1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Buende
  6. >
  7. Viel Arbeit, wenig Facharbeiter

  8. >

Baugewerke-Innung trifft sich zum Jahresempfang in Bünde

Viel Arbeit, wenig Facharbeiter

Bünde  (WB). Die Baubranche boomt. Mit gut gefüllten Auftragsbüchern konnten die Bauschaffenden des mittelständischen Bauhandwerks in das neue Jahr starten. Gleichzeitig bereitet ihnen der demografische Wandel Sorgen. Beim Jahresempfang der Baugewerkeinnung Herford blickten die Mitglieder in Büschers Gästehaus in Bünde auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück.

Christina Bode

Fritz Scheding (Ehrenobermeister, von links), Axel Brokamp (Vorstand Innung), Dipl.-Ökonom Hermann Schulte-Hiltrop (Hauptgeschäftsführer Baugewerbeverband Westfalen), Thomas Brinkmann (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Wittekindsland), Stephan Becker (Vorstand Innung), Heinz Ludwig Wehmeyer (Schulleiter Wilhelm-Normann-Berufskolleg Herford), Reinhard Jungk (Geehrter), Holger Knöpke (Vorstand Innung) kamen beim Jahresempfang in Büschers Gästehaus zusammen. Foto: Bode

Um die nächsten zwei Jahre mache er sich keine Gedanken, sagte Hermann Schulte-Hiltrop, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Westfalen, der als Ehrengast eingeladen war. „Nach einer 13 Jahre andauernden Rezession haben uns zwei Konjunkturpakete wieder aufs Pferd geholfen“, sagte er. Vor allem in öffentliche Gebäude sei seit 2008 viel investiert worden, seitdem gehe es langsam aufwärts. Die Zeit zwischen 1995 und 2008 sei die schlimmste seines Berufslebens gewesen, blickte Schulte-Hiltrop zurück. „Ich hatte praktisch nichts anderes zu tun, als Insolvenzen abzuwickeln.“ Im vergangenen Jahr habe das Bauhandwerk in Nordrhein-Westfalen einen Umsatz von 137 Milliarden Euro erzielt – 37 Prozent mehr als 1995. „Diese Branche ist die einzige, die derzeit richtig funktioniert“, sagte er.

„Der Nachwuchs kommt nur spärlich nach“

Dennoch blicke er nicht ohne Sorge in die Zukunft. Zwar gebe es in allen Sparten viel zu tun. Vor allem der Straßen- und Wohnungsbau seien gut ausgelastet. 300.000 Wohnungen würden jedes Jahr gebaut. „Mehr ist einfach nicht leistbar“, sagte der Geschäftsführer. Problem seien einerseits Lieferengpässe für Materialien wie Sand und Kies, andererseits ein Mangel an Facharbeitern. „Wir haben 830.000 Beschäftigte und möchten auf 850.000 aufstocken“, berichtete er. Allerdings würden in den kommenden Jahren jährlich 15.000 Beschäftigte in Rente gehen. „Da steht uns ein riesiges Loch bevor. Denn uns fehlen die Angestellten aus den Jahren der Rezession“, sagte er. Und auch der Nachwuchs käme nur spärlich nach. Das konnte auch Ehrenobermeister Fritz Scheding für den Kreis Herford bestätigen. Zur Zeit werden am Wilhelm-Normann-Berufskolleg nur 27 junge Menschen im Maurerhandwerk ausgebildet.

Klimawandel und Digitalisierung

Weitere Themen, die die Baubranche derzeit beschäftigen, sind der Klimawandel und die Digitalisierung. „Wir haben mit Ministerin Ina Scharrenbach einen Klimapakt geschlossen“, berichtete Schulte-Hiltrup. Ziel sei es, Baumaterialien CO2-ärmer herzustellen. Denn vor allem die Herstellung von Zement und Beton produziere viel CO2. „Nichts hat das Antlitz der Erde so verändert wie die Bauwirtschaft. Darum ist es auch unsere Aufgabe, acht auf die Umwelt zu geben“, sagte Schulte-Hiltrup. Als Aufgabe des Staates sehe er es aber, alte versiegelte Flächen zu entsiegeln, um sie wieder bebauen zu können.

In der Digitalisierung sieht der Geschäftsführer des Baugewerbeverbandes große Chancen. „Sie wird Bauprozesse durch Zeiterfassung und digitale Planungen maßgeblich verändern“, sagte er.

Ehrungen

Den Jahresempfang nutzte der Vorstand auch für Ehrungen. Fritz Scheding aus Löhne erhielt den Ehrenobermeisterbrief sowie die silberne Ehrennadel des Verbandes. Reinhard Jungk, ebenfalls aus Löhne, wurde auch mit der silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.

Startseite