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39-jähriger kündigt an: „Ich sprenge das Jugendamt in die Luft“ – Amtsgericht Bünde verhängt Geldstrafe

Verzweifelter Vater droht mit Bombe

Bünde (WB)

400 Euro: Zu einer Geldstrafe in dieser Höhe hat das Bünder Amtsgericht jetzt einen 39-Jährigen verdonnert, weil dieser in einem Telefonat mit einer Rathausmitarbeiterin gedroht hatte, das Bünder Jugendamt in die Luft zu sprengen.

Daniel Salmon

Der Mann, der jetzt vor Gericht stand, wollte sich beim ehemaligen Bürgermeister über Mitarbeiter des Jugendamtes beschweren. Dabei wurde er offenbar ausfallend. Foto: Daniel Salmon

In der Verhandlung rasch wird klar: Die verbale Entgleisung mit justiziablen Folgen geht auf das Konto eines verzweifelten Vaters, der mit seiner Ex-Frau im Clinch um den Umgang mit den gemeinsamen Kindern liegt.

Wie die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift ausführt,hatte sich der Mann am Vormittag des 16. Juli vergangenen Jahres telefonisch über Mitarbeiter des Jugendamtes, die seinen Fall bearbeiten, beim damaligen Bünder Bürgermeister Wolfgang Koch beschweren wollen. „Seit knapp vier Jahren belügt und betrügt mich das Jugendamt, gibt mir falsche Informationen und zu den Sachen, die meine Ex-Frau unseren Kindern antut, unternimmt die Behörde nichts“, echauffiert sich der Hartz-IV Empfänger zu Prozessbeginn.

Mehr als 50 Mal habe er sich mit seinen Anliegen („Die Kinder sind oft nicht dem Wetter passend gekleidet und werden so von meiner Ex krank gemacht, um mir den Umgang zu verwehren. Das Amt sagt, ich wäre an der verfahrenen Situation selbst Schuld – bin ich aber nicht“) an die zuständigen Sachbearbeiter gewandt, aber kein Gehör gefunden.

Zum Stadtoberhaupt war der zweifache Vater aber seinerzeit nicht durchgestellt worden, sein Anruf lief stattdessen im Vorzimmer des Ersten Beigeordneten Günther Berg auf, dem auch das Jugendamt untersteht. Dessen Sekretärin teilte dem 39-Jährigen aber mit, dass ihr Chef derzeit nicht zu sprechen sei. Daraufhin schien dem Mann der Kragen geplatzt und die Bombendrohung entfahren zu sein. „Ich war ziemlich sauer, aber ob ich so etwas gesagt habe, weiß ich nicht mehr. Ich habe gesagt, ich werde Maßnahmen ergreifen“, so der Bünder. An den Wortlaut kann sich die Rathausmitarbeiterin im Zeugenstand aber noch genau erinnern. Eingegangen sei sie auf die Drohung aber zunächst nicht. „Ich habe das Gespräch dann erstmal beendet, später aber mit meinem Chef darüber gesprochen.“

Für den aufgebrachten Angeklagten war die Sache damit aber noch nicht erledigt. Mit dem Bus fuhr er knapp zwei Stunden nach dem Telefonat zum Jugendamt, rüttelte und riss an der pandemiebedingt geschlossenen Eingangstür zum Jugendamt. „Ich wollte Aufmerksamkeit erregen, damit man mit mir spricht. Das hat dann aber keiner getan.“ Als die Amtsleiterin den Mann entdeckte, forderte sie ihn auf, sein Tun zu unterlassen. Wenig später ließ sie die Polizei rufen, die dem 39-Jährigen einen Platzverweis erteilte. Wegen diesem Ausraster hatte die Anklage dem Mann auch noch versuchte Sachbeschädigung vorgeworfen.

Während die Staatsanwältin beide Tatvorwürfe – die Bombendrohung und die versuchte Sachbeschädigung – als erfüllt ansieht und eine Geldstrafe in Höhe von 700 Euro, pocht der ohne Verteidiger erschienene und in der Sache generell geständige 39-Jährige auf Freispruch. Amtsrichter Henning Zurlutter verhängt letztlich aber nur eine Strafe wegen der verbalen Entgleisung gegen den bis zum Schluss uneinsichtigen Angeklagten. „Das was jetzt vorgefallen ist, wäre nie passiert, wenn das Jugendamt richtig gehandelt hätte. Das Amt hätte bestraft werden müssen. Mich trifft keine Schuld“, empört sich der Hartz-IV-Empfänger noch kurz vor der Urteilsverkündung. „Sie befanden sich zwar einer Ausnahmesituation, waren frustriert, gerechtfertigt war so eine Drohung aber nicht“, wendet sich Henning Zurlutter abschließend an den Bünder.

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