode mit dem Orthopäden habe man erfahren, dass außer den Palästinensern alle anderen Nationalitäten zahlen müssten, um im Hospital behandelt zu werden. »Wir waren überrascht, weil uns auf Nachfrage bestätigt worden war, dass im Hospital die Behandlungen kostenlos seien. Deshalb waren wir im Glauben, dass alle Patienten und nicht nur die Palästinenser kostenlos behandelt würden.«

Nach erneuter Nachfrage beim Direktor sei diese Vorgehensweise bestätigt worden. Weiter habe der Direktor darüber informiert, dass, wenn Palästinenser-Kinder eine spezielle Behandlung benötigten, sie zu den libanesischen Hospitälern verlegt würden. »Die Kosten dafür übernimmt das ›Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten‹«. Alle anderen Nationalitäten müssen selbst zahlen.« Er habe den Eindruck gewonnen, dass die kostenlose medizinische Hilfe durch das Hammer Forum in Tripoli durchaus als Konkurrenz betrachtet werde, so Dr. »Emma«.

Der Krankenhaus-Direktor habe die deutschen Ärzte darüber informiert, dass mit Ausnahme von einigen Missbildungen alle Kinder im Libanon behandelt werden könnten. »Somit war für uns klar, dass das Hammer Forum und auch andere NGOs nicht benötigt werden«, betont Dr. »Emma«. Man habe daraufhin kurz entschlossen den Rückflug angetreten.

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