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Verfahren in Bünde wegen gefährlichen Eingriffs in Straßenverkehr eingestellt

Vollbremsung auf der linken Spur?

Bünde  (WB). Weil er auf der A30 einen anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet haben soll, musste sich jetzt ein 29-jähriger Tischler aus Ibbenbüren vor dem Amtsgericht Bünde verantworten.

Hilko Raske

Vor dem Bünder Amtsgericht musste sich ein 29-Jähriger wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Foto: Daniel Salmon

Dem jungen Mann wurde vorgeworfen, im vergangenen Jahr auf der Autobahn in Richtung Osnabrück mehrere Kilometer mit seinem VW Polo mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometer auf dem linken Fahrstreifen unterwegs gewesen zu sein. Als ein hinter ihm fahrender Mercedes per Lichthupe und Blinker signalisierte, dass er den Polo überholen wollte, soll der Tischler seinen Wagen abrupt auf eine Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometer abgebremst haben, so dass der hinter ihm fahrende Mercedes eine Vollbremsung machen und auf die rechte Spur wechseln musste, um eine Kollision zu verhindern.

Der 29-Jährige habe daraufhin ebenfalls auf die rechte Spur gewechselt und dort erneut eine Vollbremsung vollzogen. Im Mercedes war ein Ehepaar aus Lingen unterwegs. Die Senioren hatten den Vorfall am Folgetag in Lingen zur Anzeige gebracht.

Fahrer habe sich erschrocken

Aus Sicht des Angeklagten stellte sich die Situation aber anders dar. Er habe mit Tempo 120 gerade einen Lkw überholt, als der Mercedes wie ein Rakete von hinten angeschossen gekommen sei. „Ich war so erschrocken, dass ich auf die Bremse getreten bin und dann nach rechts gewechselt habe.“ Er habe mit seinem Verhalten niemandem Schaden zufügen wollen.

Der Fahrer des Mercedes (78) und seine Ehefrau (83) gaben eine gänzlich andere Schilderung des Vorfalls. So habe der Polofahrer, als man sich auf der linken Spur befand und ihm signalisierte, ihn überholen zu wollen, eine Vollbremsung hingelegt. Er habe daraufhin seinen Mercedes auf die rechte Fahrspur gesteuert, um nicht aufzufahren, sagte der 78-Jährige. Der Polofahrer sei jedoch ebenfalls nach rechts gezogen und habe dann die nächste Vollbremsung hingelegt. „Und das, obwohl die Autobahn frei war.“ Bei einem erneuten Wechsel nach links habe sich das Spielchen wiederholt.

Man habe arge Probleme mit der Beurteilung der Gefahrensituation, sagte die Vorsitzende Richterin. Gegen eine Geldauflage – der Tischler muss in den kommenden fünf Monaten jeweils 100 Euro zahlen – wurde das Verfahren vorläufig für fünf Monate eingestellt.

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