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Bosnisch-serbische Familienfehde – 44-Jähriger erhält Bewährungsstrafe

Urteil im Baseballschläger-Prozess

Bielefeld/Bünde (WB). Die Tat ereignete sich am 19. Dezember 2015, mehr als drei Jahre später zog das Landgericht Bielefeld am Dienstag den juristischen Schlussstrich unter eine bosnisch-serbische Familienfehde. Weil er in Bünde mit acht Landsleuten auf offener Straße einen Widersacher mit einem Baseballschläger verprügelt hatte, wurde ein Bielefelder (44) serbischer Abstammung wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt.

Jens Heinze

Vor diesem Haus an der Fahrenkampstraße in Bünde war es Ende 2015 zu dem Angriff auf das Opfer gekommen. Drei Jahre später ist nun das letzte Urteil in der Sache gefallen. Foto: Heeren

Vier Jahre auf Bewährung

Die im Gegenzug für das abgelegte Geständnis zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Opferanwalt abgesprochene Strafe wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Folgt der Angeklagte den Auflagen der 20. Großen Strafkammer – der serbische Türsteher wird der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt, muss sich straffrei führen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten – bleibt dem Mann das Gefängnis erspart.

Obwohl der Fall inzwischen mehr als drei Jahre zurück liegt, hat er immer noch Brisanz. Vorsitzender Richter Carsten Glashör­ster verkündete das Urteil unter Polizeischutz und einem erhöhtem Aufgebot von Justizwachtmeistern.

Bedrohung und Beleidigung

Dass insgesamt acht Beamte den Saal im Landgericht sicherten, lag dem Vernehmen nach daran, dass das Opfer der Baseballschläger-Attacke vor dem letzten Prozesstag am Telefon Beamte der Bielefelder Justiz bedroht und beleidigt haben soll. Der Mann, der trotz Ladung zur Zeugenaussage vergangene Woche nicht vor Gericht erschien, soll wütend darüber sein, dass es einen »Deal« über das Strafmaß für den Angeklagten gab, hieß es am Rande der Verhandlung.

Von den ursprünglich neun Tätern der Baseballschläger-Attacke waren acht Angeklagte bereits im Jahr 2017 zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Weil er krank war, wurde dem letzten Angeklagten erst jetzt der Prozess gemacht. Vermutungen von Polizei und Staatsanwaltschaft unmittelbar nach der Tat zur Weihnachtszeit 2015, dass es sich um ein versuchtes Tötungsdelikt handeln könnte, bestätigte sich vor dem Landgericht nicht.

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